Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Benutzername: Passwort:

Cross-over-Pferd ...

  • 2 Antworten
  • 81 Gelesen

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Ein Mal Traber, immer Traber
  • ***
  • Mitglied
  • 43 Beiträge
Cross-over-Pferd ...
« am: 03. Januar 2019, 23:26:30 »
Mir begegnet im Forum immer wieder der Begriff Cross-Over-Pferd, aber irgendwie bleibt für mich eher vage, was damit gemeint ist.

Was versteht ihr darunter? In welchem Zusammenhang verwendet ihr diesen Begriff? Wie kommt es dazu? Wäre es besser zu vermeiden? Wenn ja, wie? Oder gibt es auch Vorteile?
Liebe Grüße Angela und das Traberbübchen
  • Gespeichert

  • Think positive!
  • *****
  • Administrator
  • 25951 Beiträge
    • Click for Balance
Re: Cross-over-Pferd ...
« Antwort #1 am: 04. Januar 2019, 00:05:47 »
Ein Cross-Over-Pferd ist ein Pferd, das in seinem Leben die Erfahrung gemacht hat, dass sehr vieles von dem, was der Mensch von ihm möchte, über (unschönen) Druck vermittelt wird. Und nun lernt es die positive Verstärkung kennen und befindet sich in dem Zwiespalt, dass es noch nicht einschätzen kann, ob der Mensch das auch wirklich so meint und wie das neue Lernen nun tatsächlich aussehen kann.

Die meisten Pferde sind das, und wir Menschen meistens auch - wir sind verhaftet (über unserer früheren Konditionierungen) in so halben Reflexen, Erwartungshaltungen und Ansprüchen, und wie man an sich selbst oft merkt, kann es, trotz aller guten Vorsätze, schwer sein, wirklich nur mit positiver Verstärkung zu arbeiten.

Das erzeugt ein ziemliches Spannungsfeld, dessen Größe von den Erfahrungen und Erwartungen der einzelnen Parteien geprägt ist.   :nick:
Mit manchen Pferden dauert es Jahre, bis sie ihre alte Prägung überwunden haben und wirklich Vertrauen fassen.
Andere sagen "Oh super, genau das wollte ich schon immer, das Alte lassen wir jetzt einfach" und sind gleich "spielbereit".
Dazwischen gibt es unendlich viele Abstufungen.
Alles kommt zu dem, der warten kann.
  • Gespeichert

  • Krümel-Mama
  • *****
  • Administrator
  • 16660 Beiträge
    • www.clickertiere.de
Re: Cross-over-Pferd ...
« Antwort #2 am: 04. Januar 2019, 00:16:07 »
Kathrin Wycisk hat für EasyDogs einen sehr schönen Artikel zum Thema geschrieben:

https://www.easy-dogs.net/home/blog/training/gastautor/crossoverpferd_wycisk.html

Zitat
Als Crossover (engl. Übergang) werden Pferde bezeichnet, deren Trainer einen Wechsel zwischen zwei unterschiedlichen Trainingsmethoden durchlaufen bzw. durchlaufen haben. In der Regel wechseln Pferdebesitzer vom konventionellen, auf negativer Verstärkung und Strafen basierenden Training zu Methoden, die auf die sogenannte positive Verstärkung bauen, wie z.B. dem Marker- oder Clickertraining.

[...]

Zusammenfassend lässt sich feststellen, das dass Crossover-Phänomen vor allem dort Probleme verursacht, wo – vereinfacht gesagt – versucht wurde, angstmotiviertes Verhalten mit Zwangsmaßnahmen zu unterbinden oder es durch noch stärker ängstigende Reizen zu verändern. Diese Vorgehensweise schafft neue evtl. weniger sichtbare Probleme und funktioniert scheinbar solange die Angst vor Sanktionen das eigentliche Verhalten hemmt.

Der Crossover-Zustand ist quasi der Moment, wo die negative Verstärkung nicht mehr so richtig funktioniert, weil das Pferd inzwischen festgestellt hat, dass Verweigerung nicht mehr geahndet oder schlicht keine gesteigerten Druckstufen mehr angewendet werden - und die positive Verstärkung noch nicht so richtig, weil das Pferd sich nicht traut eigenes Verhalten anzubieten oder eventuell auch vorher unterdrückte ungewünschte Verhaltensweisen wieder zum Vorschein kommen.

Und außerdem kann es passieren, dass Dinge, die ursprünglich mit negativer Verstärkung erarbeitet wurden (bei uns z.b. das Longieren) dann komplett zusammenbricht weil das Pferd sagt "nee, ich bin nicht mehr bereit, das so zu ertragen - du kannst das jetzt besser". Und natürlich das Thema Poisoned Cues / Vergiftete Signale - wenn das Longieren jetzt mit dem ehemaligen Peitscheneinsatz und aber auch dem neuen Clickern verknüpft wird, dann ist das für das Pferd eine komplett unsichere Situation die tendenziell dann eher gemieden wird, obwohl es vorher gut funktioniert hat.
LG Tine
Krümeline & Mucki

Ab und zu ist es gut, in unserem Streben nach Glück innezuhalten und einfach glücklich zu sein ~ Guillaume Apollinaire
  • Gespeichert