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Rückenheben, was bringt das?

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Rückenheben, was bringt das?
« am: 04. Oktober 2018, 22:56:40 »
Dieses ominöse Bauchkratzen von dem neuerdings alle sprechen...  :watch: Gibt's da nen besonderen Trick oder so? :juck:
LG von Lisa und Gasella

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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #1 am: 05. Oktober 2018, 08:41:08 »
da will ich schon länger ein Video zu machen *seufz*

Es geht darum, die Bauchmuskulatur zu aktivieren, um die Rückenmuskeln zu entspannen, die bei sehr vielen Pferden (den meisten) einfach zu fest sind und nur schwer in Bewegung kommen.
Das kratzen am Bauch signalisiert den Rückenmuskeln "lass los", weil das eben ein zusammenhängendes System ist. Je nachdem wie fest die Rückenmuskeln sind, kann das aber einiges an Zeit dauern, bis sie wirklich loslassen können (Wochen bis Monate), aber es ist für manche Muskeln die einzige Möglichkeit, wirklich effektiv loszulassen, weil man an die wirbelnahen Muskeln sonst mit nichts dran kommt.
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #2 am: 05. Oktober 2018, 08:42:01 »
Und das tun alle (hoffentlich  :lol: :cheese: ) bei denen ich schon zu Besuch war.  :cheese:
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #3 am: 05. Oktober 2018, 09:30:13 »
Ich kratze Gasella auch schon länger immer mal wieder intensiv am Bauch, weil sie es einfach gerne mag und ich habe schon vor längerer Zeit beobachtet, dass sie dann den Rücken hebt :nick: Manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal gar nicht. Aber ich weiß nicht, ob es da eine bestimmte Technik oder so gibt, wie man es richtig macht. Ich kratze einfach soooo doll ich kann, bis ich vor Erschöpfung umfalle :cheese:

da will ich schon länger ein Video zu machen *seufz*

Das wäre natürlich spitze! :dops:
LG von Lisa und Gasella

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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #4 am: 05. Oktober 2018, 09:36:25 »
Ich kratze einfach soooo doll ich kann, bis ich vor Erschöpfung umfalle :cheese:
Das ehrt Dich, aber möglicherweise gibt es dann doch eine bessere Technik  :lol:
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #5 am: 05. Oktober 2018, 10:26:31 »
Steinigt mich jetzt, aber die Osteo hat bei Lucca ganz deutlich davon abgeraten, dies zu tun :juck: Hab ihr nämlich ganz stolz erzählt, dass ich das mache, da war sie etwas angesäuert/geschockt/hat es belächelt :nixweiss: Das würde rein gar nichts bringen und nur "das Pferd ärgern"  :-X
Liebe Grüße, Lena

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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #6 am: 05. Oktober 2018, 10:31:57 »
Ja, auch Therapeuten befinden sich in verschiedenen Stufen der Erkenntnis :nixweiss:
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #7 am: 05. Oktober 2018, 10:35:37 »
Solange das Tierchen keine Abwehrreaktion zeigt, wird es schon nicht schlimm sein, ist so meine Einstellung dazu. Fragst 5 Leute, bekommst 7 Meinungen  :roll:
Liebe Grüße, Lena

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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #8 am: 05. Oktober 2018, 10:37:32 »
WEIL das Tierchen Abwehrreaktion zeigt, braucht es das dringend :(  ich schreib später noch was dazu, ist mir sehr wichtig
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #9 am: 05. Oktober 2018, 10:50:06 »
Da freue ich mich sehr auf Deine Ausführungen, Heike  :nick: Durch die gegensätzlichen (fundiert begründeten) Aussagen bin ich jetzt schon etwas verwirrt und vor allem verunsichert, was richtig und was falsch ist :confused:
Liebe Grüße, Lena

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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #10 am: 05. Oktober 2018, 11:01:34 »
Bei Davy hat es ja jetzt auch ne ganze weile gedauert, bis es ihr gefallen hat bzw. sie stehen bleibt.

Wenn es so unangenehm wäre, würden sich die Pferde ja dauerhaft entziehen wollen.
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #11 am: 05. Oktober 2018, 11:01:51 »
Ja, viele Pferde zeigen Abwehrreaktionen. Warum tun sie das? Weil der Rücken fest, in der Faszie verklebt ist und die mannigfaltigen kleinen Stellmuskeln, die alle um die Wirbel direkt von Gelenk zu Gelenk, von Gelenk zur Rippe, von Dornfortsatz zu Dornfortsatz führen, ALLE fest sind, um das Empfindlichste, nämlich die Wirbelsäule und den Nervenkanal, zu schützen.

Wenn ein Pferd sagt "Rückenaufwölben ist DOOF", dann empfindet es ungefähr den Schmerz, denn Du als Mensch empfindest, wenn ich sage "mach mal schnell Spagat", bitte bis zum Boden. Das schaffen die wenigsten, würde ich mal sagen, und es tut heftig weh.

1. Jeder bemuskelte Organismus mit Gelenken hat auch Mechanismen, die dem Körper signalisieren:
Achtung, drohender Schaden!  Und dann werden Muskeln fest angespannt und bleiben so, um die Gelenke zu schützen. Das nennt man eine Blockade.
2. Rücken- und Bauchmuskeln sind zusammengeschaltet. Wölbt sich der Rücken auf (z.B. zum Pinkeln), tut er das, weil sich die Bauchmuskeln anspannen. Dann bekommen die Rückenmuskeln den Befehl, los zu lassen (sie verlängern sich und ermöglichen das Aufwölben).
Ebenso, wenn sich der Rücken durchdrückt (weil sich die Rückenmuskeln zusammenziehen) bekommen die Bauchmuskeln den Befehl, loszulassen.
Spannen sich beide gegenseitig an, bekommen wir einen komplett festen Rumpf, der in alle Richtungen unbeweglich wird (das kommt beim Pilates heraus, wenn man nicht aufpasst und mit etwas Zurück-Tendenz arbeitet in die fest stehende Hinterhand)
Ist beim Menschen genauso. Wenn ich mit dem Finger die Wirbelsäule entlang fahre, wird sich der Rücken durchdrücken und der Bauch wird vorgestreckt. Wenn ich in den Bauch piekse, krümmt sich der Rücken und der Bauch wird eingezogen.

Beim Reitpferd haben wir im Grunde genommen den Dauerzustand der Rückenüberlastung, weil die meisten Pferde nicht genügend vorbereitet sind, wenn ein Mensch obendrauf Platz nimmt. Deshalb bekommen die Bauchmuskeln den Dauerbefehl "lass los". Dadurch fehlt dem Rumpf zum Einen die Unterstützung von unten, die Bauchmuskel werden in ihrer Haltespannung beeinträchtigt und dann in Folge in der "Losgelassenheit" (die keine echte ist) überlastet. Die einzelnen Schichten verkleben, werden unbeweglich und überlastet, weil sie in dem Zustand nicht mehr arbeiten können.
Der Bauch liegt in den Bauchmuskelschichten (es sind ca 5 große Muskelsysteme, die die inneren Organe, die mehrere hundert Kilo wiegen, stabilisieren und halten müssen) wie in einer Hängematte. Ostheopathisch betrachtet haben auch die Organe eine ständige Bewegung. Geht jetzt von den Faszien der Bauchmuskeln eine Verklebung und Versteifung aus, kann das auch zu Verdauungs- und anderen Problematiken führen.

Die Rückenmuskulatur besteht aus hunderten von kleinen Muskel-querverstrebungen (also zigtausenden von Fasern), die im M. Multifidus zusammengefasst werden. Alle diese Muskeln sind für die Seit-, Diagonal- und Neigungsbewegungen der einzelnen Wirbel sowie für die Unterstützung der Atmung zuständig.
Wir stellen uns oft "DEN Rückenmuskel" vor, der so als STrang neben der Wirbelsäule herumliegt und wie ein Gummiband die Bewegung von hinten nach vorn durchgibt *doing* 
Das ist aber eben eine super vereinfachte Sichtweise, um überhaupt ein wenig Verständnis vom Rücken zu bekommen.
Fakt ist, der Rücken ist nicht zum Tragen gemacht. Wenn die Gesamtheit der Muskelfasern um die Wirbelsäule angespannt ist, kann der Rücken weder aufwölben, noch sich biegen oder sich funktional bewegen. Eigentlich kann ein Pferd im Galopp den Berg runter dem Puma entkommen, die Vorderbeine in die eine, die Hinterbein in die andere Richtung. Dafür braucht es maximale Beweglichkeit, und diese haben unsere Pferde nicht (mehr).

Wenn jetzt also ein Pferd sagt "du ärgerst mich, indem du den Rücken aufwölbst" - ja, dann zeigt es eben, dass es dringendst eine Lösung der Rückenmuskulatur nötig hat, und ehrlich gesagt, finde ich es erheblich effektiver, es über die direkte reflektorische Ansprache zu ereichen, als über monate- und jahrelanges Traben auf dem Zirkel.

Und ja, das kann lange dauern und es ist möglicherweise ein ziemlich langsamer Prozeß. Ich habe bei Jack 6 Monate gebraucht bei täglich 5-10 Minuten jeweils VOR UND NACH der Arbeit, bis der Rücken anfing wirklich wieder in Bewegung zu kommen. Und seitdem läuft er anders als sein ganzes Leben (bei mir) vorher.
Ich lasse diese Übung seit *überleg* 8 Jahren alle meine Kunden machen. Nicht jeder ist sehr engagiert dabei, weil es ihnen nicht unbedingt in der Wichtigkeit einleuchtet, aber bei denen, die dran bleiben, sehe ich seit so vielen Jahren wirklich große Veränderungen und Verbesserungen in der Bewegung und Rückengesundheit.

Natürlich muss man das nicht machen, das ist immer Ansichtssache. Aber wenn mich, nach meinem heutigen Kenntnisstand, jemand nach zwei Übungen zur Pferdegesundheit fragt, die mir die wichtigsten sind, dann sage ich:
Rückenaufwölben und Zurückfüttern.

weil das eben die Übungen sind, die die Bauch- und Rumpfmuskeln am effektivsten ansprechen und mit denen ich große Veränderungen in kurzer Zeit erreichen kann.
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #12 am: 05. Oktober 2018, 11:04:42 »
Ihr meint jetzt aber alle nicht das, wo man mit der Handseite des Hufkratzers an der Bauchnaht entlang drückt, oder?  :juck:
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #13 am: 05. Oktober 2018, 11:16:49 »
Unsere Osteopathin hat empfohlen, nach dem Rücken anheben (sowohl vorderer als auch hinterer Bauchbereich, als auch über die Diagonale hintere Beinmuskulatur) immer anschließend den Rücken auch wieder "auszustreichen", also ohne Druck mit der Hand entlangstreichen.

Das dient dann ja quasi auch dem Ziel, dieses gegenseitige Anspannen und Entspannen sowohl von Rücken- als auch von Bauchmuskulatur zu fördern? :juck:
LG Tine
Krümeline & Mucki

Ab und zu ist es gut, in unserem Streben nach Glück innezuhalten und einfach glücklich zu sein ~ Guillaume Apollinaire
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Re: Rückenheben, was bringt das?
« Antwort #14 am: 05. Oktober 2018, 11:24:31 »
 :nick:  und es hilft dem Besitzer mit der Zeit, Veränderungen wahrzunehmen, weil es sich vielleicht anders anfühlt. Ohne Druck ist gaaanz wichtig, oft reicht nämlich schon ein bisschen (fühlender) Druck, damit der (verspannungsbereite) Rückenmuskel sofort wieder in Anspannung geht...  :roll:

Ich empfehle nach jeder Arbeits- und besonders Reiteinheit, den Rücken wieder "aufzuräumen", sprich via Bauchmuskulatur "hochmachen" damit das Pferd mit einem lockereren Rückenmuskel in seine Freizeit geht. Sonst holt man es mit genau der festen Muskulatur wieder raus, egal, ob es 24 h auf der Weide steht oder in der Box.
"Weide" ist nicht gleichbedeutend mit "physiologisch sinnvolle Bewegung".
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