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Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?

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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #90 am: 09. Februar 2020, 23:14:06 »
Was genau verstehst du nicht?  :) Ich erkläre sehr gern nochmal, müsste den kompletten Zusammenhang des Threads aber sonst auch nochmal nachlesen :tuete:

Im Grunde geht es einfach darum, dass jemand der weiß, dass er Nein sagen KANN nicht mehr Nein zu sagen BRAUCHT, weil das veränderte Gefühl der Kontrolle über die Situation die Emotionen in der Situation verändert.
LG Tine
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #91 am: 09. Februar 2020, 23:28:17 »
Danke für deine Anwort Tine :) Mit dem Thread Stop Signal wurde mir das auch klarer.
So richtig vorstellen kann ich mir das aber noch nicht. Wenn meine RB zB weiß dass sie nein sagen kann zu einer Übung und machen darf was sie gerade möchte, warum sollte sie dann nicht immer wieder nein sagen?
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #92 am: 09. Februar 2020, 23:52:34 »
Gegenfrage: Warum sollte "machen was sie möchte" nicht auch das sein, was du grade trainieren willst :grinwech:

Ich glaub der Denkfehler ist immer noch, dass die Tiere grundsätzlich "alles andere" der Mitarbeit mit dem Menschen vorziehen. Doch das ist nicht so. Lebewesen sind dafür geboren, mit ihrem Verhalten die Umgebung zu beeinflussen. Und dabei auch durchaus lange unangenehme Phasen durchzuhalten - siehe stundenlange Nahrungssuche etc. (Stichworte Contra-Freeloading, SEEKING-Circuit). Und dann haben wir im Clickertraining auch noch extrem hochwertige Verstärker, so im Verhältnis zum "langweiligen ereignislosen Alltag auf der Wiese".

Also ist ganz grundlegend jegliche Interaktion per se mal lohnenswert und erstrebenswert und bis zu einem bestimmten Punkt auch stresstolerant. Sehr spannend wird es dann, wenn der Stress eigentlich überwiegt und das Tier in die Zwickmühle kommt zwischen:

Bleiben & was blödes ertragen

vs.

Gehen und Interaktionspartner & Verstärker verlieren

Genau dieser Zwiespalt löst dann so Sachen aus wie mit Mulis Losreißen neulich.

Wenn nun aber die Wahlmöglichkeit ein wenig verändert zwischen:

Bleiben & was Blödes auf niedriger Stärke ertragen

vs.

Übung stoppen & gemeinsam was anderes machen

dann minimiert sich der emotionale Zwiespalt auf ein Minimum und es sind mehr oder weniger die emotionalen Ressourcen da zu sagen "Ja guuut, ein bisschen unangenehm ist es ja schon, aber wir könnten ja eh jederzeit was anderes machen, also schaff ich das schon noch" (so mal in sehr vermenschlicht umschrieben).

Und nach einer Weile verändert sich die Emotion zur unangenehmen Sache und plötzlich ist es nur noch die Wahl zwischen "hey nice" und "geile Sache"  :cheese:

Zusätzlich kann man sich folgendes Vorstellen: Man macht was Unangenehmes (Bsp. Pieksen), das Tier sagt "nee lass mal, Handtarget ist besser", Handtarget, Click, Futter. Nach ein paar Wiederholungen kündigt das Pieksen das Handtarget an, was wiederum den Click ankündigt, der das Futter ankündigt.

Was wissen wir über Signale für Verhalten, die mit positiver Verstärkung trainiert wurden? Richtig, sie Verstärken das Verhalten davor :cheese: Und Schwups wird das Pieksen lassen indirekt über das "Nein" des Pferdes (Handtarget) verstärkt.

Aus trainingstechnischer Sicht ist das Nein also nur ein zwischengeschalteter Schritt zwischen Wunschverhalten und Verstärker und darf aus diesem Grund sehr gerne hochwertig verstärkt werden  ;)

Macht es das so klarer?

Edit: wirre Groß- und Kleinschreibung geht auf Uhrzeit und Handytastatur, ich bitte um Verzeihung :shy:

« Letzte Änderung: 09. Februar 2020, 23:54:28 von noothe »
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #93 am: 10. Februar 2020, 00:18:30 »
Na so ganz klar ist mir das alles noch nicht  :lol:
So richtig nein (Kopf schütteln)  macht sie grad nur aufn Platz und wenn ich sie beim Paddock hinten raus führe (wegen Gras). Da findet sie grade alles doof, weil sie sich ständig wälzen will und graben will. Sonst mach ich ja auch viel auf dem Paddock, wo ich dann sowieso das Interessanteste bin  :P und sie in einer stressfreien Umgebung ist. Da hat sie noch nie den Kopf geschüttelt.

In Verbindung mit dem anderen Thread "Stop Signal" würde ich also erst das Kopf senken nach dem Kopf schütteln abfragen. C+B und dann wälzen lassen? Aber woher weiß ich dann dass sie das dann irgendwann als NEIN verwendet und nicht als alternatives Verhalten, weil einfacher? Das macht sie ja jetzt schon als Bettelverhalten :juck:  Also müsste ich ihr ja ein Signal beibringen was sie noch gar nicht kennt.  :confused: ahhhh ich bin verwirrt.
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #94 am: 10. Februar 2020, 06:08:23 »
da Du Dich mit Leuten aus Amerika unterhälst, gehe ich davon aus, dass Du recht gut Englisch verstehst/schreiben kannst.

Deswegen wären für Dich folgende Quellen interessant:

- Ken Ramirez - Dr. No: Vortrag auf einer ClickerExpo zum Thema "Nein" - kann über die Karen Pryor Akademie als video on demand gekauft werden

- Choice & Control Vorträge von Eva Bertilsson und Emelie Johnson Vegh von Carpe Momentum, Schweden - bieten Kurse und Vorlesungen an, die entweder über die Karen Pryor Akademie oder die Tromplo online Akademie (Polen) - alles in Englisch - bezogen werden können. Von Eva & Emelie sind die Start Button Kurse auch sehr, sehr nützlich.

Die Webseite "Animals in Control" liefert auch noch einiges

http://animalsincontrol.com/

tromplo.com - dann nach Eva&Emelie bei den Instruktoren suchen

https://video.clickertraining.com/programs/dr-no-how-teaching-an-animal-to-say-no-can-be-the-right-prescription

Sabine
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4 Highlandponies, 5 Zughunde und 10 Packziegen auf Tour

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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #95 am: 10. Februar 2020, 11:20:50 »
Kopfsenken, Graben und Wälzen können in eurem Fall eher nach Übersprungsverhalten, also nach Anzeichen für Stress  :) Die Eskalationsleiter der Krümeline sieht ungefähr genauso aus. Plus dann eben Losreißen :nick:

In der beschriebenen Situation würde ich persönlich also vermutlich beim kleinsten Anzeichen für Kopfschütteln ("Nein, Das ist mir grad zu viel") irgendwas mega simples Abfragen ("guck, Handtarget geht doch immer") und dann direkt umdrehen und auf zügigem Weg wieder dahin zurück, wo die Stimmung noch entspannt sein kann.

Damit das Pferd in erster Linie mal lernt, dass es seine Gefühle kommunizieren kann, wenn es beginnt sich unwohl zu fühlen, und dass der Mensch dann auch aktiv helfen kann, diese Situation zu beenden.
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #96 am: 14. Februar 2020, 20:13:13 »
Kopfsenken, Graben und Wälzen können in eurem Fall eher nach Übersprungsverhalten, also nach Anzeichen für Stress  :) Die Eskalationsleiter der Krümeline sieht ungefähr genauso aus. Plus dann eben Losreißen :nick:

Stress ist es nicht. Ich kenn Mulis Mimik und Gestik bei Stress. Die Situation an denen sie Kopf schüttelt sieht so aus: Wir gehen auf den Platz, sie fängt an mit schnüffeln. Ich will mit ihr was machen. Sie schnüffelt die ganze Zeit. Mimik und Gestik aber sehr sehr entspannt. Sie lächelt dabei auch so süss. Dann bitte ich sie mir zuzuhören. Da schüttelt sie dann mit dem Kopf. Ich lass sie dann machen. Sie schnüffelt, gräbt rum und schmeißt sich genüsslich hin. Bleibt sogar liegen. Sie ist in dem Moment wirklich sehr sehr entspannt. Danach hört sie mir meist dann auch wieder zu und wir können was machen. Bis wir wieder an eine Stelle kommen wo sie wieder vermehrt schnüffelt. Wenn ich sie da dann bitte weiterzugehen wird sie etwas garstig. Bleibt stehen, schüttelt ihren Kopf und gibt mir zu verstehen dass sie gerade nicht weiter möchte. Wenn ich sie lasse schnüffelt sie wieder, gräbt und schmeißt sich genüsslich hin. Das gleiche ist auch wenn sie lieber Gras fressen will als weiterzulaufen. Da schüttelt sie ihren Kopf und wenn ich sie lasse dann grast sie. Es ist bei ihr definitv ein: Ich will jetzt was anderes machen und sage Nein zu deiner Idee. Ich hab auch noch nie ein Pferd so viel schnüffeln gesehen. Sie verhält sich da wie ein Hund. Viele Leute mit Mulis meinten auch schon zu mir dass sie eher wie Hunde sind. :kicher: Kopf senken macht sie nur wenn ich eine Pause mache. Vorher hat sie immer wieder Hüfttarget versucht. Das hab ich dann aber ignoriert weil ich das noch nicht unter Signal gesetzt habe und das unser erster Clickerversuch war, was nicht so klug war  :pfeif: Sie langweilt sich total schnell und hat den Platz auch schon als "Wälzparadies" abgespeichert. Sie möchte nämlich IMMER wenn ich sie reinhole auf den Platz zum wälzen :kicher:

Vielleicht deute ich das alles auch total falsch. Als sie sich letztes Mal losgerissen hat, hat sie ja auch vorher mit dem Kopf geschüttelt als ich zu ihr meinte dass wir jetzt nicht zu den anderen gehen können. Da ich ihrer Bitte nicht nachkam, ging sie. Auch da hab ich alles mögliche mit Kopf senken und Handtarget versucht. Ging alles nicht. Ich deute das Kopf schütteln schon eher als ein Nein und nicht als Stress. Obwohl das ja sehr beinander liegt. Wenn sie etwas nicht machen kann was sie möchte stresst sie das natürlich. Aber ich mag den Begriff in dem Zusammenhang nicht. Denn ich kenne Muli wenn sie wirklich Stress hat: Fester Körper, Schweif schlagen, angelegte Ohren, fester Kiefer, Stressauge. Ich muss sie schon immer sehr stark von Dingen überzeugen. Da sind Pferde nicht so meinungsstabil finde ich. Ich kann ja morgen mal ein Video machen. Vielleicht übersehe ich auch Stressanzeichen.

« Letzte Änderung: 14. Februar 2020, 20:24:45 von nao »
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #97 am: 14. Februar 2020, 21:16:45 »
Huhu  :) Beim Lesen fällt mir gerade auf, dass ich Stress in diesem Zusammenhang vielleicht noch genauer definieren sollte. Also wenn ich von Stress rede meine ich einfach insgesamt eine hohe Erregungslage, ganz egal ob durch Vorfreude oder Unbehagen. Darunter fällt auch sowas wie "uuuuunbedingt auf dem mega tollen Reitplatzboden wälzen wollen aber nicht können weil noch am Strick und überhaupt"  :) Bei uns aktuell ist "auf dem Reitplatz zum Zaun rennen und Wallache anrossen" meeeega gewünscht, aber ich kanns halt nicht zulassen, weil sonst immer eine der Parteien in den Zaun haut und das für alle nicht sinnvoll ist. Das für zu wüldestem Kopfschlagen und Buckeln :roll: Hormone...

Und mit Übersprungshandlung meine ich Verhalten, das gezeigt wird, weil ein anderes (instinktives) Verhalten auf Grund der Situation nicht gezeigt werden kann. Wunschverhalten: Gras, zur Besi, Wälzen oder auch "nicht in den Matsch", Flucht o.ä. Wenn die Motivation, dieses Verhalten zu zeigen, sehr hoch ist - aber die Ausführung nicht möglich (weil z.B. am Strick gegengehalten wird, oder im Clickerfall auch gerne mit hochwertigem Futter "abgelenkt" wird), dann kommen solche Situationsunpassenden Verhalten bei raus. Bei der Krümeline Kopfschlagen, Wälzen, Vorderbeine komisch überkreuzen, bei manchen Pferden scharren oder dann halt eben auch Rempeln oder Beißen.

So wie du es ja auch beschrieben hast :thup:

Sowohl Stress als auch Übersprungshandlung sind dabei nicht wertend gemeint oder pauschal negativ.

Was als Gedanke hilft - um den Bogen zu Choice wieder zu spannen - ist zu sagen, ok, wie können wir die "Übersprungshandlung" durch ein trainiertes und operant/bewusst gezeigtes Verhalten ersetzen. Also in Mulis Wälzfall z.B.: Auf den Platz gehen, direkt zu Beginn Handtarget abfragen, Wälzen lassen. Oder aus dem Paddock raus, Handtarget, kurz Grasen lassen. Das überschreibt dann nach einer Weile dieses Hinundhergerissensein, weil das Pferd lernt, aha, wenn ich mich gern Wälzen möchte, dann ist das Handtarget ein sehr zielführender Weg das zu kommunizieren.

Dazu mag ich mal noch ein altes Video von uns einstellen, wo genau die aufgezählten Verhaltensweisen vorkommen (im Fall der Krümeline als Übersprungshandlung wegen negativem Stress  weil der eigentlich Wunsch, zurück zur Herde zu 'fliehen' nicht möglich ist). Man sieht es im Video ein bisschen, wie sie verschiedene Targets anbietet (Handtarget, Pylone anstupsen), die meiste Zeit kann sie sich dafür aber nicht genug beherrschen.

https://youtu.be/ZKSMFItdKoI

Die Choice-Komponente ist in diesem Fall ganz am Ende, als sie zu Sixtus-Andrea flieht die am Filmen ist - das war zu der Zeit mein ultimatives Abbruchkriterium, wenn sie sich aktiv von mir abwendet und eine andere Person "um Hilfe bittet". Das ist natürlich extrem spät und im Normalfall wäre ich vermutlich spätestens nach dem 1./2. starken Kopfschlenkern vorsichtig Richtung Ausgang, so lange es die Umgebung hergibt. Choice mal ganz stark in Anführungszeichen, weil ich natürlich in dem Setup 100000000 Signale übergangen habe.

Aber im Grunde ist z.B. auch ein Pferd, das immer unkontrolliert zu einem Gegenstand hin zieht (siehe Heike und Amadeus und die Wippe) in einem ähnlichen Zustand.

Irgendwie fällt es mir gerade nicht so leicht, weit genug auszuholen um alles zu formulieren, was ich sagen will :roll: Aber ich geb mein bestes.

Edit: Link hinzugefügt, ohne macht's keine Sinn :tuete:

« Letzte Änderung: 14. Februar 2020, 21:18:52 von noothe »
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #98 am: 14. Februar 2020, 21:44:52 »
Und mit Übersprungshandlung meine ich Verhalten, das gezeigt wird, weil ein anderes (instinktives) Verhalten auf Grund der Situation nicht gezeigt werden kann. Wunschverhalten: Gras, zur Besi, Wälzen oder auch "nicht in den Matsch", Flucht o.ä. Wenn die Motivation, dieses Verhalten zu zeigen, sehr hoch ist - aber die Ausführung nicht möglich (weil z.B. am Strick gegengehalten wird, oder im Clickerfall auch gerne mit hochwertigem Futter "abgelenkt" wird)

da muss ich dir wiedersprechen  :cheese: Muli kann sich IMMER losreißen. Sie weiß ganz genau dass sie gehen kann wenn sie möchte.  Auch mit Geibss, auch mit so vielen leckeren Sachen. Wenn sie will dann ist ihr der Lieblingsapfel egal. Ich glaub das ist halt auch typisch Muli. Das Ding ist ja, seitdem ich ihr zuhöre und unser Vertrauen stetig steigt, dass sie sich nicht mehr losreißt sondern mir deutlich durch das Kopfschütteln sagt dass sie das nicht möchte. Sie hat ja auch gelernt dass ich dann mein Verhalten dadurch änder. Das macht sie ganz Freiwillig. Weil sie eben bei mir gelernt hat: Ich höre ihr zu und geh auf sie ein. Vorher hat sie sich einfach gleich losgerissen, weil sie wusste dass ich ihr nicht zuhöre. Seitdem ich ihr aber zuhöre drückt sie sich ganz anders aus. Oder besser gesagt: sie drückt sich endlich aus! Ich weiß noch das eine Mal beim lonigeren. Da ist sie einfach über die Schulter weg losgerannt, obwohl ich ein Gebiss drin hatte. Ich habs dann nochmal versucht, und sie ist immer wieder zu mir reingekommen. Da hats dann bei mir click gemacht und ich wusste dass sie es nicht kann und hab ihr zugehört. Muli kann man nicht halten, weder mit Schmerzen noch mit Leckeries. Da gibts einige Videos von Eseln die nicht über eine Brücke gehen wollen, obwohl sie so viel verkloppe bekommen, gehen sie nicht weiter. Das ist so ein Unterschied zwischen Esel, Muli und Pferd  :cheese:

Ich will ja auch ihr Nein nicht mit etwas überschreiben. Sie soll ihren Willen kriegen, jedoch will ich sie besser überzeugen können dass die ein oder andere Übung ja vielleicht doch Spaß macht.

Zum Video: so reagiert Muli nicht. Sie ist beim graben, kopfschlagen und wälzen viel entspannter. Es ist eher so ein kurzes "nein" mit ihrem Kopf schlagen. Dann gräbt sie ganz genüsslich und legt sich hin. So gar nicht explodierend. Ich mach morgen mal ein Video. Vielleicht wird es dadurch klarer.

« Letzte Änderung: 14. Februar 2020, 21:53:20 von nao »
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #99 am: 14. Februar 2020, 22:25:31 »
Zitat
Wenn sie etwas nicht machen kann was sie möchte stresst sie das natürlich. Aber ich mag den Begriff in dem Zusammenhang nicht. Denn ich kenne Muli wenn sie wirklich Stress hat: Fester Körper, Schweif schlagen, angelegte Ohren, fester Kiefer, Stressauge. Ich muss sie schon immer sehr stark von Dingen überzeugen.

Diese Anzeichen sprechen schon für einen enorm hohen stresslevel. Das bedeutet nicht, dass sie vorher _keinen_ Stress hat, sondern nur, dass der Stress vorher nicht erkannt wurde. Einfrieren ist ja auch eine Stress-Strategie.

Ich habe in den letzten Jahren enorm viel über Stressanzeichen gelernt, und für mich beginnt es z.b. bei vermehrtem Augenblinkern. Oder wenn das Tier auf einmal nicht mehr das macht, was es vorher zuverlässig gezeigt hat.

Wenn ein Tier "meinungsstabil" ist, ist es meine Aufgabe, ihm attraktive Alternativen aufzuzeigen, die ich zum einen hochbestärke, und zum anderen hochverfügbar mache, damit das Pferd überhaupt eine Wahl hat. Wenn es nämlich nur "Plan A vom Mensch, der gerade doof ist" oder "eigenen Plan, der attraktiver erscheint, aber schwer durchführbar ist" als Möglichkeiten hat, gibt das nicht so viel Handlungsspielraum, und dann entsteht meistens Plan C, etwas ganz anderes, als "so beende ich die Situation für mich".

Deshalb ist es gerade bei Tieren, die sich im Zweifelsfall viel eher für den eigenen Plan als für den des Menschen entscheiden, so viel wichtiger, kleine, sehr einfache Dinge wie zb. das Handtarget oder Kopfsenken sehr hoch zu bestärken (damit meine ich ein paar hundert Wiederholungen, nicht 10 oder so  :cheese: )

Erst dann bekommt das Tier wirklich eine Wahl, wenn es Handlungsalternativen hat, di helfen, auf andere Art aus der aktuellen Situation herauszukommen. Und ja, ich kenne solche Mulis :)
Alles kommt zu dem, der warten kann.
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #100 am: 14. Februar 2020, 22:33:48 »
Sie weiß ganz genau dass sie gehen kann wenn sie möchte.  Auch mit Geibss, auch mit so vielen leckeren Sachen. Wenn sie will dann ist ihr der Lieblingsapfel egal.

...

Ich weiß noch das eine Mal beim lonigeren. Da ist sie einfach über die Schulter weg losgerannt, obwohl ich ein Gebiss drin hatte.

...

Muli kann man nicht halten, weder mit Schmerzen noch mit Leckeries.

Solche Sätze liest man so immer wieder - bei Pony-, Pferde- und sonstigen Equiden-Besitzern. :cheese:


Gute Idee, ein Video wäre toll!
Liebe Grüße aus Niedersachsen - Fjord Freddy, Muli Ambra, New Forest Pony Asmara & Laura
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #101 am: 14. Februar 2020, 22:37:45 »
Zitat
Zum Video: so reagiert Muli nicht. Sie ist beim graben, kopfschlagen und wälzen viel entspannter. Es ist eher so ein kurzes "nein" mit ihrem Kopf schlagen. Dann gräbt sie ganz genüsslich und legt sich hin. So gar nicht explodierend. Ich mach morgen mal ein Video. Vielleicht wird es dadurch klarer.

Das habe ich auch so nicht verstanden! Ich hoffe das ist im Beitrag auch deutlich geworden, deswegen war mir die Begriffsklärung sehr wichtig :thup:

Muli ist ja auch in deinen schon eingestellten Videos nicht vergleichbar mit dem Krümel :nick:
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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #102 am: 15. Februar 2020, 13:52:54 »
Vielen Dank euch meinen Knoten im Kopf zu lösen  :cheese:
Ich glaub jetzt hab ichs verstanden. Danke auch für die Links!

@laura: ja, wie oft ich schon von Leuten hören musste: Mensch, dann mach halt ein Gebiss rein! Leider bin ich diesem Rat einmal gefolgt und hab mich dann total über mich selbst geärgert.

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Re: Choice - wieviel Wahlfreiheit kann man seinem Pferd geben?
« Antwort #103 am: 15. Februar 2020, 14:21:54 »
Wenn ein Tier "meinungsstabil" ist, ist es meine Aufgabe, ihm attraktive Alternativen aufzuzeigen, die ich zum einen hochbestärke, und zum anderen hochverfügbar mache, damit das Pferd überhaupt eine Wahl hat. Wenn es nämlich nur "Plan A vom Mensch, der gerade doof ist" oder "eigenen Plan, der attraktiver erscheint, aber schwer durchführbar ist" als Möglichkeiten hat, gibt das nicht so viel Handlungsspielraum, und dann entsteht meistens Plan C, etwas ganz anderes, als "so beende ich die Situation für mich".

Das möchte ich im Bezug auf das Video der Krümeline auch nochmal aufgreifen.

Im Video haben wir den klassischen Fall einer No-Choice-Situation. Die Krümeline hat "die Wahl" zu mir zu kommen und dort Kekse zu bekommen, oder im Roundpen herum zu laufen und [wasauchimmer] zu machen.

Aber die eigentliche Motivation ist, den Roundpen zu verlassen und auf dem schnellsten Weg die Trennung von der Herde zu beenden. Und sie hat kein Verhalten in ihrem Verhaltensrepertoire, mit dem sie das in der gegebenen Situation umsetzen kann. Das wäre evtl. was anderes, wenn sie Tore öffnen oder hoch genug springen könnte, aber da sie beides nicht kann, hat sie 0% Verhaltensweisen auf die sie zurückgreifen kann, um zurück zur Herde zu kommen. Also hat sie auch keine Wahl.

Insgesamt war es eine sehr verzwickte Situation, denn sie ist zu der Zeit sehr motiviert bis zum Roundpen gelaufen - dann war aber alles an Ressourcen aufgebraucht und sowohl direktes Zurückgehen als auch Zeit im Roundpen verbringen waren beides kritisch :roll: (Einer der Gründe, warum ich später überhaupt gar nicht mehr mit ihr bis zum Reitplatz gegangen bin, weil sich daran auch im Verlauf der Jahre und mit viel Übung wenig bis gar nichts geändert hat).

Für uns beide war also an diesem Punkt der einzig sinnvoll mögliche Handlungsstrang, so schnell wie möglich zurück zur Herde zu gehen, denn auch mir standen in dem Fall ja keine wirklichen Handlungsalternativen zur Verfügung.

Also ja, wie an manchen Stellen in diesem Thread bereits erwähnt, manchmal gibt es Situationen (aus welchem Grund auch immer sie entstanden sind), in denen die Frage nach Choice mehr oder weniger irrelevant ist, weil es keine zwei ansatzweise gleichwertigen Handlungsmöglichkeiten mehr gibt. Dann ist das so.

Wäre sie allerdings noch etwas entspannter und ansprechbarer gewesen wäre es durchaus eine Option gewesen, im Roundpen z.B. ein paar Matten zu verteilen und eine davon in die Nähe vom Tor zu legen. Falls sie sich auf diese Matte stellt -> Strick dran, Tor auf, ein Stück Richtung Heimweg oder sogar zurück zur Herde. Danach gerne auch nochmal zurück, je nach Stimmung halt. Wenn man sowas ein paar Mal übt, dann kann das Pferd durch ein "Ende" Signal anzeigen, wenn es die Situation verlassen möchte (egal ob es Stress hat oder satt ist oder gerne was trinken würde oder grad der Traktor mit dem Heu um die Ecke gekommen ist). Und das lernen sie wirklich schnell  :)

Hätten wir sowas in der Video-Situation bereits gehabt, dann wäre die Situation eine durchaus andere gewesen. Heute rennt die Krümeline an solchen Tagen zur Wippe und stellt sich drauf oder steckt den Kopf unter den Flattervorhang. Dort gibt es dann viele Heldenkekse für ihre kluge "Exit"-Strategie und ich bringe sie anschließend auf direktem Weg zurück zum Paddock.
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