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Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)

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pepper_mill
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Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« am: 11. Dezember 2016, 15:28:22 »
Huhu ihr Lieben,

folgendes "Problem": Ich clickere mit meiner jungen Stute seit Anfang November.

Sie macht in der Box und auch auf dem Hofgelände sehr gut mit und ist konzentriert und eifrig bei der Sache. Ich war anfangs total begeistert von unseren Fortschritten und dachte, dass ich den Schlüssel "zum Erfolg" nun endlich gefunden hätte. So, nun würde ich doch gerne mit ihr auf dem Reitplatz arbeiten, um einfach mehr Optionen zu haben als in der beengten Box. An der kurzen Seite des Platzes ist ein Paddock, in dem zur Zeit eine junge Stute steht, die verletzungsbedingt von der Herde separiert werden muss. Es handelt sich um eine Stute, mit der meine Stute in der Herde relativ viel "zu tun" hatte.
Natürlich schreit diese Stute jetzt sofort nach meiner, wenn sie sie sichtet und meine Stute springt natürlich voll darauf an. Alles auch kein Thema, solange die Stute im Paddock draußen bleibt und für meine Stute sichtbar an der kurzen Seite steht. Dann begrüßt sie die Stute kurz, die beiden kraulen sich gegenseitig und meine Stute kommt danach wieder zu mir zurück und arbeitet normal mit (sie kann aber theoretisch jeder Zeit wieder weg). Damit hätte ich also auch kein Problem und das ging die letzten Tage gut.

Tja, jetzt hat die andere Stute aber heute heraus gefunden, dass sie meine Stute wieder zu sich locken kann, indem sie kurz außer Sichtweite geht und dann wieder kommt. Sprich, sie geht einfach kurz ums Eck in ihre Box -> meine Stute merkt das sofort, egal, ob sie mit dem Hintern zu ihr steht oder nicht und rennt dann direkt im Galopp an die kurze Seite und brummelt aufgeregt nach ihr.  Sobald die andere Stute dann wieder raus kommt, ist die Welt in Ordnung und meine Stute will wieder zu mir abdrehen und zu mir kommen -> daraufhin geht die andere Stute wieder außer Sichtweite und meine Stute dreht wieder panisch zu ihr ab. Das Ganze führte heute dann dazu, dass meine Stute die kurze Seite nicht mehr verließ und keine Lust mehr aufs Training hatte.

Ich würde mal sagen: Die andere Stute ist nicht doof. Sie hat ganz schnell gelernt, wie sie meine Stute steuern/beeinflussen kann. Leider klingelt's bei meiner Stute bisher noch nicht - sie meint wirklich jedes Mal (!) aufs Neue die Welt geht unter, wenn die andere Stute nicht mehr sichtbar ist. Ich dachte eigentlich immer mein Pferd sei relativ intelligent, aber inzwischen zweifle ich doch etwas daran. *hust* Das Hauptproblem sind Pferdebegegnungen außerhalb der Herde mit mir (-> jedes Pferd, das sie kennt und sich unter ihren Augen von ihr weg bewegt/außer Sichtweite gerät, löst mehr oder weniger Panik aus). Geht sie selbst aktiv mit mir weg bzw. verlässt mit mir ein anderes Pferd, ist das kein Problem. Sprich, ich kann sie immer schon problemlos von der Weide holen (sie würde auch ohne Strick und Halfter mitkommen). Schwierig ist es nur dann, wenn sie das Gefühl hat, man lässt sie zurück (z.B. "alleine im Stall/in der Box bleiben", während die Herde raus darf etc.).

Konzentriertes Training kann ich so auf dem Platz natürlich absolut vergessen.

Nun weiß ich nicht so richtig weiter....hatte überlegt einfach nochmal einen Schritt zurück zu gehen und ein paar Wochen nur noch in der völlig verriegelten Box mit ihr zu arbeiten (damit jaaa keine Reize von außen hinzu kommen....) und es außerhalb nochmal von vorne zu versuchen, wenn wir insgesamt gefestigter sind und die Beziehung zu mir noch besser ist.  :-\ Mir ist letztlich schon klar, dass das Pferd nicht "schuldig" ist und es nichts bringt emotional zu werden, aber trotzdem bin ich irgendwie etwas frustriert und zweifle momentan ein wenig, ob ich mit dem ADHS-Pferd jemals "richtig" trainieren kann  ???.

Jetzt ist es aktuell die Stute, ein anderes Mal (damals war ich noch Horsemanship-mäßig unterwegs), waren es Reiter, die sich vom Hof die Straße entlang weg bewegten, Pferde auf der Weide, die an den Platz grenzt oder Pferde, die unter ihren Augen vom Hof weg geführt werden und neulich beunruhigten sie sogar aufgeregte Pferde am wirklich weit entfernten Nachbarhof, die sie aufgeregt wiehern hörte und als "Punkt" in der Ferne sah - sie lässt sich da unglaublich beeinflussen und nimmt auch jede Anspannung und Angst beim anderen Pferd sofort (!) auf. Neulich war sie  kurz in der Box zum Fressen während vor ihrer Box ein anderes Pferd verladen wurde, das ängstlich reagierte und ein paar Mal die Rampe runtergeplumpst ist (stieg nicht gleich ein, die Besitzerin wurde etwas lauter und man spürte halt, dass es sich etwas hoch kochte) > meine Stute ist vor lauter Panik schier über die Boxentüre geklettert und wollte nur noch weg....ich konnte gerade noch verhindern, dass sie abspringt.

So, und nu? Was mach ich denn mit solch einem Spezialfall? Es ist so schade, dass sie sich selbst so im Weg stehen muss.

« Letzte Änderung: 11. Dezember 2016, 15:32:34 von pepper_mill »
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #1 am: 11. Dezember 2016, 18:02:35 »
Wie wird sie nochmal gehalten? Wie ist ihre Wohn/Herden/Gruppensituation? Hat sich da in der letzten Zeit etwas verändert?
Alles kommt zu dem, der warten kann.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #2 am: 11. Dezember 2016, 18:12:46 »
Hallo Pepper mill, wie wäre es wenn ihr neben der separieren Stute trainieren würdet? Dann müsste sie nicht nach euch schreien und um die Ecke gehen und deine nicht die ganze Zeit zu ihr hin rennen. Die Ablenkung wäre hier höher als in komplett abgeschirmter Box aber vielleicht noch nicht zu hoch. Da würde ich trotzdem nur was einfaches üben was schon gut sitzt. Trotzdem wird es wahrscheinlich so sein dass die Übung nicht so gut klappt wie in der Box aber das muss es ja auch nicht. Bleibe mit Ruhe dabei und belohne sehr hoch.  Erwarte nicht zu viel wenn du die Anforderungen steigerst. Von isolierter Box zu Reitplatz mit wieherndem Pferd ist es ein gewaltiger Sprung. Vielleicht auch erstmal vor der Box, ....
wie du allgemein in dein Pferd mehr Ruhe und Sicherheit bringen kannst weiß ich allerdings nicht. Das muss wahrscheinlich wachsen.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #3 am: 11. Dezember 2016, 20:20:03 »
Für den aktuellen Fall wäre die Frage, ob es möglich wäre die andere Stute im Außenbereich zu halten? Sprich durch Heu dort oder die Box mal kurz zu machen o.ä.
Ansonsten echt schwierig.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #4 am: 11. Dezember 2016, 20:32:19 »
Direkt neben der "schlauen" Stute zu trainieren wäre auch mein erster Gedanke...

Trennungsangst ist eine schwierige Sache. (Fehlende Intelligenz hat damit bestimmt nichts zu tun... ;) ) Deiner Stute die nötige Sicherheit zu geben, die sie braucht, um entspannt bei dir zu bleiben, kann viel Zeit benötigen. Und womöglich viele unterschiedliche Ansatzpunkte. Dazu gehört Gesundheit, angemessene Fütterung, Stabilität in der Gruppe, berechenbare Tagesabläufe, berechenbare Trainings. Ich selbst unterstütze dann gerne auch mit Bachblüten und/oder Homöopathie.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #5 am: 11. Dezember 2016, 23:38:43 »
Ich werfe mal Kopfsenken in die Runde. Hast du das schon geübt? Natürlich in der Box ohne Ablenkung anfangen, am besten auch gerne so hoch verstärken, dass es als "Bettelverhalten" eingesetzt wird.

Ansonsten würde ich auch einfach so nah bei der anderen Stute trainieren, dass die nicht wegläuft. Ob Heu beim "Hier-Bleiben" ausreichend verstärkend für die andere Stute ist und das "Herlocken" deiner Stute für die andere Stute nicht die tollere Belohnung ist, ist die Frage... Vielleicht kann man auch einfach eine Absperrung machen für die Zeit deines Trainings, so dass die andere Stute nicht um die Ecke außer Sichtweite gehen kann? Das wäre wahrscheinlich die entspannteste Lösung. Kommt halt drauf an, ob es überhaupt möglich und überhaupt gewünscht und erlaubt ist von der anderen Besitzerin und den SB.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #6 am: 12. Dezember 2016, 01:00:33 »
Danke für die Tipps. Ich muss mich mal schlau machen, ob weg- oder auch aussperren umsetzbar ist. Prinzipiell dürfte es möglich sein, weil die Stute die ersten Wochen nach der Operation komplett in der Box verbracht hat und auch nicht aufs Paddock konnte (sprich, es muss schon möglich sein, da dicht zu machen).

Wie wird sie nochmal gehalten? Wie ist ihre Wohn/Herden/Gruppensituation? Hat sich da in der letzten Zeit etwas verändert?

Mal stichpunktartig :D :
- die Stute ist vier Jahre jung und in ihrem Leben leider schon 5x umgezogen -> im jetzigen Stall sind wir erst seit Juli 16
- Pferdeanzahl im aktuellen Stall gesamt: 20-25; Stuten + Wallache getrennt -> vorwiegend Rentner und Junggemüse
- ruhige Lage/wenig Trubel (Reha-/Rentner-/Zuchtbetrieb...)
- im Sommer 24h Weide (rieeeeeeeeesige Flächen, Gras bis Ende November nicht kurz gefressen)
- im Winter steht die Stutenherde auf einem Paddock am Stall bis es dunkel wird; Ausnahme: Freie Sicht (kein Nebel), gut gefrorener Boden oder eine dichte Schneedecke -> Weide/Koppel (letzte Woche z.B. standen sie auf der Koppel)
- es wird 3x täglich Heu gefüttert, eine Fütterung momentan eben mittags auf dem Paddock
- nachts fülle ich ihr das Heunetz zusätzl. zur normalen/losen Heuration, so dass sie keine langen Fresspausen hat
- Boxengröße ca. 6,5m auf 6,5m, Einstreu: Stroh

Kopfsenken sitzt schon sehr gut. Es ist ihre Lieblingsübung und ich wende es sehr häufig an.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #7 am: 12. Dezember 2016, 09:34:19 »
Ich denke dann musst du ihr Zeit geben. Es ist alles zu neu, zu unsicher für sie. Sie muss erst sich und ihren Platz im Stall/ Herde finden. Das dauert und wenn dort häufigere Wechsel sind wird es vielleicht auch nie ganz entspannt für dein Pferd.
Du kannst diese Probleme nicht wegclickern. Dafür ist das Clickertraining nicht da. Akzeptiere sie, versuche genau hinzusehen und Lösungen zu finden. Habt Spaß zusammen in dem Rahmen der euch offen steht. Öffne ihn Schritt für Schritt zusammen mit deinem Pferd. Wenn sie merkt du bist ein fester berechenbarer und schöner Teil in ihrem Alltag wird sie sich immer mehr mit dir entspannen können.
Deshalb würde ich oftmals an sicheren Orten üben um immer mehr Verlässlichkeit rein zu bringen und dann auch immer wieder mal testen wie es wo anders aussieht. Bleib am Ball und lass dich nicht entmutigen!
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #8 am: 12. Dezember 2016, 11:10:03 »
Genau so!  :uschreib:

Beste Grüße,
Dörte.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #9 am: 12. Dezember 2016, 12:33:45 »
 :uschreib:
Hast du schon mal versucht auf dem Platz zu trainieren wenn dort noch ein anderes Pferd ihrer Herde ist? vielleicht gibt ihr das dann auch nochmal Sicherheit.
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #10 am: 12. Dezember 2016, 13:10:46 »
Danke.
Ja, es sind leider tatsächlich viele Wechsel in der Herde.  :-\  Ihr habt sicherlich recht - ich muss ihr einfach etwas Zeit geben.

Das "Problem" bei meiner Stute ist, dass sie sich immer sehr eng und intensiv an 1-3 Pferde bindet, was dazu führt, dass diese total abhängig von ihr werden. Das war bisher tatsächlich in jeder Herde so.

Was die Sache an diesem Stall auch noch etwas erschwert hat, war die Tatsache, dass ich ihr nach dem Unfall im Beritt erst mal komplett Ruhe auf der Sommerweide gegönnt hatte. Im Beritt stand sie zuletzt in Einzelhaft und sie war soooo unendlich happy wieder in einer Herde zu stehen. Sprich, ich habe die Maus die erste Zeit überhaupt nicht von der Herde getrennt und erst mal ankommen lassen. Ihr tat diese Auszeit auch wirklich gut. So stand sie von Juli bis ca. September komplett draußen, ohne dass sie von mir belästigt wurde. Die Weiden sind nicht direkt am Stall und der Stall selbst war zu dem Zeitpunkt für meine Stute kein "Zuhause", weil sie 24h auf der Weide verbrachte und erst im Juli einzog (die kommen im Sommer nur gaaaanz selten mal in ihre Boxen). Ich denke, da hätten selbst ältere Pferde bei der Trennung von der Herde etwas aufgeregt reagiert. Wir haben das langsam geübt und am Schluss war sie oben am Stall ganz entspannt.

Der Schmiedtermin (Sammeltermin) eskalierte aber total (Schmied ist prinzipiell kein Problem bei ihr, aber sie war total überfordert mit den schreienden Pferden, die alle hoch zum Stall gebracht wurden...dann wieder runter geführt wurden, während sie oben bleiben musste....das war zu viel und ich hatte natürlich wieder einen explodierenden Vulkan am Seilende - alle machten große Augen und meinten nur "was ist denn mit deiner plötzlich los? Spinnt die?" etc. joa, das Übliche halt...der verrückte Fuchs. Ich war bedient.). Ich kann das alles nachvollziehen und "verstehe" ihre Reaktionen, aber was mache ich denn in solchen Fällen mit meinem Futterbeutelchen und dem Clicker in der Hand? Doof aus der Wäsche gucken? Ich muss sagen, dass ich mich während ihrer Ausbrüche mit der Horsemanship-Methode "sicherer" gefühlt habe, weil ich im gewissen Rahmen die Kontrolle behielt. Mit dem Clicker fühle ich mich der Sitution doch eher ausgeliefert.

Beim letzten Schmiedtermin letzte Woche hatte ich vorgesorgt und mir gleich den 1. Platz geschnappt (so dass sie dieses raus/rein und hin und her der anderen Pferde noch gar nicht so registrierte), im Voraus nochmal gezielt das Stehen an genau der Stelle geübt, wo der Schmied arbeitete und es klappte alles gaaaanz entspannt. Ich bemühe mich auch, es ihr so angenehm wie möglich zu machen und lerne natürlich dazu. Wie gesagt, ich weiß, dass alle übersteigerten Reaktionen von ihr aus Angst und Panik entstehen, aber ich kann sie leider nicht komplett in Watte einwickeln. Mein Problem ist eben, dass ich auch nicht immer vorher weiß, was ihr "zu viel sein könnte" und was zu einem Ausbruch führt. Sonst würde ich ja direkt schon vorsorgen und zusehen, dass ich die Bedingungen möglichst günstig gestalte. Wir leben aber leider in keinem Schuhkarton und ich kann halt auch nicht alles voraus sehen.

Ich stelle mir eben die Frage, ob das Clickern mit solch einem nervigen Pferdetyp überhaupt sinnvoll und dauerhaft möglich ist oder ob in dem Fall eine Kombination mit Horsemanship vllt. doch sinnvoller und zielführender wäre....? Zumindest hatte ich bei der Arbeit mit der Westerntrainerin immer mehr das Gefühl, es unter Kontrolle zu haben und das fehlt mir aktuell irgendwie.  :shy: Aber wahrscheinlich muss ich da einfach durch...

Ach, ich weiß auch nicht. Irgendwie ist alles so kompliziert mit ihr - ich bemühe mich so sehr es und angenehm für sie zu machen und am Ende hat sie doch wieder einen ihrer panischen Ausbrüche und ich kann wieder bei 0 anfangen. Wahrscheinlich bin ich gerade einfach nur frustriert über mein eigenes Unvermögen. Sie kann ja nichts dafür und ärgert mich nicht absichtlich (das ist mir alles klar)....aber irgendwie tut's trotzdem "weh", weil ich mir wirklich Gedanken mache und ihr nichts Böses will. Ich habe beide Pferde an verschiedenen Ställen. Die Stute steht weiter weg...ich fahre jeden Tag hin und übe mit ihr und mein Wallach kommt wegen ihr schon total zu kurz. Mit meinem unkomplizierten Wallach könnte ich ganz harmonisch und freudig arbeiten - einfach so!!!....Sprich, ich hätte eigentlich auch schönere Alternativen als mich mit dem verrückten Huhn abzugeben, aber ich bemühe mich trotzdem um sie - und am Ende war alles wieder umsonst. Gestern bin ich auf dem Weg zu ihr gegen einen (kleinen!) Baum gefahren und mich hat es in eine Wiese geschleudert (es war glatt)...bin dann selbstständig wieder auf die Straße gekommen - dann komme ich endlich an und dann ist die Sache mit der Stute auf dem Platz....näää, echt, da war meine Laune natürlich im Keller (hätte mir die Fahrt dahin auch sparen können und mein Auto wäre wohl auch noch ganz heil)....joa, irgendwie ist alles wieder mal total ernüchternd. Ich weiß, ich weiß...das sind alles Emotionen und Dinge, für die die Stute ja nichts kann. Ich rede mir das auch immer wieder ein, aber ich bin ja auch nur ein Mensch...naja, es gibt Schlimmeres. Sind ja letztlich alles Luxusprobleme, über die ich mich hier ausheule.

Nun gut, heute machen wir Basics in der Box, damit ich hoffentlich wieder etwas positiver gestimmt bin und dann nehmen wir nochmal einen neuen Anlauf. *ooohmmmmm*  :omm:
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #11 am: 12. Dezember 2016, 14:04:00 »
Zunächst mal: :hug: :knuddel2: :hug: :kraul: :hug:

Ich kann Deinen Frust sooo gut nachvollziehen! Mein Wallach hat diverse "Probleme", eines davon ist, dass er sich regelmässig in der Halle total stresst und "gefährdet fühlt". Und dann ist nicht viel von / mit ihm zu wollen, weil er mental einfach nur damit beschäftigt ist, zu prüfen, wo welche Gefahr droht. Er ist jetzt seit 6 Jahren bei mir und auch immer "in" der gleichen Halle, aber die Probleme damit habe/hatte ich die ganze Zeit über. Es wurde immer mal wieder besser und dann wieder schlechter, und das frustriert sooooo. Im Moment haben wir eine richtig gute Phase, und ich hoffe natürlich, dass die diesmal der Durchbruch ist und ich es endlich geschafft habe, die Halle für ihn zu entgruseln. Aber insgeheim bereite ich mich mental darauf vor, dass es auch wieder anders werden kann, damit ich in dem Fall dann nicht zu sehr ins tiefe Loch falle.
Das nur, damit Du mir glaubst, dass ich Deinen Frust wirklich nachvollziehen kann.


Der Schmiedtermin (Sammeltermin) eskalierte aber total (Schmied ist prinzipiell kein Problem bei ihr, aber sie war total überfordert mit den schreienden Pferden, die alle hoch zum Stall gebracht wurden...dann wieder runter geführt wurden, während sie oben bleiben musste....das war zu viel und ich hatte natürlich wieder einen explodierenden Vulkan am Seilende - alle machten große Augen und meinten nur "was ist denn mit deiner plötzlich los? Spinnt die?" etc. joa, das Übliche halt...der verrückte Fuchs. Ich war bedient.). Ich kann das alles nachvollziehen und "verstehe" ihre Reaktionen, aber was mache ich denn in solchen Fällen mit meinem Futterbeutelchen und dem Clicker in der Hand? Doof aus der Wäsche gucken? Ich muss sagen, dass ich mich während ihrer Ausbrüche mit der Horsemanship-Methode "sicherer" gefühlt habe, weil ich im gewissen Rahmen die Kontrolle behielt. Mit dem Clicker fühle ich mich der Sitution doch eher ausgeliefert.
Du hast ja schon eine perfekte Lösung gefunden: das Problem möglichst umgehen, indem Du gleich als erste dran bist! Und genau sowas wird in solchen Fällen die Lösung sein: die Situation über Management so gestalten, dass es für sie okay bzw. auszuhalten ist.

Sicher, das geht nicht immer und v.a. kannst Du nicht immer voraussehen, wann sie womit Probleme haben wird. In den Fällen heisst es (für Dich!) ein Stück weit "Augen zu und durch", d.h. irgendwie versuchen, die Situation mit ihr gemeinsam zu überstehen. Und die blöden Kommentare der anderen auszublenden! Bzw. sie zu bitten, die schreienden Pferde eben wieder zurück zu bringen, neben ihr stehen zu lassen, bis sie fertig ist, und dann alle gemeinsam wieder weg bringen.
Da ist dann Deine Phantasie gefragt: was ist jetzt in diesem Moment zu verändern, dass die Situation deeskaliert?

Zitat
Ich stelle mir eben die Frage, ob das Clickern mit solch einem nervigen Pferdetyp überhaupt sinnvoll und dauerhaft möglich ist oder ob in dem Fall eine Kombination mit Horsemanship vllt. doch sinnvoller und zielführender wäre....? Zumindest hatte ich bei der Arbeit mit der Westerntrainerin immer mehr das Gefühl, es unter Kontrolle zu haben und das fehlt mir aktuell irgendwie.  :shy: Aber wahrscheinlich muss ich da einfach durch...
Mit jedem Pferdetyp ist Clickern möglich und sinnvoll! Vielen Pferden hilft es in stressigen Situationen, eine Art "Schnuffeltuch" (safety blanket) zu haben, was oft das Handtarget ist. Das ist ein Verhalten, was in entspannten Situationen sehr, sehr, sehr, sehr, sehr oft positiv bestärkt wurde, und auch dann, wenn das Verhalten "ungefragt" vom Pferd angeboten wird. Wenn das eine sehr lange Belohnungshistorie hat, hilft es den Pferden, dieses "positive Gefühl" auch auf stressige Situationen zu übertragen und ihnen da besser durch zu helfen. Und es kann ein Signal vom Pferd an Dich sein, dass es ihr jetzt langsam zu viel wird. Zu dem Thema schreibt ja vielleicht Tine noch was, sie hat da sehr viel Erfahrung mit ihrer Stute.

Beim Horsemanship sieht es oft viel schneller viel besser aus. Das Pferd tut, was es soll, es steht ruhig da (z.B.). Aber das sichtbare Verhalten ändert nichts an den Emotionen, die unter der Oberfläche brodeln. Und wenn man Pech hat, dann explodiert der Dampfkochtopf irgendwann und es ist vorbei mit "braves Pferd steht ruhig da". Beim Clickertraining versucht man, nicht nur das nach außen sichtbare Verhalten zu verändern, sondern auch die Emotionen in der jeweiligen Situation. Das dauert zwar länger, ist aber auch nachhaltiger. Und je nach Pferdetyp ist man halt mit dem Horsemanship sehr schnell an den Grenzen, weil das Pferd den Stress, den es in der Situation erlebt, einfach nicht aushalten kann. Oder man muss so viel Druck erzeugen, dass die meisten Menschen über ihre Wohlfühlzone gehen müssten (sprich: dem Pferd ernsthaften Schmerz zufügen) und/oder das Pferd in eine erlernte Hilflosigkeit treiben, bei der es zwar "brav aussieht", aber auch einfach komplett innerlich abgeschaltet hat und nur noch irgendwie funktioniert.
Viele Grüße,
Esther
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #12 am: 12. Dezember 2016, 14:05:06 »
Ich würde das nicht als Luxusproblem bezeichnen. Es ist euer beider Problem. Da ihr schon einiges durchgemacht habt und sie beim Menschen leider auch schon einiges Doofes erfahren musste, orientiert sie sich momentan lieber an den Pferden.

Zu der Sache mit dem Schmied kann ich nur sagen, dass die anderen Pferde garantiert gerne genauso reagiert hätten, wie sie. Nur sie trauen es sich nicht, weil sie wissen, dass es Ärger gibt, also schreien sie "nur" - Stichwort: Erlernte Hilflosigkeit. Wenn ein Pferd da erstmal richtig drin steckt, kriegt man es nur ganz schwer wieder zurück. Das ist nicht schön :-X
Vllt kannst du dich ja erstmal mit den anderen Einstellern arrangieren, dass ihr immer zuerst dran seid oder jemand mit einem ruhigen Pferd mit dir zusammen den Termin war nimmt.

Mit der Zeit wird es anders werden. Die Stute vom SB, die ich als RB habe, war anfangs sehr extrem. Ich habe sie am Putzplatz (~10m vom Paddock) angebunden und sie ist nur hin und her gerannt und hat gewiehert. Putzen war echt gefährlich, weil auch noch 4-fach beschlagen. Schmied wurde immer unter Sedierung gemacht usw. Inzwischen kann sie überall auf dem Hof unangebunden ruhig neben mir stehen und die letzten Termine beim Schmied gingen problemlos ohne Sedierung, wenn ich dabei war.
Wenn du dich in so einer Situation hilflos fühlst, fühlt sich dein Pferd auch so. Gib euch beiden eine Aufgabe. Trainiere wie oben schon gesagt irgendetwas so extrem, zB Nasentarget, dass dein Pferd es unbedingt will. So kann man die auch gut aus Situationen wieder rausholen, wenn sie sich zB irgendwo feststarren.

An deiner Stelle, wäre ich ehrlich gesagt nach deinem Autounfall hingefahren, hätte ihr Hallo gesagt und wäre wieder nach Hause gefahren, weil ich viel zu aufgewühlt und zittrig gewesen wäre, um zu trainieren. Denn Emotionen kann man nicht einfach ausschalten oder überspielen. Pferde merken und spiegeln alles :roll: ;) Dann lieber nicht trainieren, das Training unterbrechen und überdenken oder ganz abbrechen, als dem Pferd aus seinen eigene Emotionen heraus Unrecht zu tun. Es dauert etwas bis man sich selbst so reflektieren kann, ich kann es leider auch noch häufig nicht :( aber man lernt ja nie aus und je weniger häufig man in diese Falle tappt, desto leichter verzeihen die Pferde einem :kraul: :hug:
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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #13 am: 12. Dezember 2016, 20:35:12 »
Erstmal :hug::trost1: :sauf:

Zu dem beschriebenen "Problem" ansich wurde glaub ich das wichtigste schon geschrieben. Gutes Management hilft über echt vieles hinweg und ist oft noch viel wichtiger, als Training. Wie schon gesagt wurde, so banal es auch klingen mag, und so wenig andere Pferde damit Probleme haben, oder Reaktionen zeigen, oder oder oder - wenn deine Stute Angst/Stress hat, dann ist der für sie real, und an erster Stelle steht, sie so wenig wie möglich in diese Situationen zu bringen. Der zweite Punkt ist dann, ihr Verhaltensalternativen beizubringen - was natürlich nur in Situationen geht, in denen sie eben noch nicht gestresst ist.

Edit: Ups, zu früh abgeschickt, Rest kommt im nächsten Post!
LG Tine
Krümeline, Winzi & Mucki

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Re: Optimale Trainingsbedingungen schaffen (Problemfall)
« Antwort #14 am: 12. Dezember 2016, 20:47:53 »
Ich finde leider gerade nicht die Ruhe, was komplett ausführliches zu schreiben, aber vielleicht magst du mal die ersten Posts im Krümelinentagebuch lesen, sobald du in den Mitgliederbereich kannst :shy: Wir sind auf jeden Fall auch Meister im managen von diversen Dingen, und alles was du schreibst kommt mir sehr bekannt vor. Von daher kann ich bei den anderen unterschreiben: es wird besser (aber wahrscheinlich nie so, wie mit deinem Wallach).

Aber was ich dir versprechen kann ist, dass du ihr mit dem Clickern auf eine Weise helfen kannst, mit der Welt klar zu kommen, die dir keine Form von Horsemanship geben kann. Denn du hast die Möglichkeit ihr beizubringen, sich selbst zu helfen (und nicht nur zu ertragen!). Das ist keine Sache von ein paar Wochen und dann ists gut, sondern viele kleine Schritte über eine lnage Zeit, sicherlich auch begleitet von Rückfällen... Aber ihr seid gerade erst am Anfang. Sie ist erst 4. Sie steht erst seit kurzem im aktuellen Stall. Die negativen Erfahrungen aus dem Beritt sind noch nicht lange her - und in Einzelhaft stehen kann ein Pferd langfristig traumatisieren, und da braucht es mehr als ein paar Monate Herde um wirklich sicher zu sein, dass die anderen Pferde nicht plötzlich wieder verschwinden...

Vielleicht kannst du ihr ja über den Winter noch mehr Herdenzeit gönnen. Nur jeden zweiten Tag üben, und an den anderen Tagen die Zeit mit deinem Wallach genießen und die Seele erholen. An den anderen Tagen meinetwegen zum Nasekraulen hinfahren und ne Stunde mit in die Box setzen und kraulen, aber nichts wollen, üben, trainieren. Und dann gezielt gucken, was wirklich sein muss (wie mit der Hufbearbeitung) und gucken, wie du die Situation so gut wie möglich entstressen kannst. Zeit heilt vieles, und Alter auch. Das hab ich bei meiner Stute schon so oft gemerkt :shy:
LG Tine
Krümeline, Winzi & Mucki

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