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„Wild Whispering“- Bücher von Dawn Westcott – Leben mit halbwilden (Exmoor-) Pon

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Keine Bücher über Clickertraining, aber (unter anderem) um eine ganz besondere Art des positiven Umgangs mit Pferden. Für mich gehören sie zu den schönsten Pferdebüchern, die ich seit langen in den Fingern hatte. Gut verständliches Englisch – mit meinem laaange zurückliegenden Schulenglisch und ab und an Blick ins Wörterbuch bin ich gut klar gekommen. Hauptsächlich leben die Bücher aber auch von den unzähligen wunderschönen Fotos. Über Amazon auch recht günstig zu bekommen.

Dawn Westcott hat 2013 zusammen mit ihrem Ehemann Nick hat das „Moorland Exmoor Foal Project“ ins Leben gerufen, dessen Zweck es ist, traumatisierte bzw. aus anderen Gründen schwer vermittelbare Fohlen aus dem Exmoor fit für ein Leben mit Menschen zu machen.  Bis 2014 wurden die im Herbst gefangenen Absetzer noch mit bis zu sieben (!) Brandzeichen versehen, außerdem wurden alle Hufe inspiziert, um auf hellen Stellen geprüft zu werden. Dass das als erste prägende Begegnung den Fohlen teilweise die Nähe von Menschen komplett verleidet, ist nachvollziehbar. Sind dann noch „optische“ Mängel erkennbar (z.B. fehlende Mehlnase, weiße Haare, helle Stellen im Hufhorn) oder ergibt der DNA-Test keine klare Abstammung, bekommen sie keine Papiere als reinrassige Exmoorponys, was die Verkaufschancen noch mehr verringert.

Chronologisch das erste ist „Wild Stallion Whispering“, in dem die Autorin wie die Jungfrau zum Kinde zu zwei einjährigen frisch gefangenen Exmoorhengsten kommt, die sie „erstmal“ bitte nur über den Winter unterbringen soll. Das gestaltet sich schon nicht einfach, da beide (s.o.) angesichts von Menschen das kalte Grausen packt. Ihr wird schnell klar, dass mit den althergebrachten Methoden, insbesondere mit Druck, gar nichts gehen wird. Mit Versuch und Irrtum und immer wieder neuen kreativen Ideen wächst dann über die Jahre die Beziehung insbesondere zu Hengst „Bear“, der aufgrund seines Rassetyps auch Hengst bleiben darf. Durchaus auch mit Humor wird geschildert, wie beide dann ihren gemeinsamen Weg auf Zucht- und anderen Schauen finden, über freie Agility ganz neue Möglichkeiten entdecken, Bear mit seinen Stuten und Fohlen zusammenlebt.
Daraus entwickelt sich dann das o.g. Projekt.

Im nächsten Band „Wild Pony Whispering“ geht es dann darum, wie ein in letzter Minute gefundenes und gerettetes halbtotes Waisenfohlen, Monsieur Chapeau (okay, die Namen…) dazu beigeträgt, die wilden Fohlen noch besser zu verstehen. Dem ist zumindest die Brennerei und Inspektion erspart geblieben und er findet Menschen vom ersten Moment an super. Genau das zeigt er auch seinen Mitfohlen. Es wird das Konzept des gemeinsamen Trainings entwickelt, in dem mit den Ponys in der Herdengemeinschaft Beziehungen geknüpft werden, Aufhalftern, Führen, freies Folgen, kennenlernen und überwinden von allerlei Agitylityhindernissen und Gedöns, Hufe geben usw. in der Gruppe geübt werden und sie vor allem voneinander lernen. Ganz entzückend z.B. die gemeinsamen völlig freien „Verladeübungen“. Spätestens da wird klar, warum Clickern keine Option ist – mit gefüllten Futtertaschen in Gruppen von Jungpferden zu stiefeln, dürfte keine gute Idee sein.

In „Wild Herd Whispering“ geht`s dann weiter mit den bekannten Ponys der beiden anderen Bücher und diversen Neuankömmlingen. U.a. „Lady Martha“, ca. 5-wöchiges „Herbstfohlen“, dass mit Milchersatz großgezogen wird und, trotz aller „schützenden“ Bemühungen der Zweibeiner sehr autonom seinen Weg in die Herde sucht und findet. Hier geht es dann auch großenteils um die Beziehungen der Ponys untereinander, das Eingliedern neuer Herdenmitglieder, aber auch die Art und Weise, Vertrauen in den Ponys aufzubauen, deren Bereitschaft, sich auf Menschen einzulassen,  je nach Persönlichkeit und Vorgeschichte schon sehr unterschiedlich ist. Dass es aber gut funktioniert, zeigt sich z.B. auch im regelmäßigen „gemeinsamen Abhängen“ – jede Menge entspannt liegender Ponys und Zweibeiner, ausgiebigen Wanderungen mit freilaufenden Ponys …..

Nebenbei geht es auch immer wieder um den Kampf gegen die exzessive Brennerei, das Bewahren der ursprünglichen Rasse im Exmoor, die sehr unterschiedlichen halbwilden Herden, Aufregung bei der immer drohenden Frage der DNA-Ergebnisse und das Bekanntmachen von Exmoorponys als tollen Reit- und Fahrponys besonders auch für Erwachsene.

Eine Liebeserklärung an Exmoorponys und sehr viele Informationen über die Rasse, Zucht und Haltung in deren Heimat. Sicher auch mit Genuss zu lesen von Freunden anderer „Native Ponys“ und sehr viel zum Nachdenken hinsichtlich des Zusammenlebens von Pferden untereinander und ihrer Bereitschaft, Menschen, die das wirklich wollen, mit einzubeziehen.
Schön zu lesen, wie auch bei der Autorin immer wieder das Herz über den Verstand siegt und dann doch wieder ein Fohlen gekauft, eines mit teurem Milchersatz gepäppelt wird, aber auch schweren Herzens darauf verzichtet wird, selber noch eigene Fohlen zu züchten, weil ja „eigentlich“ die bereits vorhandenen „Wilden“ vermittelt werden sollen. Ich habe mich auch selber oft wiedererkannt – auch bei mir wird die Überzeugung „man kann gar nicht zu viele Shettis haben“ mühsam vom Großhirn im Zaum gehalten. Und die Spaziergänge mit freilaufenden Ponys haben mir auch sehr gefallen – ich habe ja zumindest einen freilaufenden mehlnasigen Onki (soweit wir uns in verkehrsfreien Gegenden aufhalten).

LG
Katja
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Klingt sehr schön.
Hier habe ich auch ein Video dazu gefunden:

https://www.youtube.com/watch?v=M8o2H4p2vtg
Alles kommt zu dem, der warten kann.
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