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Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden

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Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« am: 05. Februar 2021, 13:50:43 »
Angeregt durch mein Tagebuch würde ich gern diesen Thread hier aufmachen. Ich habe lange nicht gewusst, wie ich ihn nennen soll, ich hab nämlich zwei Ziele, bzw. ein Endziel mit vielen kleinen Zwischenzielen.

Bei uns im neuen Stall gibt es einen Putzplatz, der aus einer ehemaligen Box umgebaut wurde. Relativ eng ist es dort also und wirklich Sicht nach außen gibt es nicht. Mein Offenstall-verwöhntes Pony kommt mit der Enge nicht so richtig klar und fühlt sich dort nicht wohl. Von einfach reinstellen und anbinden sind wir also relativ weit weg.

Ich habe in meinem Tagebuch (Ich würde es gern verlinken, damit das Video hier nicht öffentlich ist):

Link zum Tagebuch, in dem der Videolink drin ist.
Ich hoffe, es ist in Ordnung so.

Ich hab dabei mehrere Zwischenziele:

- entspannt reingehen
- Ruhig stehen können
- Ruhig stehen können, wenn Lärm und Halligalli draußen ist
- angebunden werden können (beidseitig, kennt er nicht)
- über einen längeren Zeitraum angebunden werden können und dabei geputzt werden

Ich hab eine grundsätzliche Vorstellung, wie ich das angehen würde, aber ich hab noch keine Strategie bei möglichen "Fehlern".

1. Wenn er gar nicht erst reingeht, was mach ich dann? Locken über Handtarget geht manchmal, aber nicht immer. Ich würde dann einfach ihn nochmal wegführen und einen neuen Versuch starten. Wenn er dann aber gar nicht mehr in die Nähe der Tür will? Wie gehe ich den Schritt vom Wohlfühl-Bereich, in den Unwohl-Bereich?

2. Was ist, wenn er ganz schnell wieder rauswill? Bzw. hier würde ich schauen, dass ich ihn rausführe, bevor es soweit kommt. Wenn ich den Moment aber verpasst habe, dann gehe ich einfach mit ihm mit?

3. Wenn wir schon reingehen können, eine Runde drehen und wieder rausgehen, was ist dann der nächste Schritt? Ich habe hier dann entweder Grown-Ups, bzw. teilweise einfach nur rumstehen geklickt. Teilweise Targets abgefragt und teilweise dann mich von ihm entfernt und das Stehen "auf Entfernung" geklickt? Alles mögliche Wege?

4. Wie geht der Step zum drin angebunden werden? Ab wann sollte ich das wagen? Erst wenn er drin quasi auch unangebunden stehen bleibt? So lange auch eben durch die "Uhr-Übung" üben, dass ich mich von ihm entferne und er dabei stehen bleibt? Dass er geputzt wird und dabei stehen bleibt?
Theoretisch wäre das freie Stehen ja eine viel bessere Übung, aber es gibt Situationen, da muss er eben angebunden werden und beidseitig kennt er einfach nicht. Die Möglichkeiten geben aber langfristig keine andere Optionen vor.

Wie würdet ihr denn hier generell vorgehen und welche Schwierigkeiten könnten hier kommen, auf die ich im Idealfall schon vorbereitet bin?

edit: Link repariert, Gruß Muriel

« Letzte Änderung: 05. Februar 2021, 16:14:27 von Muriel »
Viele Grüße und bleibt gesund!

Sarah
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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #1 am: 05. Februar 2021, 16:15:41 »
Ich würde auf jeden Fall auch Mattenarbeit vorschlagen. Hier brauchst du mehrere Matten, die du draußen und drinnen hinlegen kannst. Das macht es ihm einfacher, einen "Erfolg" und einen Bezugspunkt zu bekommen.
Die Matten müssen dazu schon hochbestärkt sein.
Alles kommt zu dem, der warten kann.
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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #2 am: 05. Februar 2021, 19:27:27 »
Huhu, hier reihen wir uns auch ein :) Auf dem Foto sieht man unsere Stallgasse. Von der Tür aus gesehen sind rechts drei halboffene Boxen, links ist eine Wand mit drei offenen Fenstern der Nachbarstallgasse. Am Ende ist ein Deckenhalter, unter dem Mülltonnen stehen, die Mistkarre geparkt ist etc. Die Krümeline kann sich zwar in der Stallgasse drehen, aber es erfordert ein bisschen Konzentration.

https://www.clickertiere.de/pics/chance/2019/3c020f862de6dcfb129fec92c28b8c86.png

Wir haben damit begonnen, dass ich sie mit dem Kopf in der Tür gefüttert habe. Zu Beginn war es meistens so, dass sie einen Bissen genommen hat und zum Kauen und Gucken raus gegangen ist. Nach und nach konnte ich die Schüssel immer weiter rein stellen und dann auch mal nebenbei etwas bürsten oder Hufe auskratzen. Ich binde sie bewusst nicht an, da sie in Schreckmomenten immer noch das Bedürfnis hat, rückwärts raus zu laufen, das passiert aber nur noch sehr selten.

Vorteil bei Krümel ist, dass sie Regen echt verabscheut und immer heilfroh ist, wenn man mit ihr dann unter ein Dach flüchtet :kicher: Auch wenn der Regen auf dem Wellblech echt richtig Lärm macht überwiegt das Trockene (meistens) als Verstärker.

1. Wenn er gar nicht erst reingeht, was mach ich dann? Locken über Handtarget geht manchmal, aber nicht immer. Ich würde dann einfach ihn nochmal wegführen und einen neuen Versuch starten. Wenn er dann aber gar nicht mehr in die Nähe der Tür will? Wie gehe ich den Schritt vom Wohlfühl-Bereich, in den Unwohl-Bereich?

Mit zwei Schritten vor und einem zurück? :kicher: Auf dem Video hatte ich das Gefühl, dass ihm das Reingehen leichter fiel, wenn ihr von (von außen aus gesehen) links gekommen seid und du ihn auch von links geführt hast. Könntest du in der Tür z.B. mal Wendungen machen? Also von einer Seite kommen, mit der Vorhand in die Tür, dann rückwärts wieder raus aber mit dem Po in die entgegengesetzte Richtung... Hast du ein Signal für "mach einen Schritt vorwärts"?

Ansonsten stimme ich Heike zu, Matten können Wunder wirken. Aber den Zwischenschritt müsst ihr erstmal noch so trainieren, wenn ich mich richtig erinnere.

2. Was ist, wenn er ganz schnell wieder rauswill? Bzw. hier würde ich schauen, dass ich ihn rausführe, bevor es soweit kommt. Wenn ich den Moment aber verpasst habe, dann gehe ich einfach mit ihm mit?

:nick: Wenn du ihn nicht sicher stoppen kannst, dann hilft es auch nichts, dich quasi vor ihn zu werfen. Das hilft ja allen Seiten nicht. Dann lieber eine Notiz machen, im nächsten Durchgang kleinschrittiger vorgehen und überlegen, was der Auslöser gewesen sein könnte.

3. Wenn wir schon reingehen können, eine Runde drehen und wieder rausgehen, was ist dann der nächste Schritt? Ich habe hier dann entweder Grown-Ups, bzw. teilweise einfach nur rumstehen geklickt. Teilweise Targets abgefragt und teilweise dann mich von ihm entfernt und das Stehen "auf Entfernung" geklickt? Alles mögliche Wege?

Ich finde, das klingt total gut und hat mir auch im Video sehr gefallen. Den Ort als ganzes positiv zu verknüpfen und zu einem Ort zu machen, an dem 10000 Dinge passieren könne. Mit oder ohne Menschen, mit oder ohne Pferde etc. Du könntest auch beginnen, ihn in diverse Richtungen in der Kammer zu manövrieren, vorwärts, rückwärts, seitwärts, damit auch kein so fester Fokus auf "diese eine richtige Position" entsteht. Da muss ich immer an die Hängervideos von Erika denken, wo die Pferde auch mal rückwärts in den Hänger gehen, sich auf der Rampe auf den Sitzsack setzen durften etc.

4. Wie geht der Step zum drin angebunden werden? Ab wann sollte ich das wagen? Erst wenn er drin quasi auch unangebunden stehen bleibt? So lange auch eben durch die "Uhr-Übung" üben, dass ich mich von ihm entferne und er dabei stehen bleibt? Dass er geputzt wird und dabei stehen bleibt?
Theoretisch wäre das freie Stehen ja eine viel bessere Übung, aber es gibt Situationen, da muss er eben angebunden werden und beidseitig kennt er einfach nicht. Die Möglichkeiten geben aber langfristig keine andere Optionen vor.

Ich würde vermutlich erst anbinden, wenn Stehen unangebunden gut geht :nick: Und dann ggf. noch zusätzlich damit arbeiten, erstmal beide Stricke nur durch die Anbinder gleiten zu lassen oder so Sicherheitsstücke zu nutzen. Wie mit einem jungen Pferd eben, das Anbinden nicht kennt. Es ist schließlich eine neue Art der Fixierung, die darf man auch neu trainieren.

Und drinnen fressen lassen (wenn er es halbwegs entspannt kann) hilft, ganz im Sinne der klassischen Konditionierung, natürlich auch sehr gut.
LG Tine
Krümeline & Mucki

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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #3 am: 05. Februar 2021, 19:37:26 »
LG Tine
Krümeline & Mucki

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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #4 am: 06. Februar 2021, 09:01:22 »
1. Wenn er gar nicht erst reingeht, was mach ich dann? Locken über Handtarget geht manchmal, aber nicht immer. Ich würde dann einfach ihn nochmal wegführen und einen neuen Versuch starten. Wenn er dann aber gar nicht mehr in die Nähe der Tür will? Wie gehe ich den Schritt vom Wohlfühl-Bereich, in den Unwohl-Bereich?

Wegführen und noch mal neu ansetzen finde ich eine gute Idee, um Bewegung reinzubekommen und den Kopf von euch beiden zu lüften, wenn du so willst. Festbeissen bringt ja nix. Wenn er dann gar nicht mehr zur Tür gehen kann - probier es an einem anderen Tag. Oder später. Vielleicht ist der Kopf dann voll oder irgendetwas anderes passt dann nicht mehr.  :nixweiss:
Sieh es nicht als Vollkatastrophe, sondern stecke es zu "Dinge passieren" . So wie Gabor in dem Video ist, würde ich mir da auch echt wenig Gedanken machen und hattest ja auch selber geschrieben, dass es bei ihm aufgeregtere und entspanntere Tage gibt.  :nick: Das muss man ja auch berücksichtigen.

2. Was ist, wenn er ganz schnell wieder rauswill? Bzw. hier würde ich schauen, dass ich ihn rausführe, bevor es soweit kommt. Wenn ich den Moment aber verpasst habe, dann gehe ich einfach mit ihm mit?

Wie Tine schon geschrieben hat, in den Weg werfen hilft oft nicht. Wenn der Winzi z. B. raus will, dann will er raus. Ich gehe dann mit - so ruhig es geht - atmen nicht vergessen!  :cheer: - und stoppe ihn über einen Click (gedacht als Art Gegenkonditionierung , aber da bin ich mir auch etwas unsicher, ob das dann nicht zu spät ist) oder über Stricktechnik. Und dann wird wieder - abhängig von der jeweiligen Gemütslage - wieder neu angesetzt. Winzi darf ja bei mir mitbestimmn und wenn er entscheidet, dass es ihm zu gruselig ist, dann kann ich eigentlich nur sagen:" Tut mir leid, dass ich es nicht eher gesehen habe, dass du nicht mehr kannst. Ich bin jetzt noch aufmerksamer."

Was mir vorhin noch einfiel:
Im alten Stall habe ich mit dem Winzi auch üben müssen, in eine andere Box und Stallgasse zu gehen, da der alte Stalltrakt umgebaut wurde. Das fand er alles sehr gruselig am Anfang. Rein- und rausgehen und Schüsselessen dort bekommen haben uns damals auch geholfen.  :nick:
In seine kleine neue Box bin ich sehr oft reingegangen mit einer Intention, die nichts mit dem Winzi zu tun hatte. Ich habe den Fokus komplett von "der Winzi muss das jetzt dran gewöhnt werden" hin zu "Oh, das Stroh liegt etwas schief in der Box - ich geh da mal rein und macht es ordentlich." Und "zufälligerweise" hatte ich den Winzi am Strick bei mir und er "musste" dann mit in die Box, was aber dann witzigerweise überhaupt nicht schlimm für ihn war, denn es ging ja nicht um ihn, sondern um mich und das Stroh. Wen ich meine Aufgabe in der Box erledigt hatte, gingen wir auch wieder raus. :cheer:
Das war auch ein interessantes Training, weil man sich selber dann auch dabei anders verhält.  :nick:
Gewinke von Sonja
Winzis Tagebuch

Gandalf:   Ja, aber wissen wir das?  Aragorn:   Was sagt dein Herz dir?
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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #5 am: 06. Februar 2021, 09:14:35 »
Zitat
In seine kleine neue Box bin ich sehr oft reingegangen mit einer Intention, die nichts mit dem Winzi zu tun hatte. Ich habe den Fokus komplett von "der Winzi muss das jetzt dran gewöhnt werden" hin zu "Oh, das Stroh liegt etwas schief in der Box - ich geh da mal rein und macht es ordentlich." Und "zufälligerweise" hatte ich den Winzi am Strick bei mir und er "musste" dann mit in die Box, was aber dann witzigerweise überhaupt nicht schlimm für ihn war, denn es ging ja nicht um ihn, sondern um mich und das Stroh. Wen ich meine Aufgabe in der Box erledigt hatte, gingen wir auch wieder raus. :cheer:
:uschreib:
Den Fokus wegzunehmen von der geplanten Aufgabe nimmt enorm viel Druck. Wir arbeiten hier schließlich an Angst - die wird eher größer, wenn man sich auf sie konzentriert...

Beste Grüße,
Dörte.
Lieber breit grinsen als schmal denken!  (B.Berckhan)
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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #6 am: 09. Februar 2021, 11:22:39 »
Tausend Dank für eure Gedanken und Anregungen. :grouphug:

Also gut. Ich fasse nochmal zusammen:

1. Matten: Die muss ich aber erstmal hochbestärken an einem ruhigen Ort, bevor ich sie für dieses Training nutzen kann
2. Fokus wegnehmen vom Gruselort und dort "zufällig" gelandet sein
3. Ort insgesamt positiv besetzen mit allerlei tollen und lustigen Übungen
4. Fressen lassen, ggf. auch erst "halb drin" und dann langsam weiter rein.
5. Rauslassen, wenn er rauswill und nochmal neu ansetzen

Und Tine: Gut beobachtet. Mir scheint auch, es fällt ihm leichter, wenn ich quasi "innen" laufe. Klar dann muss er auch nicht so einen enge Kurve gehen. Und ja, auch die Seite scheint er bevorzugen. Wir haben kein Signal für einen Schritt. Ich  lass ihn bei solchen Sachen antreten und clicke sofort... aber das klingt an sich nach einer guten Idee.
Bei euch scheint es ähnlich eng zu sein. Grad so große Pferde können sich dort dann ja vielleicht auch gar nicht so gut umdrehen. Wirklich toll, dass die Krümeline den Ort mittlerweile als Wetterschutz ansehen kann.  :dops:
Viele Grüße und bleibt gesund!

Sarah
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Re: Enge Räume, wenig Sicht und Anbinden
« Antwort #7 am: 09. Februar 2021, 19:10:46 »
Ja genau, umdrehen können wir nur an entspannten Tagen oder wenn eine Box frei ist für einen größeren Wendekreis :lol:

Heute mochte sie sich 10 Minuten nach ihren Schneeabenteuern in der Box ausruhen und stand da ganz gechillt rum, musste dann aber ganz plötzlich und schnell raus um irgendein Geräusch zuordnen zu können. Das passiert immer noch, aber es wäre vermutlich auch in Ordnung gewesen, wenn die Box zu gewesen wäre und sie nicht raus gekonnt hätte.
LG Tine
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