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Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede

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Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« am: 23. Juni 2015, 09:36:42 »
Nachdem bei mir im Blog das Thema Légèreté aufkam, aber sicherlich nicht alle in den Blogs lesen, möchte ich zu dem Thema "Klassisch Reiten" einen eigenen Thread aufmachen und hoffe auf einen netten Austausch über die Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Vor- und Nachteile.

Alles was ich zu dem Thema weiß ist folgendes: Es gibt unterschiedliche Reitweisen, die sich unterhalb der Kategorie "Klassisch" ansiedeln.

- Klassisch: HDV 12/Reitvorschrift, Steinbrecht "FN", Xeonophon ( <- mir ist aufgefallen, dass unglaublich viele den Begriff "englisch" nutzen, um diese Reitweise zu beschreiben. Ich weiß nicht woher das kommt, habe aber das Gefühl, dass das nicht ganz korrekt ist, oder?)

- Akademisch: Bent Branderup; "Akademische Reitkunst"

- Barock: Richard Hinrichs, Francois Robichon de la Guèrinière --> Spanische Hofreitschule Wien

- Légèreté: François Baucher -> Erste Manier: Mobilisation des Unterkiefers, Abbiegung des Pferdehalses; Zweite Manier: Nicht nur Maul alleine, sondern Gesamtzustand des Pferdes wird berücksichtigt / Philippe Karl, Nuno Oliveira

Das Thema "Klassik" ist ein unglaublich umfangreiches Thema. Im Prinzip ist die komplette Dressurreiterei klassisch und orientiert sich allesamt an den alten Reitmeistern wie Xenophon. Ich glaube, wesentliche Unterschiede kann man dann nur noch im Detail erkennen. Bspw. ist Légèreté nicht nur auf die hohe Hand zu reduzieren, da diese nur zu Korrektur-Zwecken z.B. beim Einrollen eingesetzt wird.
Auch ist Barock nicht nur reines Kostümreiten.

Was ich schade finde ist, dass viele heutzutage meinen, dass die klassische Reitweise, die viele fälschlicherweise als "englisch" (woher kommt nur dieser Begriff) bezeichnen und damit meinen, was der große Dachverband FN unter sich vereint, mit Rollkur, Dauertreiben und zuschnüren verbunden ist. Wenn man sich die HdV 12 durchliest bemerkt man allerdings, dass das Gegenteil der Fall ist und nur einzelne (zugegeben starke) Negativ-Beispiele dieses Bild prägen.

Meiner Meinung nach gibt es keine wirklich großen Unterschiede zwischen diesen Reitweisen bin aber gespannt, was ihr so zu erzählen habt. Nach welcher Reitweise ihr traininert, warum und mit welchem Ziel.
Viele Grüße
Sarah
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Ventura
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #1 am: 23. Juni 2015, 10:38:23 »
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #2 am: 23. Juni 2015, 10:44:29 »
Also theoretisches Fachwissen habe ich dazu (noch) nicht wirklich.
Aber ich kann von meinen laienhaften Erfahrungen berichten  ;)

Wir waren anfangs immer klassisch, englisch oder wie man es auch nennen will unterwegs. Wie vermutlich eh fast jeder  ??? :lol:
Hier haben wir aber keinen guten bzw. sagen wir lieber keinen für uns passenden Reitlehrer gefunden, deshalb hatte ich dann übergangsweise bei einer Westerntrainerin Unterricht. Hier hat mir dann im Vergleich zur "normalen klassischen" Reitlehre schonmal besser gefallen, dass es nicht ein "vorwärts hetzen" des Pferdes war (ist es vermutlich auch nicht bei allen "FN"-Trainern, aber die die ich kannte schon), sondern viel über vernünftige Lektionen/Seitwärtsgänge etc. erarbeitet wurde.

Nachdem Donna dann letztes Jahr ihre Diagnose bekommen hat, dass sie vermutlich nicht mehr reitbar wird und ich aber irgendwas "sinnvolles" mit ihr lernen wollte bin ich über die Homepage meiner akademisch arbeitenden Trainerin gestolpert und mich hat einfach alles angesprochen - was sie schrieb, die Fotos etc. und ohne irgendeine Ahnung von der AR, habe ich einen Termin vereinbart. Wir haben seitdem viel Arbeit am Kappzaum gemacht und Donna hat sich sehr positiv entwickelt. Nicht zuletzt in ihrer Arbeitseinstellung! Dass sie zeitgleich auch clickert und Physiotherapeutin ist, ist sicherlich nicht die schlechteste Kombination für uns  :cheese:

Bisher habe ich wirklich noch nichts gefunden, dem ich kritisch gegenüber stehe (wird bestimmt irgendwann noch kommen, dann kann sie es mir entweder sinnig erklären oder es wird so nicht gemacht  :lol: ), aber viel was mir positiv auffällt (Donna ist deutlich wacher und beweglicher, der Rücken fängt langsam wieder an durchzuschwingen (vorher war sie ab einem bestimmten Punkt fest, davor war locker dahinter fest), Hinterhandaktivität wird gesteigert und sie kann sich langsam sogar biegen  :dops:). Bei uns wird es einfach aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen nie schulbuchmäßig aussehen, aber ich bekomme gut erklärt, wie ich ihren körperlichen Zustand halten und in kleinen Nuancen verbessern kann. Für mich momentan einfach am passendsten und ich kann mir gut vorstellen, Gjonna mit ihr zusammen auszubilden  :nick:

In die Légèreté habe ich nur mal bei einer Teststunde reinschnuppern dürfen. Das Pferd war schon recht gut darin ausgebildet, ist aber kein Selbstläufer. Mir gefiel persönlich schon die Einstellung nicht, dass man nur mit Gebiss vernünftig arbeiten kann (das ist aber vermutlich eh eine sehr subjektive Meinung - ich habe nicht generell was gegen Gebisse, aber gegen ein so extremes ablehnen ;) ). Dazu kam, dass es ein recht zügelorientiertes Reiten war, mit recht viel und hoher Hand. Ob das jetzt von RL und mir so richtig umgesetzt war, weiss ich nicht. Dazu kam, dass ich das Gefühl hatte, dass das Pferd unter mir nur daherlatscht und den Kopf halt ganz ok hinstellt. Da ich aber auch keine Fotos etc. habe, ist das mein reines Bauchgefühl. Ich habe aber auch schon gut gerittene Légèreté-Pferde gesehen, dafür aber auch ganz schlimme Reiter mit dauerhoher Hand (wobei man schlechte Reiter und RL vermutlich in jeder Reitweise findet).

Als Fazit: ich glaube man findet in jeder Reitweise positive und negative Eigenschaften und muss sich einfach für sich und das jeweilige Pferd den Trainer suchen, der passt. Das kann sich durchaus, meiner Erfahrung nach, nach einer gewissen Zeit ändern.

Ich dachte aber bisher auch immer, dass das Grundgerüst, also die Skala der Ausbildung, im Groben zumindest in allen Richtungen identisch ist bzw. sein sollte.
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #3 am: 23. Juni 2015, 11:04:08 »
Danke für deine Antwort. Ich kann mir vorstellen, dass tatsächlich schlechter Reitunterricht dazu führt, dass man sich anderweitig orientiert. So war das auch bei meiner Miteinstellerin, die mich auf die Idee der Légèreté brachte.

Ich für mich habe dann aber beschlossen (ohne die tatsächliche Theorie hinter den einzelnen Reitweisen zu kennen), dass es eigentlich ausschließlich an schlechten Reitlehrern liegt. Nur, dadurch dass es vermutlich deutlich mehr FN-lizenzierte RL als Akademiker, Légèretisten (ziemlich nervig dieses Wort mit den vielen Accents), Barocker gibt, ist natürlich die absolute Zahl an Nieten deutlich höher. Prozentual vermutlich nicht mal.
Dazu kommt, dass es auch unglaublich viele RL ohne Lizenz gibt. Das muss nicht mal etwas schlechtes sein, nur steigt dadurch die Zahl derer, die sich der klassischen Reitweise verschrieben haben und diese auch unterrichten um ein Vielfaches. Ich denke in den einzelnen - ich nenne sie mal - Unterkategorieren ist das nicht so extrem.
Ich habe selbst hier im Stall eine RL ausprobiert, von der viele geschwärmt haben. Sie unterrichtet "englisch" (wie ich diesen Begriff hasse) und der Unterricht war weder gut noch schlecht. Es war der klassische 08/15-Reitunterricht, den man in vielen Reitschulen sieht. Schritt, Trab, Galopp. Da wurde überhaupt kein Wert auf korrekte Übergänge, weicher Sitz, Schulterbalance o.ä. gelegt. Viele sind damit zufrieden. Die komplette Biomechanik zu kennen und danach zu reiten ist auch mühsam und anstrengend. Das wollen viele nicht - so ist zumindest mein Eindruck.

Und nur weil ich hier bislang niemanden gefunden habe, der so unterrichtet wie ich mir das vorstelle, habe ich die RL nach Légèreté in Betracht gezogen. Vorher hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet, weil ich dachte, dass sei einfach eine eigene Art mit hoher Hand.  :lol: Dass es nicht nur das ist, habe ich dann bemerkt, als ich beim Reitunterricht zugesehen habe.
Die Hohe Hand bedeutet letztendlich nur, dass man nicht auf die Lade, sondern auf den Maulwinkel einwirken will - was besser ist, mag ich nicht zu beurteilen. Sie sieht man v.a. aber auch nur zur Korrektur. Sprich, ein Pferd, was bereits fortgeschrittener ausgebildet ist, wird man wohl kaum noch mit hoher Hand geritten sehen. Ich behaupte sogar, dass man auf den ersten Blick überhaupt nicht erkennen kann, nach welcher Reitweise nun ein gut ausgebildetes Pferd geritten wird. Zumindest kein Laie, bzw. kein Durchschnittsreiter.

Was mir so gefällt ist, dass einfach viel Wert auf die Biomechanik gelegt wird. Da hat alles einen Sinn und Zweck. Nicht, dass es bei der Klassik (FN) anders wäre. Nur da spielen eben die vielen, vielen schwarzen Schafe eine Rolle - zumindest ist das meine Meinung.

So richtig eingelesen habe ich mich in die Thematik auch noch nicht, möchte ich aber demnächst mal tun. Die Vorstellung, mit meinem Fjord irgendwann mal mit Trab-Travers über den Platz zu schweben gefällt mir.  :cheese: Wie man dahin kommt, ist letztendlich wohl egal. Mir ist nur wichtig, dass es ohne Zwang und unter Berücksichtigung des Alters, des Charakters und der Motivation des Pferdes stattfindet.

Die ganze Geschichte der Reiterei, von Xenophon, über das Militär, bis hin nach Frankreich etc. finde ich total interessant und glaube - zumindest nach allem was ich bisher dazu lesen konnte - dass sich letztendlich alles irgendwie gegenseitig beeinflusst hat.
Viele Grüße
Sarah
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #4 am: 23. Juni 2015, 16:01:01 »
Wen das Thema wirklich interssiert dem kann ich die Lektüre von "Reitkunst im Wandel" von Silvia Loch empfehlen. Allerdings ist das glaub ich nur noch schwer erhältlich.

Der Begriff "englisch reiten" ist meines Wissens auf zweierlei gegründet:
Zum einen kam mit der aufstrebenden Rennpferdezucht der Vollblüter in eine weiträumige Verbreitung. Die Engländer entwickelten die Flachrennen, und damit auch das was wir heute "leichttraben" nennen. Es wurde damals "englisch traben" genannt.
Zum zweiten gab es immer verschiedene Schulen, die in Europa mehr oder weniger Einfluß auf die Reiterei nahmen. Frankreich hatte immer eine große Bedeutung, und als der Herzog von Newcastle wichtig wurde, gab es zwei deutlich getrennte Schulen in der Klassischen Reiterei, eben die französische und die englische.
Die französische wiederum teilte sich später auf in die klassische französische (Pluvinel, Guerinière etc) und Baucher, der das Prinzip "Balance vor Bewegung" entwickelte und damit äusserst erstaunliche Ergebnisse innerhalb kurzer Zeit entwickelte.
In Deutschland, Gustav Steinbrecht ("Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade") war ein erbitterter Gegner von Baucher, was auch an der Zeit gelegen haben mag, da man "jenseits und dieseits des Rheins" einfach aus Prinzip Gegnerschaft entwickelte  :confused:
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #5 am: 23. Juni 2015, 17:51:17 »
Sehr spannend! So hätte mir Geschichteunterricht auch mal Spaß gemacht, aber über solche wichtigen Dinge spricht man da ja nicht. :kicher:

Und nur ein kleiner Beitrag zum Thema:
Englisch ist für mich (!) vor allem das, wofür die FN steht, wenn ich so drüber nachdenke. Eigentlich also irgendwie eine Teilmenge von "klassisch". :juck:
Wobei ich eigentlich nur dann englisch sage, wenn ich es von Western, spanisch oder sonstwas abgrenzen mag. Aber je mehr ich das behirne, desto mehr bekomme ich das Bedürfnis, das oben empfohlene Buch zu lesen. :lol:

Irgendwo oben stand es auch schon angedeutet: Ganz eigentlich gibt es ja nur 'gut' und 'schlecht' - und das dafür in diversen Facetten. :P
Wobei ich mich z.B. Mal durch 150 Seiten über Schulterherein gearbeitet hab in dem Légèreté-Buch von dem Herrn, dessen Name mir gerade nicht einfallen will (und ich kann am Handy grad net so gut nebenher kucken), war sehr überzeugt von der Argumentation (die stellenweise auch nicht unbedingt unpolemisch gegen das "andere klassische" SH nach FN auf 3 Spüren ging) und habe später dann ein Video von ihm gesehen. Und da war das Zielbild dann aber nicht zu 100% meins. Das war mir etwas zu wenig Spannungsbogen, ein zu "loser Rücken" irgendwie. Also, ein schöner Ritt, harmonisch, leicht, das schon. :nick: Aber "gefallen" tut mir da etwas mehr positive Spannung im Pferd besser. :)
Insofern fände ich es spannend, die Zielbilder mal zu vergleichen. :)

« Letzte Änderung: 23. Juni 2015, 17:55:51 von Bettina »
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #6 am: 24. Juni 2015, 08:44:56 »
Heike, vielen Dank für den Buchtipp. Ich werde mal recherchieren. Vielleicht werden mir dann auch Zusammenhänge etwas klarer. Ich muss zugeben, so richtig den Durchblick, wer nun was "erfunden" hat, habe ich noch nicht.  :cheese:

Achso, dann ist englisch eigentlich auch korrekt? Mich stört immer ein bisschen dieser Allgemeinplatz. Es wird ganz oft zwischen Western und englisch unterschieden. Englisch meint damit alles, was keinen Westernsattel hat, egal ob man Dressur (Klassik, Französisch?), Springen oder "Vielseitigkeit" (wer macht das schon wirklich) reitet. Und das nervt.  :lol: Bestes Beispiel, als ich mich mit Miteinstellern über Sättel unterhalten habe, kam die Frage, ob ich einen Englisch-Sattel brauche. :juck: Also, äh, ja, einen Dressur-Sattel halt.  :cheese:

Was ich zu Baucher gelesen habe, ist, dass er seine erste Herangehensweise überarbeitet hat. Zunächst war ihm tatsächlich der Hals und das Maul wesentlich wichtiger, weswegen oft der Eindruck entsteht, die Légèreté´(zukünftig nur noch LGT) sei so handlastig. Später hat er es wohl etwas ganzheitlicher angepasst. Philippe Karl, übernimmt Teile daraus, aber längst auch nicht alles. Zumindest soweit ich es verstanden habe. :juck: Übrigens bin ich beim Lesen über die Vor- und Nachteile der LGT auf heftige Kritik gestoßen. Viele behahaupten, dass man bei der LGT die Aufrichtung künstlich herstellt, ohne darauf zu achten, ob das Pferd das muskulär überhaupt könne. Ich denke, hier spielt natürlich auch die Wahl der Trainer eine Rolle. Übrigens, bei aller Kritik gegen diese Reitweise, du und deine Pferde mit Trainerin wurden immer als Positiv-Beispiel genannt.  :cheese: :keks: Ich gehe davon aus, dass du in einem anderen Forum ebenfalls Muriel hießt?

@Bettina: Meinst Du Philippe Karl? Das Problem bei mir ist, dass ich mir nicht zutraue auf den ersten Blick zu erkennen, ob z.B. in diesem Fall der Spannungsbogen ausreichend ist, oder nicht. Daher lese ich viel über Kritik im Internet und bin danach genauso schlau wie vorher. Ist z.B. LGT (oder beliebig einzusetzen Akademisch, Barock) wirklich gymnastizierend und wertvoll?  :nixweiss:
LGT wird auch als Neoklassik bezeichnet, weil eben Philippe Karl sich nicht so ganz an Baucher orientiert und nur - ich sag mal - pseudomäßig klassich unterwegs sei.


Aber jetzt dann dennoch noch die Frage: Wo liegen denn nun konkret die Unterschiede? Im fehlenden Spannungsbogen? :kicher: Wohl nicht. Ich würde mich freuen, wenn hier jemand Licht ins Dunkel bringen könnte.

Klassik vs. Akademisch vs. Barock vs. Légèreté

« Letzte Änderung: 24. Juni 2015, 08:49:41 von SaBo »
Viele Grüße
Sarah
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #7 am: 24. Juni 2015, 09:14:05 »
Ich finde das spannend, denn dein Problem (zu erkennen, was jetzt wirklich gut ist und was eher nicht) habe ich leider auch. Eine Blickschulung bzw. theoretische Schulung worauf man achten sollte, finde ich deshalb auch sehr interessant  :nick:
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #8 am: 24. Juni 2015, 10:44:26 »
Das Problem mit dem erkennen habe ich grundsätzlich schon auch. Aber in dem Video war es mir aufgefallen, bzw war mein Eindruck einfach, dass das nicht 100 % "Meins" ist. :)

Philppe Karl war es nicht - Mensch, wie heißt der denn... Den kennt man auch... Ich such nachher mal. :)

Nachtrag: Dass das gut war, was der Herr da geritten ist,wollte ich übrigens garnicht in Abrede stellen. :neinnein: :)
Nur halt nicht mein "Lieblings-Gut". Oder so. ;)

Edit 2: Racinet wars. :)

« Letzte Änderung: 24. Juni 2015, 10:51:45 von Bettina »
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #9 am: 24. Juni 2015, 11:02:23 »
grmpf, nu hab ich gar keine Zeit hier richtig zu antworten und bin ab morgen für 10 Tage fast ohne INternet.  :grmpf:

Racinet ist auch "speziell"  :roll:  ich bin mir da noch gar nicht schlüssig, aber ich hab noch kein Pferd gesehen was mir gefällt in der Ausbildungsweise. Allerdings möchte ich da unbedingt mal bei einem Kurs zuschauen, denn wenn man nur kurze Videoausschnitte sieht oder Fotos, kann man sich kein rechtes Bild machen und eben nicht hinterfragen.

Zitat
du und deine Pferde mit Trainerin wurden immer als Positiv-Beispiel genannt.  :cheese: :keks: Ich gehe davon aus, dass du in einem anderen Forum ebenfalls Muriel hießt?
Oh, ich als Positivbeispiel in der weiten Welt? Kannst Du mir verraten wo das sein soll? (PN) ich kann es mir zwar denken, aber....

Bei der LGT gibt es gewaltige Unterschiede in der Ausführung. Wenn man ohne Gefühl herangeht und nur versucht die Technik umzusetzen, kann das ziemlich unschön werden. Gut, das gilt für jede Reitweise  :cheese: aber viele werden wirklich zu sehr handfixiert. Ich habe mal eine Zeitlang mehrere LGT-Lehrer in Kursen besucht, weil es ja immer "eigener Hintergrund + LGT" ist und es kaum jemanden gibt, der das "rein" ausführt.
Ph.K. hat im Gegensatz zu Baucher wesentlich mehr das Vorwärts betont. Allerdings muss ich sagen dass das was man aktuell von ihm sieht (ich hab irgendwo ein Video von einer Messe gesehen, PK + Schüler), da hat mir kein einziges Pferd gefallen.

Stichwort Zielbild, genau. Was gefällt mir, was möchte ich erreichen? Das kann auch sehr in die Irre führen, vor allem wenn man Leichtigkeit verkehrt versteht, weil es so viel einfacher ist, das Pferd "leicht" am Zügel und am Bein zu bekommen, ohne dass es wirklich balanciert und mit aktiver Hinterhand und Rücken geht.
Und der Rücken ist das was mir bei den meisten fehlt, ganz unabhängig von der Reitweise, weil oft einfach die Basis zu kurz kommt.
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Okkie 09
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #10 am: 24. Juni 2015, 20:55:11 »
Sarah, was ist mit den alten Arbeitsreitweisen?
Ich denke da zB an den Californischen Westernstil, präsentiert zB von Jeff Sanders...

Ist ja durchaus auch eine klassische Reitweise - oder???

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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #11 am: 25. Juni 2015, 09:07:38 »
Hm :juck: Gute Frage.  :cheese: Ich bin da ja auch nicht wirklich ein Experte. Ich habe für mich die klassischen Reitweisen immer als "Dressur" definiert, aber möglich, dass es gar nicht so ist.

@Bettina: Racinet kenn ich vom Namen zwar her, kann ihn aber überhaupt nicht zuordnen. Hat er sich auch LGT auf die Fahne geschrieben oder welche Reitweise "vertritt" er?

@Heike: Da hast du allerdings Recht. Die Basis fehlt ganz häufig. Ich denke halt vor allem, dass viele Reiter einfach zu ungeduldig sind und möglichst schnell spektakuläre Lektionen reiten wollen. Dabei aber die Grundlagen völlig vergessen. Ist halt auch mühsam und nicht einfach. Aber korrekt ausgeführt, sollte doch jede Reitweise diese Basis als Grundlage haben, oder?
Viele Grüße
Sarah
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #12 am: 25. Juni 2015, 13:37:08 »
das ist für mich eben der Unterschied in dem, was als Basis so erarbeitet werden soll.
Bei der akademischen RW ist das eben etwas anderes als bei der LGT, und wieder was anderes bei den klassisch-barocken RW.
Hier sind wir wieder beim Zielbild...
in der klassisch-barocken Arbeit zb gehört das Schulterherein sehr früh in die Arbeit. Bei der FN fangen manche Reiter damit erst an, wenn es in den prüfungen gezeigt werden soll, also ab M  :roll:

Ich hab mal gedacht ich fall vom Glauben ab, als ich einen Lehrfilm mit einem Dressurausbilder gesehen habe, wo ein M-Dressurpferd, das unglaublich auf der Vorhand ging, kommentiert wurde dass jetzt das SH dran sei, um ihn langsam von seiner Vorlastigkeit wegzubekommen. Ein M-Dressurpferd!!!!! :gaa:
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Okkie 09
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #13 am: 25. Juni 2015, 14:29:44 »
Ja, die Verbindung klassisch zu Dressur hab ich auch im Hinterkopf;  daher meine Nachfrage, denn die kalifornische Reitweise ist so gar nicht in einen Topf zu werfen mit der Westernreitweise, die wir so landläufig kennen.

Jeff Sanders beschrieb das letztens so:
Während die Cowboys schnell ein Pferd brauchten, weil sie ihre Arbeit erleichterten und auch die "Ausbildung" schnell gehen musste, hatten die kalifornischen Vaqueros Muße und keinen Arbeits- und Zeitdruck, haben ihre Pferde mit viel mehr Zeit und Köpfchen ausgebildet. Ihnen war beim Ausbilden, Reiten und im Leben der Stil sehr wichtig.

Ich habe bei seinem Seminar so viel Dressur gesehen, ganz locker ausgeführt, erst trocken auf dem Platz, danach (seeeeeehr tierfreundlich, alles im langsamen Schritt) an den Rindern im großen Roundpen angewandt: Renvers, Travers, Schulterherein etc.
Das war für mich eine echte Erleuchtung, und plötzlich ergaben die Dressurlektionen einen Sinn für mich. Falls es jemanden interessiert, hier ein Video:  https://www.youtube.com/watch?v=LjuOfVTnbiY
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Re: Klassische Reitweisen - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
« Antwort #14 am: 25. Juni 2015, 23:02:10 »
Interessant: Ein Spitzbärtchen wie der Herr Akademikus, ein Mann im Westernsattel, der aber trotzdem sitzen kann und dann noch eine Garrocha  :D Schön!

Ich schreib hier bloss rein, damit ich weiss, wenn was Neues geschrieben wurde, bin nicht so der Theoretiker  ;) Nehme seit langer Zeit klassisch-barocken Unterricht, und bin zufrieden damit. Aber vielleicht weniger wegen der Richtung, sondern weil meine Reitlehrerin so gut und gnadenlos ist und ich weil ich bei ihr lerne, ZU SPÜREN. Bin relativ talentfrei, und trotzdem macht mir Reiten erst Spass, wenn die Kommunikation zwischen dem Pferd und mir so fein geworden ist, dass es sich wie Gedanken lesen anfühlt.
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