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Hufbearbeitung

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Hufbearbeitung
« am: 19. März 2017, 07:26:28 »
Ich habe mal ein neues Thema eröffnet, weil der Hufschmiedbesuch ja doch in der Regel etwas anders abläuft als normales Hufe Auskratzen (dazu gibt es schon ein Thema habe ich gesehen). Falls das unerwünscht oder falsch ist, bitte ich um Entschuldigung :shy:


Nach dem gestrigen Hufschmiedtermin steht für mich ja fest, dass wir
1. Einen neuen Hufbearbeiter brauchen, und
2. Wir das Hufe Bearbeiten jetzt endlich auch über Clickertraining neu aufbauen

Dazu brauche ich zumindest im Groben einen Trainingsplan, und bin jetzt in einigen Punkten etwas unsicher.

Ich habe mir überlegt, dass ich generell die Hufbearbeitung über Modelling erarbeiten möchte. Weil es ja beim Termin später auch darum geht, dass "Frodur den Menschen etwas mit seinen Beinen/Hufen machen lässt" (hab ich in der Winterakademie gelernt  :dops: ) . Außerdem wäre es, denke ich, von Vorteil, wenn er nicht selber aktiv versucht, seinen Huf hochzuhalten, sondern lieber seinen Huf auf dem Bock / in der Hand des Menschen ruhen lässt. Sonst kommen wir nicht für ihn angenehm auf viel Dauer, denke ich, weil es sehr anstrengend sein dürfte, minutenlang einen Huf selber hoch zu halten.

Sind diese beiden Überlegungen korrekt?

Das zum einen, und zum anderen bin ich am Überlegen, was besser ist: Gezielt clicken und füttern - erst für das Bewegenlassen des Beines, dann für das Abstellenlassen des Hufes auf dem Bock bzw. das "Huf zwischen die Oberschenkel klemmen lassen", etc. pp., und später dann für Dauer? Oder lieber "Bein hoch und dauerfüttern"?
Da bin ich jetzt echt untentschlossen. Auf der Medical Training DVD von Viviane Theby und Nina Steigerwald haben die es ja per Click + Futter gemacht. Das hat ja bestimmt einen Grund?


Vorteil Click: Frodur lernt aktiv, auf den Click zu warten bevor der Huf wieder runter geht. "Bessere Außenwirkung" auf skeptische Hufschmiede, weil weniger Futter im Spiel. (Traurig dass man sowas sagen muss  :( )
Nachteil Click: Dieser Weg dauert vielleicht länger?

Vorteil Dauerfüttern: Dürfte schneller gehen, Dauer aufzubauen, sobald er einmal gemerkt hat "Huf unten = kein Futter"
Nachteil Dauerfüttern: Dürfte beinahe unmöglich sein, das Futter protestlos langsam auszuschleichen und außerdem wird er bei Dauerfütterung manchmal sehr über-aufgeregt, was nicht gut zu dem Wunsch "ruhig und entspannt stillstehen" passt.


Mein grober Plan würde wie folgt aussehen:

- Ich darf sein Bein ein bisschen bewegen - C+B
- Ich darf sein Bein ein bisschen bewegen und er hält es dabei locker - C+B
- Ich darf sein Bein ein bisschen mehr bewegen - C+B
- Ich darf sein Bein ein bisschen mehr bewegen und er hält es dabei locker - C+B

Und dann, je nachdem welchen Teil man gerade trainiert, das Zielverhalten, beispielsweise:
- Ich darf seinen Huf auf den Bock stellen - C+B
- Ich darf seinen Huf auf den Bock stellen und 1, 2, 3, ... Sekunden stehen lassen - C+B
- Ich darf seinen Huf auf den Bock stellen und mache einen Strich mit der Feile - C+B
- ... mache 2, 3, 4, 15 Striche mit der Feile - C+B

Oder auch:
- Ich darf mir seinen Huf zwischen die Beine klemmen - C+B
- ... und das Bein bleibt dabei locker - C+B
- ... auf Dauer - C+B
- ... und mache einen Strich mit der Feile - C+B
- ... 2, 3, 4, 15 Striche mit der Feile - C+B

Oder eben alternativ:
- All das und so lange der Huf oben ist gibt es Dauerfutter, geht der Huf runter gibt es nichts

Oder vielleicht irgendwie beides kombinieren?  ???


Zange kann ich leider schlecht simulieren da ich keine habe und da auch nichts kaputt machen will, aber vielleicht das Biegen des ganzen Hufes, was dabei ja immer passiert. Ausschneiden könnte ich zB mit dem Hufkratzer simulieren. Feilen habe ich. Als Hufbock könnte ich vllt. einen Wagenheber nehmen, oder einen Sonnenschirmständer. Oder einen Hufbock kaufen.


Was denkt ihr? Hab ich irgendwo einen Denkfehler? Und hat schon jemand seinem Pferd die Hufbearbeitung per Clicker beigebracht und mag darüber berichten?
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #1 am: 19. März 2017, 08:49:30 »
Ich hab die Variante Modelling mit Clicker gewählt aus genau den Überlegungen, die du auch angestellt hast, also z. B. möchte ich nicht, dass Hylling den Huf selbständig auf den Hufbock stellt, sondern ihn platzieren lässt.
Ich mache die Hufe fast immer selbst, da hab ich halt währenddessen die Dauer aufgebaut. Außerdem ist Dauerfüttern nicht so einfach, wenn man allein ist
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #2 am: 19. März 2017, 10:23:08 »
Wenn ich alleine bin mit Chance arbeite ich mit Click & Futter, bei der Hufbearbeitung gibt es Futter ohne Click weil ich erstens nicht genau weiß was an dem Huf gerade passiert, und zweitens so das gesamte Drumherum klassisch konditioniert wird (Bearbeiter macht irgendetwas am Bein / Huf = Futter). Zusätzlich hat sie vor langer Zeit schon gelernt, das Bein auf Signal zu entlasten (ein wenig anzuheben), das kombiniert sie bei der Hufbearbeitung selbst, dass sie nach dem Absetzen den Huf leicht hebt als Zeichen wenn es weiter gehen kann. Und unsere Hufbearbeiterin nimmt das Bein auch nur dann hoch. Das sitzt inzwischen so tief, dass sogar Fremde, die sonst nicht an sie heran dürfen, quasi als Friedensangabot einen Vorderhuf hoch nehmen dürfen.

Ansonsten ist mir hier noch ganz wichtig, dass das Pferd das Prinzip "der Click beendet NICHT die Übung" kennt, weil man sich recht unbeliebt macht, wenn das Pferd nach jedem Click den Huf auf den Boden rammt. Wenn ich alleine trainiere mache ich nach einem Click auch gern noch 1-2 Raspelstriche und setze den Huf dann erst zum Füttern ab.
LG Tine
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #3 am: 19. März 2017, 10:25:21 »
Ich würde es auch mit Click aufbauen. Modelling find ich da auch die sinnvollere Herangehensweise, weil es weniger versehentliches Hufgefuchtel produzieren kann und vermutlich für das Pferd einfacher da weniger anstrengend ist.
Wenn du die Hufe nicht selbst bearbeitest und das Problem beinhaltet, dass er dem Schmied die Beine wegzieht, könnte es sich anbieten, ihm eine andere Möglichkeit zu geben, dir mitzuteilen, dass er nicht mehr kann. (Da muss dann auch der Schmied gar nicht wissen, dass das vom Pferd ausgeht, du bittest halt um eine kurze Pause :cheese:)
Aufbauen kann man das zum Beispiel über ein Nasentarget, dass er berührt, als Signal, dass du jetzt an seine Hufe darfst. Nimmt er die Nase weg, hörst du auf.
Das dann halt ganz normal weiter ausbauen bezüglich der Kriterien Dauer, andere Menschen, Position des Hufes, komische Dinge mit dem Huf tun,...

Ich war diesem Konzept gegenüber erst total skeptisch eingestellt, weil zu kompliziert und überhaupt.
Aber in letzter Zeit habe ich sehen können, wie wahnsinnig schnelle Ergebnisse das bringt (auch in Situationen, wo schon gezielte Aggression im Spiel war), seither bin ich ein richtig großer Fan davon.
Wahrscheinlich ist diese Vorgehensweise nicht unbedingt notwendig, aber ich finde sie in der Konstellation "irgendeine Behandlung durch fremde Menschen" eigentlich am einfachsten.

Bis du das Verhalten aber so fertig trainiert hast, dass du den Click hinauszögern kannst, bis der Schmied fertig ist, würde ich die echten Bearbeitungstermine mit Dauerfüttern managen.
LG
Susanne
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #4 am: 19. März 2017, 10:32:07 »
Hier auf dem Video sieht man nochmal das mit dem angebotenen Bein, und die Dauerfütterung simuliere ich mehr oder weniger durch den Hafer in der Futterkrippe: https://youtu.be/vByLgmPq9dc

Kooperatinssignale sind mächtige Trainingshilfen :nick: Bei uns ist es ganz blöd das Bein weg ziehen, das ginge natürlich noch eleganter, aber unsere Bearbeiterin kennt die Krümeline ja noch aus Zeiten wo wir über eine Stunde für einen einzelnen Huf gebraucht haben und nimmt das locker.
LG Tine
Krümeline & Mucki

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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #5 am: 19. März 2017, 13:33:52 »
ich arbeite ohne markersignal, weil ich keinen exakten moment rausarbeiten möchte und auch nicht möchte, dass das pferd darüber nachgrübelt, was es in der millisekunde gemacht hat, als der marker kam. ich füttere eher beiläufig während der bearbeitung (geht sowohl vorne als auch hinten ohne helfer, wenn man einigermaßen gelenkig ist) bzw. nachdem ich den huf abgestellt habe.

ich bin vor etwas über 15 jahren durch meine stute zum ct und zur hufbearbeitung gekommen, weil die sich bereits bei der aku nicht an den beinen anfassen ließ und bearbeiten nur mittels sedierung möglich war. mithilfe des ct und dadurch, dass ich selbst viel in eigenleistung gemacht bzw. die hufe eh mehr oder weniger alleine gemacht habe/mache, klappte das mit dem training echt gut. heute braucht man sie nichtmal mehr anbinden.

kooperationssignal ist ein guter tipp und ansonsten einfach gut auf mimik/körpersprache achten.

« Letzte Änderung: 19. März 2017, 13:35:23 von cinnamon »
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #6 am: 19. März 2017, 16:47:03 »
Die Stute von A. habe ich die letzten Male immer ohne Markersignal gefüttert, das kennt sie auch gar nicht. Sie hat starke Probleme hinten auf einem Bein zu stehen und der Schmied ist so mittelmäßig verständnisvoll. Anfangs war es wohl sehr katastrophal, sodass der Schmied bei dem einen Hinterbein teilweise das halbe Pferd auf dem Arm hatte. Als ich dann dazu kam, habe ich immer gefüttert, solange sie nicht weggezogen hat. Jetzt ist es schon viel besser und ich füttere nun immer, wenn sie die Muskulatur an der Hüfte entspannt lässt. Beim letzten Besuch hat sie nur einmal weggezogen.
Bei Thea füttere und markere ich, je nachdem. Wenn sie gerade angezogen hat und dann wieder entspannt, markere ich. Wenn sie lieb still hält, füttere ich einfach so.
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #7 am: 19. März 2017, 18:38:47 »
Ich mache beides: schön füttern und Markersignal.

Markersignal nutze ich für "Huf auf Bock" und zwar in der Form vom "fest clickern" = ich clicke im fast Sekundentakt.

Auch gebe ich unterschiedlich wertige Belohnung: normale Heucobs für's Ausschneiden und KraFu für die Bocksequenzen oder wenn es an "Problembeine" geht.

Clicke auch z.B. Bein entspannen (Hinterbeine verspannt) - da könnte man auch gut mit den alten Tellington-Übungen spielen.

Bei Laudine, die die meiste Routine hat, habe ich beim letzten Ausschneiden (nach 1,5 Jahren schön füttern, wäre vermutlich auch schon früher gegangen) damit angefangen, die Fütterungs- bzw. Clickabstände zu verlängern, aber dabei zu zählen, damit sie ein Gefühl dafür bekommt, dass jetzt Dauer gewünscht ist:

Huf auf Bock: "eins" - CT, "eins, zwei" - CT, usw.

Beim letzten Ausschneiden, ich habe eine Hufpflegerin, die das experimentieren mit Clicker zulässt - haben wir ausserdem mit einem Bock mit Hufauflage gearbeitet, was ALLE Ponies sehr mochten.
Sabine
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4 Highlandponies, 5 Zughunde und 10 Packziegen auf Tour

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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #8 am: 19. März 2017, 18:57:33 »
Vielen lieben Dank für die zahlreichen interessanten und sehr hilfreichen Beiträge von euch :hug:

Leider habe ich nur die ersten paar vor dem Stall und unserem ersten Training heute lesen können - aber das meiste haben wir tatsächlich ziemlich ähnlich zu dem gemacht, wie ihr es beschrieben habt  :nick: Frodur hat sich richtig toll gemacht heute :hug:

Einiges von euren Tipps werde ich auf jeden Fall noch mit umsetzen.
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Re: Hufbearbeitung
« Antwort #9 am: 05. September 2018, 14:15:56 »
Wir clickern bei der Bearbeitung nicht alles. Meist steht eh ein Eimer Heu vor der Nase, was es einfacher macht.
Wenn es an einem Bein Probleme gibt und einer das Bein öfter wegzieht, wird das fest geclickert.
Das reicht dann aus, das der Rest der Bearbeitung im Vergleich nur noch wenige Clicks erfordert.
Wenn man die Hufe selber macht, ist es schon einfacher richtig zu clicken. Als wir noch nicht selber die Hufe gemacht haben, war es schwerer den richtigen Moment zu clicken. Dazu kommt dann noch das Missbillligen vom Hufe Clickern weniger toleranter Huflogopäden  :cheese: :cheese:
Seid fair zu ihnen, sie sind Eure besten Freunde
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