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Wie geht Ihr mit Rückschritten um?

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Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« am: 08. November 2015, 17:23:08 »
Hallo, ich hoffe es gibt dieses Thema noch nicht, ansonsten bitte einfach umsortieren!

Ich wusste ja, dass es irgendwann kommt, aber nun bin ich etwas ratlos.

Seit Wochen kommt Mogli problemlos von der Weide, von anfänglich ganz langsam ging es seit min. 4 Wochen mit einfachem rufen und Click, wenn er dann kam. Je nachdem, wie lange er schon auf der Koppel war, reichte es, am Koppeleingang seinen Namen einmal zu rufen, manchmal musste ich auch auf ihn zugehen und intensiver rufen. Manchmal kam er im Galopp, manchmal etwas zögerlich angetrottet, aber er kam immer.

Nun war am Donnerstag die Hufpflege da - hat alles prima geklappt, viele C+, hat ziemlich lange gedauert, aber alles gut und entspannt.

Am Freitag wollte er schon nicht kommen, da konnten wir ihn aber überlisten, weil wir zwecks Heufütterung alle Pferde dann herein geholt haben. Und am Putzplatz und Roundpen war dann alles gut.

Heute wollte er wieder nicht kommen, hat zwar ein paar Schritte auf mich zu gemacht, erfreut C+B genommen und ist dann wieder angedreht, das Ganze ca. 30 Min. lang. Hab es dann auch mit Überlisten versicht, es war aber nix zu machen.

Mein Ablauf sieht normalerweise so aus: ich gehe mit Halfter und Seil auf die Weide, rufe und wenn er kommt, dann gibt es zu Begrüssung C+B. Dann  biete ich ihm das Halfter, er schlüpft rein, C+B, dann geht er neben mir, ohne Seil bis aufs Paddock, C+Bs nach Bedarf. Manchmal nur 1x, bevor wir um die Ecke um den Stall biegen müssen, manchmal auch 2-3mal, wenn er noch nicht lange auf der Koppel war oder sonst etwas los ist. Dann steht er auf Kommando "steh" vor dem Ausgang, ich hake den Strick ein, Click, Eingang auf, immer mit "fein" lobend, und dann steht da sein Futter als B fürs letzte C. Ging super!

Das Seil nutze ich bewusst nicht auf der Koppel, es war ganz lange vergiftet, er hat sich ständig losgerissen, ist massiv dagegen gegangen und war richtig sauer.

Mittlerweile kann ich dann nur mit Seil am Halfter gut zum Roundpen laufen (ca. 20m), hin und zurück, Gras fressen ist kein Problem. Weiter habe ich das Laufen am Strick aber noch nicht so bearbeiten können.

Nun wollte er heute wie gesagt nicht von der Weide kommen, ich habe versucht, ihn doch mit Strick zu überzeugen, aber, es war nix zu machen. Da ich die "Ringkämpfe" am Strick konsequent vermeiden will, habe ich ihn dann letztendlich wieder abgemacht und es gelassen. Er ist immer nur 2-3Schritte mit, um dann wieder umzudrehen. Obwohl ich versuchte habe, das Mitkommen kleinteilig zu clickern. Bin dann auch am Strick mit in seine Richtung. War aber vollkommen sinnfrei er hat es sich nicht anders überlegt.

Was mache ich jetzt????

Erst mal will ich ihn wieder stressfrei von der Weide bekommen und dann scheint es mir an der Zeit zu sein, das Mitgehen am Strick postiv aufzuladen.

Woher kommt so ein Schritt zurück? Und was würdet Ihr machen?

Bei aller Verunsicherung will ich mich nicht in eine Negativspirale reinmanövrieren, daher habe ich einfach die Frage an die Erfahrenen unter Euch: Tipps also herzlichst willkommen.

Leicht frustrierte Grüsse von Ursl und Mogli


« Letzte Änderung: 08. November 2015, 17:26:32 von Baghira »
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #1 am: 08. November 2015, 17:45:00 »
Kann es sein, dass ihm nach der Hufbearbeitung das Laufen einfach unangenehm ist?
LG Tine
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #2 am: 08. November 2015, 19:40:29 »
Wenn mein älterer Herr von der Weide kommt, dann braucht er seinen Mittagsschlaf. Da ist dann auch nichts zu machen, da will er auf keinen Fall mitkommen und er will auch auf keinen Fall irgendwas clickern, er will schlafen und sonst nichts, so lecker die Kekse auch sind, auch keine Lieblingsübungen oder sowas.
Wenn er dann eine halbe Stunde schlafen durfte ist alles wieder okay. Ich time es auch immer so, dass ich nicht zur Weidezeit komme, da ich genau weiß, dass Weide für ihn über alles geht und er dann sowieso sich nicht runter holen lassen will.
Klar, es ist nicht immer möglich, aber wie siehts denn aus, kommt er lieber mit wenn es nicht grad die Weide ist, oder kannst du deine Besuche so timen, dass er vielleicht lieber mitkommen mag? :juck:
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #3 am: 08. November 2015, 20:01:54 »
Ich würde es nicht als Rückschritt werten, sondern eher vielleicht als Mangel an Konzept bei dir. Ich finde es völlig normal, dass Pferde manchmal Lust haben, von der Weide zu kommen und manchmal halt nicht. Wenn es immer funktionieren soll, musst du schon sehr intensiv trainieren. Meiner kommt manchmal im Galopp angeprescht, manchmal will er gar nicht kommen. Ich mache meine Vorgehensweise vor allem davon abhängig, ob es jetzt sein muss oder nicht, ob ich Zeit habe oder nicht. Wenn ich viel Zeit habe, stelle ich mich in seine Nähe und clicke alles, was dazu führen könnte, dass er freiwillig mit mir geht: Kopfheben, Blickkontakt, Schritte in meine Richtung. Ich biete Handtarget an und freu mich, wenn er mag. Wenn nicht, warte ich wieder. Wenn ich keine Zeit oder Lust auf habe, mach ich einfach das Halfter drauf und führe ihn rein. Ohne Futter und ohne Click. Im Stall gibt's dann Heu. Für uns funktioniert das gut so und wir haben kein Problem damit, keine Full time-Clickerer zu sein...
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #4 am: 08. November 2015, 20:39:08 »
War das derselbe Hufpfleger wie immer? Warum dauert es so lange, gibt es Probleme, die drauf hindeuten dass es evlt negativ belegt ist?

Ich würde das schon mit der Hufbearbeitungssituation in Verbindung bringen.
"Überlisten" würde ich versuchen zu vermeiden, sie sind ja nicht doof.  ;)  Evtl ein paar Tage nur auf der Weide bei ihm bleiben und nette Dinge clickern, nichts "wollen".
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #5 am: 08. November 2015, 21:02:04 »
Und noch mal zum Thema "Rückschritte" - Training mit Tieren ist nie "perfekt", es gibt immer Einflüsse und Kriterien die ein auch sauber trainiertes Verhalten komplett zusammenbrechen lassen können, selbst wenn es jahrelang gut geklappt hat.
Tiere sind keine Maschinen und auch wenn manche Leute meinen, mit Clickertraining bekäme man nun willenlos abgerichtete Roboter, ist es gerade ein Kennzeichen von positivem Training, dass es auf Motivation und nicht auf Zwang beruht. Die Tiere können sich jederzeit entscheiden etwas anderes zu tun.

Alexandra Kurland hat dazu mal eine schöne Geschichte erzählt:
Ein Delfintrainer, der schon jahrelang mit den Tieren arbeitete, kam eines Morgens zum Becken. Er gab das Signal für "Komm her", die Delfine eilten herbei - drehten sich um und schwammen ans Ende vom Becken. Er gab das Signal erneut, selbes Ergebnisse. Sie kamen freudig herbei, warfen einen Blick auf ihn und schwammen so schnell es geht davon.
Er bat einen anderen Trainer, das Signal auszuführen. Die Delfine kamen heran, machten ihre Übung und bekamen Fisch.
Er gab das Signal - No way.

Es stellte sich heraus, dass er an diesem Tag neue Schuhe an hatte. Seine alten Schuhe hatten helle Sohlen. Die neuen dunkle Sohlen.
Er zog die alten Schuhe wieder an, gab das Signal - die Tiere kamen freudig heran, machten ihre Übung und bekamen ihren Fisch.
--------------------

Ich finde das ist ein exzellentes Beispiel dafür, das Training ein sich ständig verändernde Prozess ist - und dass wir es nicht persönlich nehmen dürfen wenn etwas nicht klappt oder etwas auf einmal nicht mehr geht.
Wir können nur zurück an den Punkt gehen an dem wir etwas bekommen und dann von diesem Punkt aus wieder starten.
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #6 am: 09. November 2015, 00:15:03 »
Also: erst mal lieben Dank für sie schnellen Antworten!

Ich versuche mal, die Fragen zu beantworten:

@Barbaris: da es leider mit "ohne C+B einfach in den Stall führen" ohne Stress nicht klappt und ich auf keinen Fall wieder anfangen werde, mit Mogli am Strick zu kämpfen, fällt die von Dir vorgeschlagene Variante aus. Die Pferde sind aktuell noch viel auf der Weide, ab mittags, wenn der Tau abgetrocknet ist bis ca. 18:00 h. Am WE bin ich froh, dass ich mittags zu ihm kann und ein paar Stunden Tageslicht vor mir habe und unter der Woche arbeite ich bis 16:30 h, dann bleibt noch etwa 1Std. Tageslicht, um mich um ihn zu kümmern - was ich täglich versuche.

@Osirii: mein Herr ist viereinhalb und kommt sonst auch von der Weide. Natürlich döst er zwischendurch mal, aber ich glaub, daran liegt es eher nicht.

@Noothe: Fühlig könnte natürlich sein ... es hat übrigens so lange gedauert, weil die letzte Hufbearbeitung in unsere absolute Tiefpunktzeit gefallen ist und es oberblöd war. Seither sind ca. 10 Wochen vergangen, ich war im Urlaub und habe danach mit dem Clickertraining begonnen und bin seither superbegeistert davon - und Mogli auch.

Da der letzte Huftermin so doof war, haben wir uns diesmal sehr viel Zeit genommen und jede dumme Situation vermeiden wollen. Es hat also gedauert, aber die Stimmung war gut, Mogli war ganz lieb und kooperativ und ziemlich entspannt. Aber irgendwann wirds dann langweilig, was ich bei meinem "Halbstarken" auch normal finde. Wir hatten aber einen positiven Abschluss, er kennt die Hufpflegerin und sie ist nett. Also keine offensichtlichen Themen, die Stress machen könnten.

Ich bin einfach nur erschrocken und frage mich, was ich wohl auf einmal falsch mache. Andererseits ist mir klar, dass es nicht immer klappen kann, dass die Pferde auch mal einen "heute nicht"- Tag haben. Mir geht es mehr darum, mich nicht von diesem - eigentlich ja kleinen - Misserfolg so runterziehen zu lassen, dass ich das Vertrauen verliere.

Ist also schon mal gut zu hören, dass Ihr auch nicht immer Eure Pferde von der Weide bekommt. Haltet Ihr es für einen machbaren Weg, es für so einen Tag einfach zu akzeptieren? Ich höre dann immer wieder: das kannst Du so nicht stehen lassen. Warum eigentlich nicht?

Und wie motiviert Ihr Euch, wenns nicht klappt? Es ist schon ein bisschen blöd, wenn ich das Pferd vor der Reitstunde nicht von der Weide bekomme - und teuer obendrein :-\.

Vom Paddock kann ich ihn ohne Probleme holen, selbst, wenn frisch Heu aufgelegt ist.

@Muriel: danke für die guten Worte - ich versuche morgen tatsächlich mal, nur "dasein und es gut miteinander haben" zu clickern, ohne bestimmte Zielsetzung.

Liebe Grüsse, Ursl und Mogli
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #7 am: 09. November 2015, 06:29:08 »
Ist also schon mal gut zu hören, dass Ihr auch nicht immer Eure Pferde von der Weide bekommt. Haltet Ihr es für einen machbaren Weg, es für so einen Tag einfach zu akzeptieren? Ich höre dann immer wieder: das kannst Du so nicht stehen lassen. Warum eigentlich nicht?

Und wie motiviert Ihr Euch, wenns nicht klappt? Es ist schon ein bisschen blöd, wenn ich das Pferd vor der Reitstunde nicht von der Weide bekomme - und teuer obendrein :-\.

natürlich passiert das. Entweder akzeptiere ich das - das ist schwierig für alle beteiligten Menschen, denn der Erfolgsdruck auf den Menschen, seinen "Partner" Pferd (welchen - menschlichen - Partner würde man, wenn dieser signalisiert: "heute geht das absolut nicht" dann mit Tricks oder sogar Gewaltandrohung/-anwendung zur Durchführung zwingen?) in jedem Moment unter KOntrolle zu haben, ist sehr hoch - oder ich fange an, wieder zu zwingen, zu ignorieren, dass das Pferd eine Stimme hat.

Meine Stuten sind letzte Woche zuverlässig jeden Tag zum Koppeleingang gekommen, um sich ihr Mineralfutter abzuholen. Ich renoviere gerade und habe wenig Zeit für sie, daher nur Basisversorgung. Samstag und Sonntag standen sie am hintersten Ende der Koppel und schauten auf Ruf nur hoch, um dann wieder die Köpfe runter zu nehmen. An den anderen Tagen kamen sie, teilweise sogar im Galopp.

OK, sie möchten nicht, ich wollte auch nicht die ganzen 2 ha laufen, um ihnen ihr Mineralfutter zu bringen. Also bin ich wieder heimgefahren. Was war der Auslöser? Keine Ahnung. Vielleicht der Temperaturanstieg, der Regen oder meine veränderte Energie, denn am Samstag war ich nach diversen Entwicklungen rund um das Haus absolut ausgepowert.

Meine älteste Stute will oft nicht von der Weide (und friert auch im Gelände oft fest), das ist enorm frustrierend und zwingt mich seit Jahren (und seit Clickertraining noch mehr) zum nachdenken und auf sie eingehen. Die andere lässt sich oft nicht aufhalftern, folgt dann aber willig. Da geht es nicht um falsch machen, sondern wirklich darum, dass, wenn man Pferden eine Meinung, eine Stimme und eine Wahlmöglichkeit aufzeigt und zugesteht, man dann eben auch in unbequemen Momenten ein "Nein" bekommen kann.

Wenn für Dich aktuell ein Druckpunkt ist, dass Du Reitstunden wahrnehmen willst/musst und dann Dein Pferd unbegingt von der Wiese muss, ist eine Lösung, aktuell keine Stunden zu vereinbaren. Oder mit der Reitlehrerin abzusprechen, dass der Reitunterricht auf der Koppel bzw. auf dem Weg von Koppel zum Stall stattfindet (hier sind kreative Ideen von ihr gefragt).
Sabine
-----------------------------------------------------------------------
4 Highlandponies, 5 Zughunde und 10 Packziegen auf Tour

„A horse can't do "nothing", so it makes sense to choose the "something" he's be doing when he's around me.“ (Alexandra Kurland)
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #8 am: 09. November 2015, 07:06:26 »
Wieso kann es daran nicht liegen? Das sind sechs Stunden vllt, die er auf der Weide steht, der Tag hat 24, das Gras ist nicht mehr so saftig, da kann ich schon verstehen, dass man da vllt nicht unbedingt runter will. :juck:
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #9 am: 09. November 2015, 08:20:10 »
Zitat
@Noothe: Fühlig könnte natürlich sein ... es hat übrigens so lange gedauert, weil die letzte Hufbearbeitung in unsere absolute Tiefpunktzeit gefallen ist und es oberblöd war. Seither sind ca. 10 Wochen vergangen, ich war im Urlaub und habe danach mit dem Clickertraining begonnen und bin seither superbegeistert davon - und Mogli auch.

Da der letzte Huftermin so doof war, haben wir uns diesmal sehr viel Zeit genommen und jede dumme Situation vermeiden wollen. Es hat also gedauert, aber die Stimmung war gut, Mogli war ganz lieb und kooperativ und ziemlich entspannt. Aber irgendwann wirds dann langweilig, was ich bei meinem "Halbstarken" auch normal finde. Wir hatten aber einen positiven Abschluss, er kennt die Hufpflegerin und sie ist nett. Also keine offensichtlichen Themen, die Stress machen könnten.

Da kommt für mich schon einiges zusammen. Auch wenn viele Leute behaupten, dass Tiere nur im Hier und Jetzt leben, bedeutet es ja nicht dass sie sich nicht erinnern können.
Ihr habt neu mit dem Clickertraining angefangen, und dann war erst mal alles super und es gab Spaßprogramm und viel schöne Erlebnisse und Erfolge. Und dann holst Du ihn und es gibt wieder eine Hufbearbeitung. Selbst wenn diese jetzt "nett" und ruhig war, wird trotzdem immer das schlechte Erleben mitschwingen und auch eine gute Situation erst mal wieder "vergiften". Noch dazu hat es länger gedauert als er sich konzentrieren konnte ("langweilig").
Wie soll er nun wissen, was als nächstes kommt, wenn Du ihn holen gehst?

Das mag sehr abgehoben klingen, aber ich habe in den letzten Jahren selbst genug an vergifteten und lange anhängenden Situationen herumtrainiert und auch selbst erlebt, wie schnell selbst positiv besetzte Dinge einen komischen Nachhall bekommen können, wenn sie mit negativen Emotionen verbunden werden.

Ich würde ihm erklären (in Worten) was Du vorhast wenn Du ihn von der Weide holst. Sie können unsere Absichten verstehen und unsere innere Bilder lesen. Und ich würde aktuell evtl keine Reitstunde vereinbaren damit Du Dich nicht unter Stress setzen musst, ihn unbedingt von der Weide zu holen. Man kann auch nette Sachen auf der Weide üben, zb mit Pylonenkreis (Laufen, an Pylonen anhalten, Volten um Pylonen gehen etc).

Das schwierigste ist wirklich sich von dem üblichen "das Pferd muss doch gehorchen wenn ich etwas will" freizumachen. Ich schaffe das auch nicht immer und bewundere alle, die das können. Aber wenn man es schafft, dann weiss man dass man wirklich etwas geschafft hat, das wichtiger und wertvoller ist als eine Reitstunde.
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #10 am: 09. November 2015, 09:50:57 »
Also für meine Schwarzwälderin gibt es nichts Besseres und Schöneres als Weide. Das ist ihr Paradies, dagegen komme ich auch mit dem tollsten Futterlob nicht an. Das war bei 24 h Weide so und ist es jetzt bei begrenztem Weidegang umso mehr.

Ich habe mich ehrlich gesagt damit arrangiert. Sie ist ohnehin nur tagsüber draußen und diese Zeit lasse ich ihr. Selbst am Wochenende und anderen freien Tagen. Diese Zeit soll sie genießen können, das ist IHRE Zeit.

Termine wie Hufbearbeitung, Unterricht, planbare Tierarzttermine etc. finden daher immer in der Zeit drumherum statt. Früh morgens, oder eben dann abends. Auch unsere gemeinsamen Aktivitäten wie Spazieren, Reiten etc. finden in dieser Zeit drumherum statt. Das verstehen nicht viele, aber es macht es einfacher und mein Pferdchen ist glücklich und zufrieden. Die Termine sind viel weniger stressig, weil es für meine Stute definitiv einen Unterschied macht, ob ich sie von der Koppel oder aus dem Stall hole.

Dieses Vorgehen hat zur Folge, dass sie definitiv immer kommt, wenn ich sie mal auf der Weide besuche. Es ist dann ein Besuch und das weiß sie. Und dann nimmt sie es mir auch nicht krumm, wenn sie dann einmal im Vierteljahr doch von dort wegmuss, weil der TA keinen anderen Termin mehr hatte oder was auch immer.

Unser Verhältnis ist dadurch sehr viel besser geworden. Und der Umgang viel entspannter.

Natürlich muss ich mich da auch gegen komische Blicke wehren. Aber lasse es mich mal so sagen: Mein Stütchen gibt mir so unglaublich viel, dafür will ich ihr auch etwas zurückgeben und die Zeiten akzeptieren, die sie für sich und ihr Seelenglück braucht.

Ganz am Anfang war das übrigens mal kurz anders. Ich denke, dass es auch ein Stück weit der Zauber des Neuen war. Aber ganz schnell kam das "Weide ist toller" wieder durch. Obwohl ich außerhalb der Weide wirklich alles und jedes positiv verstärkt habe.

 

« Letzte Änderung: 09. November 2015, 10:17:37 von Samtnase »
“In the middle of difficulty lies opportunity”
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #11 am: 13. November 2015, 13:50:18 »
Hallo,

Hurra, alles wieder gut! Mein kleiner Wälder hat sich seit Montag wieder "eingekriegt" und kommt wie zuletzt ganz lieb und gutgelaunt gelaufen, wenn ich ihn rufe! GROSSE Erleichterung!!!!  :click: Euch allen lieben Dank für die Einschätzungen und die Unterstützung. Letzeres war total wichtig für mich, um nicht in so einen "oh-Gott-jetzt-klappt-das-auch-nicht"-Strudel zu geraten! Habe also auch was gelernt  :keks:

Am vergangenen Freitag war es wohl tatsächlich eine Nachwirkung der langen Hufbearbeitung und am Sonntag war er bei strahlendem Sonnenschein und Frühlingstemperaturen erst eine halbe Std. auf der Weide (was ich erst nach meinem Hilferuf erfahren habe). Da ist Gras und eine GANZE offene Koppel natürlich wichtiger - zumal es die Koppel ja sonst nur in "Häppchen" abgeteilt gibt.

Bin total glücklich und motiviert. Eine - im Endeffekt - ganz nette, aber auch gefährliche Geschichte, die sich danach ereignet hat: am Dienstag habe ich ihn zusammen mit meiner Reitlehrerin im Roundpen hin und her geschickt, was nach ein paar Überlegungsrunden toll geklappt hat. Zwei MÄdels mit Click + Lob sind einfach besser als eines! Mogli war total konzentrieret und bestens gelaunt. Dann kamen - oh Schreck - zwei laut schreiende, herumtobende, pferdefressende + äusserst gefährliche .... Kinder aus den Nachbarhaus gerannt und er war vollkommen erschrocken. Ergebnis: ab durch die Mitte (im wahrsten Sinne des Wortes) und schwupp: über den Zaun des Roundpen und der angrenzenden Weide. Wird gerade alles umgebaut und ist nicht optimal in Schuss.

Damit hatten wir Mädels den Riesenschreck. :o :o :o

Mogli ist 5 Minuten total wild und schnaubend  auf der Koppel herumgerannt. Wir haben die Bescherung angesehen, festgestellt, dass ein Zaunpfahl abgefault und daher gebrochen war und alles wieder einigermassen in Stand gesetzt. Bis dahin hatte er sich auch wieder bekrabbelt.

Danach: ließ mein kleiner Dickkopf sich problemlos rufen, halfern und wieder mitnehmen.

Allerdings hatte ich die riesige Angst, dass dieses Erlebnis einen totalen Rückschritt hervorrufe würde. Aber nein: seither ist er voll anhänglich, liess sich am nächsten Tag sogar wieder - mit etwas mehr C+B als sonst - in Roundpen führen und hat die böse Ecke auch angeguckt.

Und als ich seine Beine untersucht habe, war er total lieb, hat mir "sein Aua" (GOTTLOB: nur Fell weg) freiwillig gezeigt, beim Versorgen total interessiert zugeschaut + mir dabei in den Nacken gepuschelt. Hufe hoch: seither kein Problem mehr, deutlicher Vertrauenszuwachs!!!  :dops: Bin also trotz des Schocks im Endeffekt froh, dass mein Kerlchen ein Stück näher bei mir ist als zuvor.

Und da der Gute so ein begabtes Springpferdchen ist, müssen wir uns mal was zum Freispringen überlegen. Seine erste "Lehrerin" hat das manchmal auch mit ihm gemacht.Ich dachte, ich hätte ein Kaltblutpferd  :cheer:.

Also: Euch nochmals Danke! und liebe Grüße aus der Schwarzwaldtoskana. Ursl und Mogli

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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #12 am: 13. November 2015, 19:59:38 »
Wie schön  :cheer:
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #13 am: 13. November 2015, 21:25:59 »
Ganz toll!!  :cheerleader: :cheerleader:
Viele Grüße und bleibt gesund!

Sarah
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Re: Wie geht Ihr mit Rückschritten um?
« Antwort #14 am: 13. November 2015, 23:46:06 »
Super  :cheer:
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