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Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund

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Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« am: 21. Februar 2015, 18:39:54 »
Eine gute Freundin hat seit ca. 4 Monaten einen mittlerweile 8 Monate alten Mischling, welcher uns Kopfzerbrechen bereitet. Sowohl die Freundin als auch ich sind ausgebildete Trainer und wir haben schon mehrere Hunde ausgebildet (sowohl eigene als auch von Kunden). Trotzdem kommen wir bei Daisy nicht weiter.

Vorgeschichte:
Daisy stammt von einer etwas dubiosen Tierschützerin, die ca. 20 Hunde im Haus hielt ohne wirklich mit ihnen zu arbeiten. Daisy war dort neugierig, aber eher scheu.
Daisy kam mit 4 Monaten zu der Freundin, wo sie sich sehr ängstlich zeigte. Sie hat am Hundeplatz jede Woche mit Daisy gearbeitet, sie in unsere Kantine mitgenommen und jeder hat sie gefüttert. Seit ca. 5 Wochen nimmt sie von jedem Menschen Futter, lässt sich aber nur ungern streicheln.
Bei der Freundin wohnen noch drei weitere Hunde, mit denen Daisy gut auskommt und gerne spielt. Die Hunde sind alle relativ gut erzogen, einer ist als Turnierhund im Einsatz.

Rasse: Keine Ahnung, ich vermute dass da ein Ridgeback drinnen steckt.

Charakter: Schlau, lauffreudig, misstrauisch und ängstlich aber prinzipiell lieb. Kein Kuschelhund.

Problem: Daisy konzentriert sich irre schlecht, egal ob daheim oder am Hundeplatz. Sie nimmt Futter, arbeitet aber nicht gerne dafür. Spielzeug ignoriert sie weitgehend. Mit den anderen Hunden daheim spielt sie aber sehr wohl mit Spielzeug, nur mit uns nicht. Auch nicht daheim.
Sitz und Platz klappt jetzt so halbwegs. Fuß gehen geht fast gar nicht.
Daisy setzt sich nur ungern direkt neben den Menschen, bei mir macht sie es gar nicht, nur bei ihrer Besitzerin.
Wir haben alles ausprobiert, Reizangel, verschiedenes Futter, Futtertube, Quietschies, einfach alles. Daisy ist einfach nicht zu motivieren. Eigentlich sollte sie irgendwann auf Turnieren laufen, aber momentan sehe ich da nicht viele Chancen.
Der Hund kriegt vor dem Training kein Futter. Hungern lassen wollen wir ihn nicht da er sowieso recht dünn ist.

Fällt euch irgendetwas ein, was wir machen könnten? Ich habe schon vorgeschlagen, dass die Freundin den Hund mal ein paar Tage nicht mehr mit anderen Hunden spielen lassen sollte, vielleicht spielt er dann mit uns. Das wird in der Praxis aber schwierig bis unmöglich sein.
Habt ihr noch irgendwelche Ideen?
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Hab Spaß, Corina
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #1 am: 21. Februar 2015, 19:06:10 »
Hallo,
sagt Dir Turid Rugaas/Calming Signals etwas?
Wenn nicht wäre es sicher einen Versuch wert, grade dem Menschen gegenüber ängstliche und unsichere Hunde reagieren auf Beruhigungssignale oft überraschen gut bzw. profitieren sehr davon wenn der Mensch die Signale die vom Hund ausgehen erkennt und blühen auf.
http://verlag.animal-learn.de/index.php?page=shop.product_details&flypage=flypage.tpl&product_id=19&category_id=6&option=com_virtuemart&Itemid=59&vmcchk=1&Itemid=59
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #2 am: 21. Februar 2015, 19:25:07 »
Gesundheit ist abgecheckt? Für mich klingt das nach einem unsicheren gestressten Hund (wenn sie auch eher dünn ist, schlecht Futter nehmen kann). Wenn sie erst 4 Monate da ist und dann schon immer mit am Platz war, erst seit kurzer Zeit überhaupt Futter annehmen kann klingt das für mich nach Stress und mit Stress ist kein Lernen möglich. Ich habe auch eine Weile gebraucht um einzusehen, dass langweilig und gleiche Abläufe  für so einen Hund erstmal das beste sein kann.

Also wenn ich mit Loki nochmal von vorne anfangen würde, würde ich das folgendermaßen machen.

Ein bis maximal gleichbleibende Spaziergehrunden mit wenig Ablenkung, damit sie möglichst gut entspannen kann. Einfangen von erwünschtem Verhalten (Blickkontakt, Sitzen, stehen bleiben etc.) und wenig einfordern dessen. Leichte Aufgaben z.Bsp. Futtersuche mit sehr hochwertigen Futter draußen (nicht aus der Hand, da hat sie ewig kein Futter genommen), etwas Ballspielen (ohne Apporterwartung, dass kann Loki bis heute kaum), wenn der Hund das mag. Einfach den Hund schnüffeln lassen und selbst Kontakt aufnehmen lassen, ohne Erwartungen und das dann einfangen.  Möglichst ritualisierte Abläufe,auf die sie sich verlassen kann und die sich jeden Tag wiederholen. Bei mir gehören da mittlerweile sogar mehr oder weniger feste Futterzeiten dazu. Hundeplatz wäre eh nicht möglich gewesen, aber das ist schon anspruchsvoll für einen unsicheren Hund.

Loki hat ihren großen Durchbruch, seitdem a)die Gesundheit passt und b) wir radikal Stress reduziert haben (wir fahren IMMER raus, gehen nicht durch die Stadt, haben 3 oder 4 gleiche Spaziergehrunden mit wenig Anforderungen, mittlerweile alle ein bis zwei Wochen eine Trainingsrunde (Auslösertraining, Trailen, Dummytraining). Loki hat sich das erste Jahr so gut wie gar nicht konzentrieren können, dann immer besser.

Ich würde vermuten (ich kenne den Hund ja nicht), dass sie nicht mit euch interagiert, nicht weil sie nicht zu motivieren ist, sondern weil sie gestresst/unsicher ist. Loki frisst erst richtig gerne, seitdem das Bauchweh durch die ganzen Allergien usw. weg ist....von wegen mäkelig und so, was ich lange dachte.

Soweit meine kurzen Gedanken und Ideen dazu. Ob das jetzt für den Hund zutrifft keine Ahnung, ich kann ja immer nur das geschilderte interpretieren. Stimmen muss das nicht  ;)
LG von Frieda, Luki, Nuka, Dorado, Somnum und Baccara

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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #3 am: 21. Februar 2015, 19:48:20 »
Zur Gesundheit kann ich wenig sagen. Eine unserer Freundinnen ist Tierarzt und sieht den Hund jede Woche am Hundeplatz, die hätte definitiv Alarm geschlagen wenn der Hund sichtbar krank wäre. Das Fell sieht gut aus. Ausschließen kann ich aber nichts.

Vielleicht kann ich mal ein Video vom Training machen und reinstellen, das muss ich aber mit der Besitzerin besprechen.

Das mit dem Stress leite ich mal der Besitzerin weiter, ich bin gespannt was sie dazu meint.

Das Buch von Turid Rugaas kenne ich, vielleicht sollte ich es aber nochmal lesen!


edit:
Lucy frisst ja auch erst richtig gut seit ich mehr daheim bin, ihre Bauchspeicheldrüsengeschichte erledigt ist usw.
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #4 am: 22. Februar 2015, 18:38:15 »
Ein Problem ist, dass die Hündin durch die mangelnde Sozialisierung irgendwie keine Bindung zu Menschen aufbaut. Und ich weiß nicht so recht wie man das ändert.
Auf fremde Situationen oder Menschen reagiert Daisy immer gestresst. Das wundert mich nicht da sie ja in den ersten vier Monaten quasi nur unter Hunden gelebt hat. Es war zwar diese Tierschützerin da, aber die hat sich ja auch fast gar nicht um die Hunde gekümmert. Die hat sie wohl nur gefüttert. Das ganze Haus muss voller Kot gewesen sein, also sie war auch nicht Gassi mit den Wuffis.

Ich weiß schon, dass man eine mangelnde Sozialisierung nicht mehr aufholfen kann. Aber man muss doch wenigstens ein bisschen was machen können.

Die Besitzerin hat überlegt, ob es vielleicht besser wär, wenn sie alleine mit Daisy Gassi gehen würde. Normal geht immer ihre Turnierhündin mit, dann orientiert sich Daisy halt nur an der anderen Hündin. Irgendwie muss man sie dazu bringen, mehr auf Menschen zu achten.

Wegen dem Bauchweh, das lässt die Besitzerin demnächst im Zuge der Kastration untersuchen.
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #5 am: 22. Februar 2015, 19:16:02 »
Ich möchte mich Frieda bei jedem einzelnen Wort anschließen!
Auch für mich klingt das nach deiner Beschreibung nach Streß. Der Hund ist doch noch so jung und hat unglaublich viel nachzuholen - da sind so Unterordnungsgeschichten doch erst einmal unwichtig, oder? Laßt sie doch erst einmal ankommen im neuen Zuhause und neuen Leben.
Ob Spaziergänge mit ihr alleine nützlich sind, ist auf die Distanz schwer zu sagen. Ich gehe mal davon aus, daß die Turnierhündin sich an ihrer Besitzerin orientiert? Dann wird Daisy sich das evtl abgucken. Einzelspaziergänge  dürften nochmals mehr Streß bedeuten, oder? Kann helfen, kann aber auch schaden.

Von so Sachen wie hungern lassen oder Spielentzug halte ich persönlich gar nichts. Rein gefühlsmäßig würde ich sagen: Druck rausnehmen, Zeit lassen, den Hund selbst Kontakt aufnehmen lassen und das dann per Klicker einfangen.

Ein Video wäre auf jeden Fall sehr spannend und hilfreich!

Beste Grüße,
Dörte.
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #6 am: 22. Februar 2015, 20:06:36 »
und wenn da tatsächlich ein Ridgeback drinsteckt, ist extrem schlechte Konzentrationsfähigkeit in den ersten 2 Jahren rassetypisch. Gleiches gilt für eher zurückhaltendes Benehmen gegenüber Menschen.

Ridgebacks lieben ihre Menschen, aber Kadavergehorsam werden sie nie zeigen, sondern immer das Warum hinter einem Kommando wissen wollen.

Sabine
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #7 am: 23. Februar 2015, 12:06:50 »
Viele Grüße
Caroline
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #8 am: 23. Februar 2015, 12:07:44 »
Danke für die Buchempfehlung, die ist auch für mich als Trainerin sehr interessant!
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #9 am: 23. Februar 2015, 12:16:39 »
Wegen dem Bauchweh, das lässt die Besitzerin demnächst im Zuge der Kastration untersuchen.

ganz überlesen.

Bitte, bitte, bitte eine so ängstliche Hündin NICHT kastrieren lassen. Die Ängstlichkeit wird sich dadurch enorm verschlechtern!
Sabine
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #10 am: 23. Februar 2015, 12:37:57 »
Also das habe ich auch noch nicht gehört! Meine Lucy war auch immer ängstlich und das hat sich durch die Kastration nicht geändert!
Ich glaube fast in dem Punkt hat die Besitzerin ohnehin nicht besonders viel Auswahl. Daisy war in den letzten Wochen das erste mal läufig und hat ständig versucht über den Zaun zu hüpfen und es auch geschafft. Dazu kommt dass im Dorf ein unkastrierter Rüde mit absolut unfähigen Besitzern wohnt und der saß wohl in den letzten Wochen häufig vor dem Garten.
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #11 am: 23. Februar 2015, 13:52:35 »
Da würde ich die Gefahr des ungewollten Nachwuchses auch nicht eingehen wollen. Ich habe bei unseren ängstlichen Tierheimhunden auch gezögert mit der Kastration. Aber bei Pepe und Smartie hat es zum Glück keine negativen Auswirkungen, sie haben seit dem große Fortschritte gemacht.
Viele Grüße
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #12 am: 23. Februar 2015, 14:04:01 »
Naja, man kann leider nie so richtig vorhersagen, wie sich eine Kastration auswirken wird. Bei einem erwachsenen, ausgereiften Hund wird u.U. nicht viel Veränderung geschehen, bei einem Heranwachsenden durchaus. Viele werden ruhiger, weil die Hormonschwankungen wegfallen, viele mit leichter Aggressionsproblematik werden dann richtig heftig, da die "besänftigenden" Östrogene wegfallen; manche Ängstliche wird stabil, manche verschlimmert sich... Schwierige Sache das.
Ich habe im vergangenen Jahr lange mit mir gehadert, ob ich eine Kastration für meine Tippa wagen soll oder nicht. Tippa war sehr unsicher, reaktiv, übersensibel - das hätte feste ins Auge gehen können. Da ihre hysterischen Anfälle aber eindeutig mit dem Zyklus zusammenhingen, habe ich es gewagt. Und siehe da: ein Teil der Gebärmutter war mit dem Darm verwachsen! Wußte gar nicht, daß sowas möglich ist. Also Tippa  jedenfalls wird seit der Kastration deutlich ausgeglichener und damit trainierbarer - die Arme hatte einfach permanente Bauchschmerzen...

Beste Grüße,
Dörte.
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #13 am: 23. Februar 2015, 14:27:55 »
Also das habe ich auch noch nicht gehört!

http://www.homoeotherapie.de/tiergesundheit/kastration/kastration.html

Interessant der Auszug:

"Bei frühkastrierten Hündinnen muss man außerdem mit einer Steigerung des Angstverhaltens rechnen. Diese kann sich in gesteigerter Trennungsangst oder verstärktem Fluchtverhalten äußern.
Hündinnen  die während oder kurz nach der Läufigkeit kastriert werden zeigen häufiger Verhaltensveränderungen wie Aggression oder Depression. "

Sabine
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Re: Training mit desinteressiertem, ängstlichen Hund
« Antwort #14 am: 23. Februar 2015, 19:48:30 »
Interessanter Link, danke! Da muss ich direkt mal unsere Tierärztin danach fragen. Man lernt ja nie aus, ich habe sowas wirklich vorher noch nie gehört.
Meine Hündinnen waren beide voll ausgewachsen und erwachsen. Vielleicht habe ich es deswegen bei meinen Hunden nicht bemerkt.

Zur Rasse gibts noch einen Nachtrag: Das mit dem Ridgeback ist nur eine Vermutung, laut der "Tierschützerin" (die meiner Meinung nach eher animal hording betreibt) ist es ein Golden Retriver-Mischling. Vom Goldie hat sie tatsächlich die Farbe, sonst aber nicht viel. Auf dem Nasenrücken hat sie einen total witzigen Ridgeback, also diesen verkehrten Fellstreifen.
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