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Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie

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EscyKane
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #15 am: 20. Dezember 2014, 11:17:21 »
Hm also Koppen kann meines Wissens ein Zeichen für Magenaua sein. Meine, das irgendwo gelesen zu haben.

Gähnen, Leerkauen, Aufstoßen sind auf jeden Fall Zeichen für Magenschmerzen. Und halt dieser typische plötzliche apathische Blick. Dann haben die auch oft so ein Schmerzgesicht, das man erkennt, wenn man es einmal erkannt hat. Dabei zeigt sich so eine merkwürdige "Falte" am Maulbereich  (Magenfalte)
Empfindlichkeit beim Putzen, vor allem am Bauch, aber auch in der Gurtlage (!), Unterhals, Lendenbereich.
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #16 am: 20. Dezember 2014, 15:01:40 »
Hmm, das macht mich grad etwas nachdenklich  :roll:
Abbey mag das Zugurten beim Satteln nicht, die hat immer wieder Kotwasser oder Durchfall.. Und sie rülpst immer wieder. ich weiß nicht ob das Koppen ist, der ob das Schlucken so komisch klingt..
Heute hat sie so komisch gegähnt und die Zunge rausgestreckt..
Aber andererseits wurde sie ja grad komplett durchgechekt, also Blutbild und TCM- mäßig :juck:
Liebe Grüße!
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #17 am: 20. Dezember 2014, 16:06:18 »
Hm also Koppen kann meines Wissens ein Zeichen für Magenaua sein. Meine, das irgendwo gelesen zu haben.

Das ist richtig, Koppen kann ein Anzeichen für Magenschmerzen sein. Koppen gehört aber auch zu den typischen Stereotypen, d.h., es ist ein Verhalten, das sich soweit verselbständigt, dass es weiter gezeigt wird, auch wenn der Auslöser abstellt wurde.
LG Cate

Was wir sehen, hängt hauptsächlich davon ab, wonach wir suchen  -  Sir John Lubbock
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #18 am: 21. Dezember 2014, 16:03:15 »
Ich wollt noch dazu sagen, dass Kotwasser aber auch vor allem ein Darmproblem sein kann (bzw. ich kenne es eigentlich hauptsächlich als solches) und das reine Auftreten von Kotwasser (oder das als "Hauptsymptom") denke ich eher (!) für Darm und Co. spricht als Magen. (Was ja nicht heißen muss, dass ein Pferd nicht auch mit beidem Probleme haben kann... Olé. :P)

Wir plagen uns ja auch seit Jahren mit Kotwasser herum und bei Berta habe ich oft eher das Gefühl, die "scharfen" Sachen (Ingwer, TK) machen es eher besser.
(Die TCM liefert dazu eine Erklärung, nämlich mit den energetisch-thermischen Eigenschaften der Futtermittel. Berta ist eh schon ein "kalter Typ" - im Winterhalbjahr und wenn dann z.B. noch 'kalte' Futtermittel wie Heulage etc. dazu kommen, sorgt das dann oft für ein Zuviel an 'Kalt'. Ingwer und TK z.B. sind beide als 'heiß' einzustufen und scheinen ihr zu helfen, sich da besser zu stabilisieren. Ich kann es leider nicht besser erklären, die Ausbildung in der TCM steht leider erst für irgendwann mal noch an. :cheese:)
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #19 am: 21. Dezember 2014, 17:50:37 »
Meiner zeigt mehrere typische Magenprobleme, ist aber klinisch unauffällig... zumindest ist im Magen laut TA nichts zu sehen, was nicht als anormal einzustufen wäre. Möglich, dass er vllt auf das bisschen schon reagiert... im der stressfreien Gruppe mit 24 h Heu ist es zumindest besser geworden. Wenn die Symptome nicht supereindeutig und deutlich sind, kann man das dann eigentlich nur mit einer Magenspiegelung genau wissen.
LG, Inga

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Okkie 09
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #20 am: 21. Dezember 2014, 21:31:09 »
@Cate:
Meine Stute bekam ich bereits stark koppend (1,5 jährig), und bis sie mit 25 Jahren eine Renniekur (stand damals in der Cavallo) bekam und TOTAL mit dem Koppen aufhörte, hatte sie mehrere Koliken gehabt. Koppen konnte ich praktisch direkt durch Futtergabe auslösen  :P

Also:
Ursache beseitigt, Koppen trotz langjähriger Ausübung komplett eingestellt.
Ich würde dir Mut machen, es nicht von vorneherein zu verwerfen...

Falls es interessiert:
Schon 1888 empfahl der britische Tierarzt Edward Mayhew, Koppern Magnesia übers Futter zu streuen. Das würde die Stereotypie mildern. Knapp 25 Jahre später schrieb der Brite Frederic Fitzwygram in seinem Werk "Horses and Stables", Koppen würde "von einer Art Säure im Magen" herrühren. Das brachte Verhaltensforscher Professor Daniel Mills, ebenfalls Brite, auf eine Idee: Versuchen Pferde durch Koppen, überschüssige Magensäure, die sich beim Fressen von Kraftfutter bildet, zu neutralisieren? Ende der 1990er gab Mills 60 Pferden einige Wochen lang zum Kraftfutter Rennie-Tabletten, ein Präparat aus Kalzium- und Magnesiumcarbonat. Bei Menschen soll es überschüssige Magensäure binden. Tatsächlich verringerte sich die Kopperrate der Pferde, die jeweils sechs Rennie zum Kraftfutter fraßen, um bis zu 90%. Offenbar beginnen Pferde also zu koppen, um den Säuregehalt bei Kraftfuttergaben auszgleichen - ähnlich wie ein Mensch, der bei zu saurem Essen aufstößt. Fohlen zwischen drei und fünf Monaten, die zu früh abgesetzt wurden, sollen ebenfalls mit dem Koppen beginnen, weil ihre Magenschleimhäute noch nicht mit Kraftfutter zurecht kiommen. Da viele Absetzer an Magengeschwüren leiden, nimmt Professor Hanno Würel, Jstus-Liebig-Universität Gießen, an, dass Magengeschwüre überhaupt erst Kokppen auslösen. Seine Doktorandin Birte Toewe startete im vergangenen Jahr eine Studie: sie untersucht, ob Koppen auch bei älteren Pferden eine Folge von Magengeschwüren sein kann. Erste Ergebnisse gibt es #Anfang 2008. Zur Zeit sucht Birte Toewe nch koppende Fohlen vom Absetzer bis zum Jährling.

Quelle: Cavallo 12.2007

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Okkie 09
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #21 am: 21. Dezember 2014, 21:36:01 »
Ach ja, Nachtrag:
Fiona wird jetzt 33, bekommt 2x täglich "Essen auf Rädern" inkl KF und koppt dennoch nicht wieder.
Heu gab es immer ad lib, kann sie aber nicht mehr kauen. Gras geht noch gut.
Ration pro Mahlzeit also
1 Schaufel KF
1 Schaufel Heucobs, aufgeweicht,
1 Schaufel Luzerne, leicht! angefeuchtet.

Die Zähne hat sie sich durch´s Koppen ruiniert... >:(
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EscyKane
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #22 am: 21. Dezember 2014, 23:49:59 »
Okkie, wow danke für die Info.
Mein erster Gedanke als du das mit Rennie schriebst, war "hat sie das von einem Tierarzt? Ich wäre da echt vorsichtig mit Experimenten mit menschlichen Medikamenten" aber wenn es offensichtlich an Pferden von Tierärzten getestet wurde...
Hast du das einfach dazu gefüttert? Wie lange?

Ich wusste nicht, dass es Studien gibt die einen Zusammenhang zwischen Koppen und Magenproblemen herstellen, aber vermutet hatte ich es bereits, vom "Aufstoßen" zum Koppen ist es ja nicht mehr weit. Meiner hat das früher ständig gemacht, meistens in Ruhe, wenn er reglos irgendwo rum stand (früher habe ich das als Entspannen/Dösen interpretiert, oft nach dem Fressen oder Clickern, heute denke ich dass es eine Ruhe durch Unwohlsein war - man mag sich einfach nicht bewegen)

Das mit dem Koppen würde ich gern einer Bekannten weitergeben. Die Stute koppt auch seit sie sie hat, und durch das Koppen hatte sie schon mehrere Gaskoliken und auch schon zwei Milz-Nierenband-Verlagerungen, die mit OP endeten. Danach wurde sie aus der Versicherung geschmissen und eine dritte OP wäre wegen der starken Narben am Bauch sowieso nicht mehr möglich. Daher wäre das vielleicht einen Versuch wert.

Ach übrigens, noch ein mögliches Symptom für Magenpferde: Metalllecken.

Die ganzen Symptome einzeln müssen natürlich noch nichts heißen. Bei meinem zeigen sich fast alle typischen Magensymptome (außer Abmagerung  :lol:). Aber solche Symptome zu missachten ist auch keine gute Idee. Das Argument "das machen aber so viele Pferde, die können ja nicht alle Magenprobleme haben" ist sowieso unsinnig. Es gibt inzwischen einige Untersuchungen die von hohen Erkrankungsraten ausgehen, und zwar nicht vorwiegend im Turnier/Leistungspferdebereich, sondern genauso häufig auch im Freizeitpferdebereich.
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Re: Clickern mit Magensensibelchen - eine Theorie
« Antwort #23 am: 25. Januar 2015, 21:57:18 »
Genau, mit Magenpferden (und damit eben auch bei fast allen Koppern) ist es ganz wichtig mit dem Futter auch beim Clickern aufzupassen bzw. nur mit geeigneten Futtermitteln zu arbeiten.  :nick: Gerade bei Koppern ist es sehr gefährlich "einfach so" mit Leckerlis zu arbeiten, weil das Koppen extrem verstärkt werden kann. Das Futter (also auch z.B. beim Füttern der Kraftfutterration) führt zum Koppen, gerade diese "lustbetonte" Erwartung ist einer der bekannten Auslöser.

Es geht zum einen um die Futteraufnahme an sich und der damit verbundene Verdauungsprozess, aber auch ganz speziell bei "besonderen" Futtermitteln (es gab z.B. eine Studie die belegt, dass die Gabe von Heucobs keine Symptome/Koppen hervorruft, Kraftfutterpellets schon) um die erhöhte körpereigene Opioidkonzentration. Dabei werden dopaminerge Neuronen aktiviert, die wiederum vermutlich für das Koppen verantwortlich sind. Daneben geht es um die Serotoninsynthese im Gehirn. Energiereiches Futter (auch Äpfel, Kraftfutter etc) führt dazu, dass im Verhältnis zu wenig Tryptophan (nötig um "Wohlfühlhomron" Serotonin zu synthetisieren) zur Verfügung steht. Es entsteht eine Disbalance und dadurch dieses Unwohlsein.

LG,
Marlitt
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