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„Pferde unter sich machen das auch so …“

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„Pferde unter sich machen das auch so …“
« am: 29. April 2019, 15:20:40 »
Das wird ja gerne gesagt, um Anwendung von Druck, Pferd auf seinen Platz verweisen (müssen) , Nicht-Kuscheln, ggf. mal draufhauen zu rechtfertigen. „Wer bewegt wen“ soll danach das wichtigste sein, was Pferde so umtreibt. Den Eindruck hatte ich meiner Klein-Herde eigentlich nie wirklich, zumindest nicht mehr, seit zwei von drei Stuten wegen plötzlicher Todesfälle nicht mehr da sind. Meine Shettistute (gestorben völlig unerwartet am 30. Dezember), war zu Menschen zuckersüß, gegenüber ihren Mitpferden aber doch oft ein kleines Kastenteufelchen. Die drei Wallache sind untereinander sehr lieb, meine 35-jährige (die „Dienstälteste“) hat nichts auszustehen. Es wird Nase an Nase gefressen, direkt nebeneinander stehend/ liegend Siesta gehalten, teilweise fast Haar an Haar. Die beiden Shettis waren vom der ersten Begegnung an allerbeste Freunde. Fjord Hendrik ist zwar „irgendwie“ der Ranghöchste, aber ein wirklich seeehr unchefiger Chef, der nur ganz selten mal ein ganz bisschen böse wird. „Weichen“ geschieht ganz entspannt eher im Rahmen von Zentimetern.
Shetti Onki hat sich jetzt eine richtig, richtig fiese Rehe eingefangen (nach aktuellem Stand wohl ausgelöst durch zu hohen Selenspiegel) und kann trotz Schmerzmitteln im Moment eigentlich nur „kriechen“. Er liegt zum Glück sehr viel und geht unglaublich tapfer mit der Situation um, finde ich.
Ganz rührend zu sehen im Unglück ist aber, wie anteilnehmend Cello und Hendrik sind. Der hyperaktive Cello fordert ihm nicht zum Toben auf (in gesunden Zustand verbringen sie viel Zeit mit Spielen und Rangeln), er wird nicht gescheucht und verdrängt, obwohl er sich null wehren könnte. Gestern lag er im weichen Sand ziemlich direkt am Tor und der von der Weide kommende Hendrik blieb sich nach Schnupperbegrüßung direkt neben ihm stehen und verbrachte so seine Mittagspause. Donnerstag war die Futter/Stoffwechsel-Beraterin (Mineralien in Balance) zur Anamnese da. Mindestens eine halbe Stunde haben wir neben dem liegenden Onki gesessen, dem Gesellschaft und Krauleinheiten sehr willkommen waren. Als mein Freund Hendrik und Cello dann von der Koppel holte, meinte ich erst, die jetzt in den Stall sperren zu müssen, um Ruhe zu haben, aber weit gefehlt. Hendrik schaute kurz vorbei, ging dann an den Futterkasten und Cello stand eine ganze Zeit direkt neben uns und zwar – für ihn, der ein ziemliches hohes Energielevel hat und früher ein großer Aufregungs- und Streßschnapper war – unglaublich ruhig und aufmerksam. Als Sonntag eine sehr hilfsbereite Hufpflegerin aus dem Nachbardorf als Notmaßnahme die Zehen kürzte und wir zu dritt das arme Pony seelisch und körperlich stützten, standen Hendrik und Cello beide direkt daneben. Ich habe – sozusagen reflexartig – Onki ein paar „gesunde“ Pellets zugesteckt, dachte dann kurz, wohl nicht so gut mit den anderen direkt daneben, denen auch schnell was gegeben und alle blieben so ruhig wie bisher.
Tja, vielleicht vermenschlichend, aber es macht ganz den Eindruck, als ob sie Onki trösten und sich mit ihm austauschen. Er hat sie zwar auch auf der Koppel meist in Sichtweite, freut sich aber deutlich, wenn sie wieder in den Paddock kommen und entweder gemeinsam Siesta machen oder schauen, was denn noch im Raufutterkasten ist.
Bestärkt mich in der Meinung, dass zumindest für viele Pferde, die in passender und langjähriger Gemeinschaft leben und nicht unter irgendwelchem Ressourcenmangel leiden, „Freundschaft“ wichtiger ist als „andere bewegen“. Und das dann, wenn alles gut läuft, auch mit Menschen.

Gruß
Katja
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Re: „Pferde unter sich machen das auch so …“
« Antwort #1 am: 29. April 2019, 15:43:34 »
Bestärkt mich in der Meinung, dass zumindest für viele Pferde, die in passender und langjähriger Gemeinschaft leben und nicht unter irgendwelchem Ressourcenmangel leiden, „Freundschaft“ wichtiger ist als „andere bewegen“. Und das dann, wenn alles gut läuft, auch mit Menschen.
Richtig - du sagst es selber, langjährige passende Gemeinschaft.

Bei uns sind neulich erst ein paar Herdenmitglieder, die im Winter aus gesundheitlichen Gründen auf einem abgeteilten Paddock (ohne Kontakt zur Herde) standen, zurück in die Hauptherde gekommen. Die Pferde kennen sich eigentlich seit Jahren und jedes hat seinen Platz und unsere Herde geht auch soweit achtsam miteinander um. (Ich erinnere da auch mehrere sehr nette Situationen als mein Seliger immer schlechter zu Fuß wurde.) Aber in dem Moment, in den ersten Stunden, war da genau dieses wer bewegt wen, "Eh das ist mein Platz", "Nein da kannst du jetzt nicht stehen" ...

Der Unterschied zu dem, was Menschen mit Pferden machen, ist, es sind kurze Moment. Kein Pferd schnappt sich das andere  und geht mit ihm in einen Trainingseinheit in dem Thema. Schickt es minutenlang im Kreis, beansprucht wieder und wieder und wieder völlig grundlos Raum ...

Und ganz ehrlich - das macht auch kein gut und verständig arbeitender Horseman. Nur leider gelingt es ausgerechnet eher den Negativbeispielen sich zu ins Rampenlicht zu stellen und damit als Vorbild zu dienen.
Liebe Grüße Angela und das Traberbübchen
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Re: „Pferde unter sich machen das auch so …“
« Antwort #2 am: 29. April 2019, 17:07:40 »
Diese Beobachtungen kann ich auch bestätigen. Zwar nicht unbedingt den geringen Individualabstand - den wollen manche der Pferde hier doch gerne etwas größer haben. Aber der Umgang miteinander wird mit den Jahren und artgerechter Haltung immer achtsamer. Seit wir die Paddock Trails haben und sich Pferde, die sich nicht so gerne mögen, auch großräumig aus dem Weg gehen können, hat das noch einmal eine ganz andere Qualität bekommen.
Die Pferde stehen sich in Krisensituationen gegenseitig bei.
Interesse füreinander und ein wenig Unterstützung kenne ich von früheren Offenstallzeiten her auch schon. Jetzt, mit mehreren Jahren Paddock Trail in einigermaßen stabiler Herdenkonstellation, gibt es immer wieder Streitschlichtungen zu sehen, bei denen ein Pferd mit Status (muß nicht zwingend ranghoch sein, aber mit Selbstbewußtsein gegenüber dem anderen Pferd) sich zwischen die 2 Streithammel schiebt. Gestern haben das gleich mehrere Pferde gemacht, nachdem ein Kampfspiel zwischen 2 Wallachen kippte und ernst wurde. Niemand wurde "zurechtgewiesen", sondern es wurde friedlich deeskaliert.
Davon können wir Menschen uns durchaus ein paar Scheiben abschneiden...

Beste Grüße,
Dörte.
Lieber breit grinsen als schmal denken!  (B.Berckhan)
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Re: „Pferde unter sich machen das auch so …“
« Antwort #3 am: 01. Mai 2019, 21:55:03 »
Hallo in die Runde,

mein Pony steht ja nun seit Kurzem auch in einem Paddock-Trail Offenstall mit zurzeit 4 anderen Pferden. Ich merke auch, dass es dort anders zu geht als in der großen Islandherde vorher. Es ist nach wie vor so, dass mein Pony das große Warmblut nicht versteht, aber sie lässt sie inzwischen eher in Ruhe. Die andere Islandstute stellt sich manchmal daneben und dann kann man beobachten, dass sie meinem Pony quasi "übersetzt", was die Warmblutstute "sagen" will. So ein Verhalten habe ich in der großen Herde in den ganzen Jahren nicht beobachtet. das war eher ein nebeneinander her leben. Jetzt geschieht viel Kommunikation untereinander. Mána geht auch häufig weite Wege, um alleine an einer Futterstelle zu fressen. Das scheint ihrem sehr unabhängigem Wesen zu entsprechen, obwohl ich jahrelang Geld darauf verwettet hätte, dass mein Pony ohne die große Herde "einginge wie eine Primel". Pferdeverhalten kann sich also situativ ändern und das ganz ohne Menschenbeeinflussung.

Grüße
Steffi
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Re: „Pferde unter sich machen das auch so …“
« Antwort #4 am: 01. Mai 2019, 23:08:45 »
Pferdeverhalten ist unglaublich spannend und vielschichtig :)
Im letzten Stall waren Trail und Paddock durch ein Tor (offen) getrennt. Der Paddock war ungeeignet zum spielen, durch den rutschigen Boden und wenig Platz.
War ein Pony mal wieder besonders nervig gegenüber der anderen, entschied sich einer seiner Kumpels dazwischen zu gehen und schob den Unruhestifter Richtung Trail. Entweder, der Frechdachs musste sich da allein beruhigen, oder er wurde zum Spiel aufgefordert bis er erschöpft war und nicht mehr nervig. Dann durfte er wieder mit rein.
Das konnten wir von allen beobachten. Selbst Jolly wies KleinShetty schon zurecht, wenn der seinen Bruder zu sehr ärgerte. Dabei ist Jolly sonst eher der Nervling gewesen.
Liebe Grüsse

Helgi, Herjólfur und Jj
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