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Pferd allgemein => Pferd allgemein => Thema gestartet von: penelope am 29. Oktober 2011, 00:01:47

Titel: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: penelope am 29. Oktober 2011, 00:01:47
Ich grübel schon Stunden über eine Sache nach und brauch dazu mal ein paar Meinungen.

Vorgeschichte:
Ich hab gerade mal wieder ein Pferde-Physio Buch zur Hand genommen, wollte Merlan was gutes tun und ihn nach der Arbeit noch etwas dehnen wollen. Bei meiner Stute mach ich das sehr regelmäßig, bei Merlan nur höchst selten.

Der Kleine hat überhaupt keine Probleme, alle Dehnungen, auch die fortgerschrittenen, zu machen und ich kann die Vorderbeine sogar problemlos bis über die Waagerechte heben. Die Buchautorin meint dazu: in solch einem Fall ist ein Pferd hypermobil und sollte nicht weiter gedehnt werden. Statt dessen sollte man die Muskeln vorwiegend kräftigen.

So weit, so gut. Klare Ansagen - hab ich mir erst gedacht. Aber je länger ich drüber nachdenke, desto schwerer fällt es mir, gezielt Übungen zu überlegene, die NICHT zum Ziel haben, Beweglichkeit zu fördern und zu dehnen. Der "All-Time-Favourit" Klettern ist hier in Norddeutschland leider nur sporadisch mit erheblichen Aufwand zu organisieren.
Zudem hatte ich eigentlich auch gedacht, in nächster Zeit gezielt mehr Übertreten zu üben und in Biegung zu arbeiten, da Merlan sich immer noch gerne zwischen den Schultern hängen lässt und auf immer noch mal über die äußere Schulter ausfällt.

Und nun?
Hat jemand von Euch Ideen und Erfahrungen dazu?
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Mannimen am 29. Oktober 2011, 00:37:20
Also weiter als bis zur Waagerechten würde ich auch nicht dehnen. Hierbei geht es doch nur um Verkürzungen vorzubeugen und die Durchblutung und damit den Stoffwechsel in der Muskulatur zu fördern, damit die Fasern nicht verkleben und alles schön beweglich bleibt. :roll:

Bei mir selbst habe ich festgestellt, dass zu übermäßiges Dehnen eher schlecht für die Gelenke war, weil sich der Bewegungswinkel dabei auch soweit vergrößert hatte, dass ich dann dort an die Grenzen kam. :confused:

Die Verkürzung tritt immer bei Lastaufnahme oder Verspannung ein. Daher macht es auch bei uns Menschen Sinn, nach dem Training die beanspruchte Muskulatur wieder etwas dehnen. Hier ist das Maß der Dinge offenbar entscheidend. ;)
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: puppi am 29. Oktober 2011, 09:51:29
Also ich kenn hypermobilität nur vom Ballett :cheese: Aber da sagt man auch dass man es eben nicht "ausnutzen" soll und eher weniger machen soll, weil das sonst auf die Gelenke geht.
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: penelope am 29. Oktober 2011, 10:16:25
Guten Morgen,

ja, eben das war auch mein erster Gedank: kein Problem - mach ich eben keine Dehnungen weiter. Ist ja auch nicht schade drum, wenn man nicht abends im Stall an schmutzigen Pferdefüßen rumziehen braucht  :lol:

Nur weiter gedacht: ich hab eigentlich gerade angefangen, vermehrt Übertreten zu machen, beim Kappzaumlongieren wieder deutlich mehr Stellung zu fordern und beim Reiten die ersten Schritte Schenkelweichen einzubauen, damit er eben in den Schultern freier wird. Ebenfalls hab ich mal wieder intensiver am Kompliment geübt.

Nun sind das ja alles Übungen, die als dehnend und kräftigend beschrieben werden. Was mach ich jetzt mit solchen Übungen? Wenn ein Pferd keine Probleme mit mangelnder Dehnung hat, wirken die dann eben hauptsächlich kräftigend? Oder lass ich all das besser die nächsten Monate außen vor und reit erst mal geradeaus und fertig?
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: eboja am 29. Oktober 2011, 10:27:54
Aus dem Bauch raus würde ich annehmen, dass diese Übungen die Muskulatur dann durchaus kräftigen, da sie ja in der Dehnung Kraft ausüben muss. Aber das ist nur aus dem Bauch raus. Insofern würde ich sagen: warte mal, bis Heike wieder da ist, die kann da vermutlich fachlich korrekt drauf antworten :cheese:.
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Mannimen am 29. Oktober 2011, 11:55:41
Wir hatten doch an anderer Stelle schon das Thema Balance. Diese gilt auch hierbei. Das Maß liegt also wieder einmal in der goldenen Mitte. ;)

Bei uns Menschen gilt ja auch nach jeder Kontraktionsübung eine Dehnung im Anschluss für die kontrahierte Muskulatur. Welche Muskulatur müsste also zuvor kontrahiert worden sein, bevor sie durch das nach vorne Rausziehen der Vorderbeine wieder gedehnt werden würde? :roll:

Das Kompliment stellt für die Muskulatur des gestreckten Beines bis über den Rücken schon eine erhebliche Dehnung da, die ich persönlich sehr grenzwertig finde, weshalb ich sie auch nicht von meinem Pferd verlange. Es müsste im Gegenzug schon einige Liegestütze gemacht haben. :confused:

Bei Übungen mit Biegung ist es jedoch sehr viel einfacher diesen Ausgleich herzustellen, weil sie einfach nur auf der Gegenseite wiederholt werden braucht. Bei Piaffen mit Hankenbeugung wird es da deutlich schwieriger und die Haxen müssen schon mal von Hand gestreckt werden. :nick:

Marc Lubetzki (bzw. seine Frau) hat dazu in seinem Onlinekurs bei BB einige brauchbare Hinweise gegeben (Thema Stretching). 8)
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Ehemaliges Mitglied 32 am 31. Oktober 2011, 09:13:24
Ich bin laut Arzt auch hypermobil. Ich liebe Dehnungsübungen, da ich sehr oft Muskelverspannungen hab. Allerdings gibt es eben gewisse Übungen, die ich nicht so ausführlich machen sollte, zb Dehnungsübungen für den Genickbereich. Als Mensch tu ich mir da leicht, ich dehne gewisse Stellen nur wenn sie verspannt sind, das kann ich ja selbst bestimmen.
Der Witz ist, dass es Stellen gibt an denen ich überhaupt nicht überbeweglich bin sondern im Gegenteil, mir eher schwer tu. Ich hab zb eine Verkürzung bei irgendwas im Oberschenkel. Dehn ich die Stelle regelmäßig stellt sich extrem schnell ein Erfolg ein. Mein Freund und ich machen ja oft die gleichen Übungen, nur er hat bei weitem nicht so viel Erfolg.

Übungen mit Muskelbewegung sind bei mir als Mensch Übungen, die man in Wiederholungen machen muss und die anstrengend sind. Beim Pferd wär das zb Reiten abwechselnd in Dehnungshaltung und in Arbeitshaltung meiner Meinung nach. Oder abwechselnd Rücken heben und wieder locker lassen. So genau kenn ich mich beim Pferd ned aus, das war jetzt geraten.

Welches Buch liest du eigentlich, penelope?
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Bettina am 31. Oktober 2011, 09:32:26
Welches Buch liest du eigentlich, penelope?
*mutmaß* Physiotherapie für Pferde von Helle Katrin Kleven? Das hab ich nämlich auch und ich hab das auch gelesen, dass man das bei hypermobilen Pferden besser nicht machen soll.

Aus dem Bauch raus würde ich annehmen, dass diese Übungen die Muskulatur dann durchaus kräftigen, da sie ja in der Dehnung Kraft ausüben muss. Aber das ist nur aus dem Bauch raus.
Das würde ich auch vermuten.

Passive Dehnung würde ich dann vermeiden (also sprich, dass du das eben dehnst), aber "aktive" Dehnung (nennt man das so?) beinhaltet ja immer, dass sich der eine Muskel anspannt, um den anderen zu dehnen. Insofern hat man da dann ja auch eine Kräftigung.
Gut, aber soweit ist es dir vermutlich selber klar(er als mir). Hm.

Kann denn sonst niemand was dazu sagen? *auchinteressantfind* :cheese:
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Mannimen am 31. Oktober 2011, 14:51:06
..., ich dehne gewisse Stellen nur wenn sie verspannt sind, ...
... zb eine Verkürzung bei irgendwas ...
Dehn ich die Stelle regelmäßig stellt sich extrem schnell ein Erfolg ein.

Dehnungen sind also gut gegen Verspannungen und Verkürzungen, um die normale Beweglichkeit wieder herzustellen.
Natürlich können sie auch dazu verwendet werden, um die Beweglichkeit zu verbessern aber eben nur in dem Rahmen, den der Knochenbau und die Gelenke auch ermöglichen.
Darüber hinaus soll die Muskulatur ja nicht nur eine Bewegung ermöglichen sondern vor allem den Körperbau stabil halten. Mache ich ihn insofern zu beweglich wird er in Folge dessen auch etwas unstabiler. Die Muskulatur wäre ständig damit beschäftig, genau das auszugleichen, was zu viel an Bewegung war.

Und dann sollte die Muskulatur vor einer Dehnung auch immer aufgewärmt sein, damit sie nicht schon zu früh kontrahiert oder verspannt. Zerrungen könnten eine mögliche Folge sein. Wichtig dabei ist auch, dass nicht ruckartig gedehnt wird, so wie wir das früher mal gelernt haben (reinfedern), sondern ganz langsam den Zug erhöhen (reinsinken bzw. hineinatmen). Beim Pferd bedeutet dies, eben nur sehr langsam die Spannung aufzubauen und diese dann etwas länger zu halten (kurz bevor das Tier dagegen hält).

Das waren noch ein paar Hinweise von mir, die mir dazu gerade eingefallen sind. :roll:
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: penelope am 31. Oktober 2011, 21:56:13
Ja genau - es war das Buch von Helke Kleven, in dem ich auf den Hinweis gestoßen bin.  :nick:

Ein Unterschied zwischen aktiver und passiver Dehnung mag da sicher ein entscheidener Punkt sein, vermute ich mal?!? Aber so ganz viel weiter bin ich mit meiner Erkentniss leider noch nicht gekommen.

Ich forsch derweil weiter und würd mich freuen, wenn vielleicht noch mal eine unserer Expertinnen in Sachen Biomachanik was dazu sagen könnte *freundlichzuHeikerüberschiel*  :rotw:
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 31. Oktober 2011, 22:18:59
Huhu  :)

Ich selbst setze beim Pferd nur ganz wenige Dehnungen ein, da die meisten einen eher negativen Impuls auf die Wirbelsäule haben.
Was macht denn eine Dehnung? In der Regel weniger als man denkt: es werden hauptsächlich die Faszien beweglich gemacht, in denen die Muskeln laufen, und durch ein kurzes Ansprechen der STellungsrezeptoren stellt sich der Muskel neu ein, weil er sich sortieren muss. "Echte" Dehnung im Sinne von "Länger ziehen" findet eigentlich nicht statt.

So wie ich das verstanden habe, möchtest Du im wesentlichen den Schulterbereich kräftigen?
Nina (Julika hier im Forum) beschreibt ja in ihrem Buch schöne Übungen wie zb auf einen Ball treten, auf einem großen Treckerreifen balancieren usw.
Eine schöne Übung für die Schultermuskulatur ist auch das seitliche Balancieren auf einer Wippe.

Im Kurlandbereich gibt es auch schöne Übungen dazu. Ich nutze mittlerweile gerne das Zurückfüttern, wobei ich die Hand recht weit oben habe, so dass die Pferde sich nicht aufrollen können im Hals, sondern im Gegenteil sich im Brustkorb aufrichten. Das kombiniert mit einem Ansatz von Zurück, oder später mehrere Schritten, hat einen enormen Einfluss auf die Muskulatur.
Wenn ich nun aus dem Zurück (auch natürlich aus einem angefragten, frei geformten oder angewiesenen) Rückwärts per Handtarget ein zunehmend energisches Herankommen bestärke, arbeite ich ganz wunderbar die Kräftigung der Hinterhand/Kruppe/hinterer Rücken.
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Kess am 01. November 2011, 11:13:11
Im Kurlandbereich gibt es auch schöne Übungen dazu. Ich nutze mittlerweile gerne das Zurückfüttern, wobei ich die Hand recht weit oben habe, so dass die Pferde sich nicht aufrollen können im Hals, sondern im Gegenteil sich im Brustkorb aufrichten. Das kombiniert mit einem Ansatz von Zurück, oder später mehrere Schritten, hat einen enormen Einfluss auf die Muskulatur.

Liebe Heike, hättest du dazu zufällig ein Video?  :bitte2:
Titel: Re:Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: penelope am 01. November 2011, 21:41:05
Danke Heike, für die Antwort  :)

Will ich hauptsächlich die Schultern stärken  :juck: Gute Frage eigentlich.

Ich will primär ein Pferd was gesund und hübsch läuft. Wenn du mir sagst, dazu soll ich im oben beschriebenen Fall hauptsächlich speziell stärkende Sachen für die Schultern machen, dann will ich das  :cheese:

Wippe ist nicht vorhanden, aber in Planung. Die Anschafftung von dem Buch von Julika ist nicht in Planung.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 17. Januar 2015, 13:53:24
Ich hole das mal wieder aus der Versenkung.

Bist Du in deinen Erkenntnissen inzwischen weiter? Ich finde akut den Ansatz von Maren Diehl, den Faszienkörper gezielt zu kräftigen, auch sehr spannend.

Wichtig ist eine gut arbeitende Rumpf- und Bauchmuskulatur. Gerade heute habe ich ein 20jähriges hypermobiles Pony in der Behandlung gehabt, bei dem man gut die Auswirkungen sehen konnte, wenn ein Pferd eben nicht in Betracht auf die Hyp. gearbeitet wird.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: penelope am 18. Januar 2015, 18:19:36
Was für ein uralter Thread  ;)

Seit 2011 hat sich bei mir ja so einiges getan. Wo fang ich an?

Zunächst mal ist Merlan ganz schlicht ja nochmmal viel gewachsen und ein gutes Stück seiner Schlagsigkeit aus jungen Jahren hat sich schlicht von allein gegeben.

Dazu liegt ja zwischen der Zeit in der ich den Thread erstellt habe und jetzt eine komplette Physio-Ausbildung meinerseits. Das hat natürlich sowohl in meiner Wahrnehmung als auch in Bezug auf meine Einstellung zur Arbeit mit dem Pferd einen sehr großen Einfluss gehabt.

Erstmal würde ich jetzt mittlerweile, wo ich mehrere Gangpferde unter den Fingern gehabt habe, Merlan auch in Form von damals wohl gar nicht mehr als soooo übermäßig beweglich einstufen. Wenn man erst mal Pferde in der Hand gehabt hat, wo man beim Test des Buggelenks wirklich denkt, man könnte jetzt ohne Probleme das Bein abschrauben, relativiert das doch einiges  ;)
Ich bin auch entspannter geworden und würde eine auffällig hohe, vielleicht auch eine auffällig geringe, Beweglichkeit jetzt nicht unbdingt als Problem einstufen, so lange das Pferd in sich "stimmig" ist und damit für sich und in Bezug auf die gestellen Anforderungen gut klar kommt. Behandlungsbedürftig finde ich viel eher, wenn das Pferd in sich ungleichmäßig ist. Etwa eine eher steife Halswirbelsäule, dafür aber eine ganz auffällig bewegliche Lendenpartie. Da befürchte ich dann eher, dass hier die eine Region die andere kompensieren muss und es dann langfristig wirklich zu Problemen kommen wird.

Und dann hat mich das Wissen aus der Physio-Ausbildung, und eben besonders die neu ausfkommenden Erkenntnisse aus der Fazienforschung, und auch ganz erheblich die Rückmeldungen von meinem eigenen Pferden in den letzten Jahren doch wieder sehr "Back to Basics" gebracht. So wie am Anfang des Threads beschrieben würde ich heute nicht mehr arbeiten.
Mit mehr Wissen um alle Zusammenhänge im Körper erscheint es so im Nachhinein doch erschreckend naiv, dass man damals noch fest davon überzeugt war, dass man meinte, man lokalisiert ein bestimmtes Defizit, sucht sich eine entsprechende Übung und trainiert das dann halt weg. Schon irgendwie hochmütig, so mit etwas Abstand betrachtet  :confused:

Je mehr ich mich mit der Physiotherapie auseinander gesetzt hab, gerade im Bereich Neurologie und Fanzienforschung, desto mehr sind mit wieder zwei Autoren in die Hände gefallen: Tellington und Solinski. Erstere um ein Pferd überhaupt erst mal in einen entspannten Tonus zu bringen und ein gutes Körpergefühl herzustellen und letzerer für ein natürliches und eben auch besonders auf den Faszienkörper ziehlendes Training (du kennst ja die seitenlange Abhandlungen über leichtfüßigkeit, federn, ermüdungsfreies Laufen, steady-state-Gleichgewichte...). Da waren beide Ihrer Zeit weit voraus.

Zu Maren Diehl kann ich jetzt im Detail nichts sagen. Ich kenn nur Ihre Homepage/Blog. Aber allein von dem, was es da so zu lesen gibt, erscheint mir ihre Arbeit durchaus interessant.  :nick:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: penelope am 05. Februar 2015, 09:42:16
Ich hab gerade einen Bolgbeitrag von Maren Diel zur Hypermobilität gefunden.
http://die-pferde-sind-nicht-das-problem.blogspot.de/2015/01/pathologische-eleganz-hypermobilitat.html

Meintest du diese Argumentation in deinem Beitrag oben?
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 05. Februar 2015, 16:30:28
ja, so ähnlich  :nick: in anderen Beiträgen schreibt sie das noch etwas klarer, hier wird gerade ziemlich viel zusammengeworfen.
(ich hab das Buch inzwischen gefunden  :cheese: und kann es Dir dann schicken)
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: MonaLisaPaula am 05. September 2018, 20:43:33
Huhu!

Nach nem Gespräch mit Heike am WE vermute ich, dass meine Hafi-RB hypermobil sein könnte.
Heikes Ferndiagnose und meine eigenen Gedanken führen zu diesem Schluss. :cheese:

Sie wirkt auf den ersten Blick aber nicht so, weil sie ist wahnsinnig fest, ich denke, sie hält sich recht aktiv fest, passt auch zu ihrem Gemüt. (Gruselfreude vorhanden)

Mein erster Gedanke war, lockern, lockern, lockern.
Aber evtl ist das gar nicht so gut?
Wenn ich ihr die Spannung nehme, nehme ich ihr ja auch die Stabilität und vielleicht kommen dann erst Probleme, die sie jetzt noch gut kompensieren kann...?

Was meint ihr?
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 05. September 2018, 21:21:08
Man kann einen Test machen, den könnte ich mal filmen  :nick:

Mittlerweile habe ich mich doch erheblich mehr mit dem Thema der Hypermobilität auseinandergesetzt, auch weil man kaum noch Pferde findet, die nicht HM sind  :P

Die Aktivierung der Rumpf- und Bauchmuskulatur ist hier definitiv das A und O um diese Pferde gesund zu erhalten. Und da steht für mich das Pre-WWYLM mit Zurückfüttern als Ganzkörperübung an allererster Stelle.  :nick:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Lamium amplexicaule am 05. September 2018, 22:35:35
Jaaa bitte filmen  :bitte2:
Falls man dafür Hufe geben muss, muss ich es eben am Pflaster machen, das geht nämlich scheinbar nur auf Sand nicht  :cheese: :rotw:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: MonaLisaPaula am 06. September 2018, 00:27:28
Bin auch dafür, danke im Voraus! :cheese:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Lamium amplexicaule am 06. September 2018, 07:23:12
War zu Hypermobilität nicht auch was in der Pferdekonferenz?? Weiß aber nicht, ob in der, die du gekauft hast, Johanna?  :confused:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: MonaLisaPaula am 06. September 2018, 20:17:12
Gute Frage... Isch gucke. :cheese:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Lamium amplexicaule am 07. September 2018, 18:30:10
 :keks:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 07. September 2018, 19:10:33
Ja, Ellen Wolff hatte dazu einen Beitrag, der glaub ich auch in ihrem YT-Account öffentlich zu sehen ist.  :nick:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Snorrxi am 10. September 2018, 21:44:17
Ja, Ellen Wolff hatte dazu einen Beitrag, der glaub ich auch in ihrem YT-Account öffentlich zu sehen ist.  :nick:

Hab in ihren Youtube Channel geschaut. Da findet man Teil 1 und 2 der Hypermobilität. Sie zeichnet das auf bzw. erklärt es ausführlich  :cheese:
:kraul: :yess:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Lamium amplexicaule am 10. September 2018, 22:32:40
Gutes Abendprogramm die Videos :cheese:

Aber kein Test  :zaun:
Titel: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Rüsselnase am 19. September 2018, 09:58:10
Mal was anderes....
Dieses "hypermobil" lese ich immer öfter in letzter Zeit, und irgendwo hatte glaube ich auch Heike mal geschrieben, dass es kaum noch nicht hypermobile Pferde gibt :juck: Woher kommt das und warum ist das so?
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Avaris am 19. September 2018, 10:02:27
Interessante Frage, bei Frodur dachte ich jetzt einfach dass das aufgrund seiner zu langen Kniebänder kommt.
Ich hab das auch, aber in den Händen. Ich kann meine Finger verbiegen da wird meinem Mann ganz übel beim Hingucken  :cheese: Hat mich aber noch nie irgendwie gestört. Andererseits muss (m)ein Finger ja auch nicht einen 500kg schweren Körper stabilisieren  :-\
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Nepomuk am 19. September 2018, 10:08:02
Hypermobile Pferde können sich meist "ausdrucksstärker" bewegen als stabile Pferde. Und da viele Rassen auf Ausdruck gezüchtet werden, gibt es gewissermaßen eine Selektion auf Hypermobilität. Dazu kommt die Bindegewebsschwäche DSLD und ESPA, die auch mehr Bewegung zulassen, als gesund wäre.
Da Naizak auch hypermobil ist, ist das ein Thema, in das ich mich reinarbeiten werde, wenn ich mal wieder freie Hirnkapazitäten habe. So muss ich für weitere Infos auf Frieda und Heike verweisen...
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Muriel am 19. September 2018, 11:20:34
ja *seufz*

Wie Anett schon sagt, die Hypermobilität ist teilweise zuchtbedingt, weil alle mehr WOW in den Bewegungen haben wollten, und mehr "Bounce" geht halt auf Kosten der Stabilität. Das zieht sich mittlerweile durch fast alle Rassen :(
Ein weiterer Grund kann mangelnde Mineralversorgung in der Aufzucht sein, so dass das Bindegewebe insgesamt schwach und unterversorgt ist.

Das Ergebnis ist eben eine Schwäche im gesamten Bindegewebe, Bänder, Sehnen etc, alles was Gelenke und den Körper eigentlich stabilisieren sollte. Diese Pferde müssen somit über Muskelkraft/Verspannungen versuchen sich zu tragen/halten. Deshalb erscheinen viele hypermobile Pferde total fest in der Muskulatur, wodurch man nicht gleich versteht, dass sie eigentlich zu weich sind und deshalb fest machen.
Da muss die Arbeit lebenslang die Balance finden zwischen gezielten Kraftaufbau für den Rumpf und Finden und Auflösen der Verspannungen, ohne dem Pferd seine Haltespannung zu nehmen.

Wenn man hypermobile PFerde zb. "sehr sanft" und langsam aufs Reiten vorbereitet, indem man ewig nur im Stand auf ihrem Rücken herumsitzt, ohne es danach wieder zu "reparieren", schickt man sie schon mit einer Vorbelastung in ihr Reiterleben. Deshalb sollte auch diese Reitvorbereitung nur nach Aufwärmen passieren, mit vorher Schritt, und nachher Bewegung, und vor allem Aktivierung der Bauchmuskulatur zum Rückenaufwölben, damit sie ihre Haltespannung wieder lösen können.

Dazu haben viele einen zu langen Rücken und können mit dem herkömmlichen "von hinten nach vorne" nicht hinreichend stabilisiert werden und machen dann eben in der Lende fest, weil die Hebel nicht richtig funktionieren.
ein Grund warum ich eben so viel Wert auf das Pre-WWYLM und das Zurückfüttern lege, weil es genau da ansetzt und die Pferde im Rumpf stabilisiert.
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Rüsselnase am 19. September 2018, 11:52:15
Krass, wie das alles zusammenhängt  :confused:

Kann man das Bindegewebe/den Stützapparat denn irgendwie "füttern", um ihn zu unterstützen? Oder ist der Zug schon abgefahren?
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Muriel am 19. September 2018, 11:57:59
das kommt halt drauf an ob es fütterungsbedingt ist oder anlagebedingt. Ein Blutbild kann da evtl helfen um den Mineralstatus anzuschauen, aber das ist ja auch umstritten inwieweit das ein tatsächliches Bild ergibt  :confused:
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: cinnamon am 19. September 2018, 12:31:11
Mal was anderes....
Dieses "hypermobil" lese ich immer öfter in letzter Zeit, und irgendwo hatte glaube ich auch Heike mal geschrieben, dass es kaum noch nicht hypermobile Pferde gibt :juck: Woher kommt das und warum ist das so?

Weil's halt grad als Modediagnose die Runde macht - ganz so schlimm ist's gsd nicht ;-)
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Nepomuk am 19. September 2018, 12:35:42
Ich würde gerade bei hypermobilen Pferden auf gute Hufbearbeitung achten. Die Hufe von denen machen ganz oft komische Sachen, einfach durch das "labberige" oben, und die Schiefe muss dann durch noch mehr Verspannungen ausgeglichen werden.

Wollen wir die Hypermobilitätsposts vielleicht in einen Extrathread packen, dass man sie wiederfinden kann?
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Muriel am 19. September 2018, 12:49:16
Mal was anderes....
Dieses "hypermobil" lese ich immer öfter in letzter Zeit, und irgendwo hatte glaube ich auch Heike mal geschrieben, dass es kaum noch nicht hypermobile Pferde gibt :juck: Woher kommt das und warum ist das so?

Weil's halt grad als Modediagnose die Runde macht - ganz so schlimm ist's gsd nicht ;-)
doch leider.  :P   Eine Kundin von mir hat versucht einen nicht hypermobilen Haflinger zu finden zum kaufen, ist ihr nicht gelungen.
Und ich würde mal schätzen locker 60-70% meiner Kundenpferde sind hypermobil.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Rüsselnase am 19. September 2018, 13:39:09
Woran erkenne ich (erkenne ICH das überhaupt? :juck: ) denn, ob ein Pferd hypermobil ist?
An diese Modediagnose hatte ich nämlich auch schon gedacht, aber meistens hat es ja doch zumindest ursprünglich Hand und Fuß, wenn etwas die Runde macht.

Jedes Pony, dass sich mal den Popo juckt, hat mittlerweile laut Facebook auch ein schweres Sommerekzem  :roll:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: cinnamon am 19. September 2018, 16:13:40

Zitat
An diese Modediagnose hatte ich nämlich auch schon gedacht, aber meistens hat es ja doch zumindest ursprünglich Hand und Fuß, wenn etwas die Runde macht.

Jedes Pony, dass sich mal den Popo juckt, hat mittlerweile laut Facebook auch ein schweres Sommerekzem  :roll:

Nicht unbedingt - siehe KPU zB.
Aber auch das  geht wieder vorbei ;-)
Titel: Re: Re: Das sommerliche Clicker-Freiluft-Café
Beitrag von: Snorrxi am 30. September 2018, 22:57:33
Ich würde gerade bei hypermobilen Pferden auf gute Hufbearbeitung achten. Die Hufe von denen machen ganz oft komische Sachen, einfach durch das "labberige" oben, und die Schiefe muss dann durch noch mehr Verspannungen ausgeglichen werden.


Was meinst Du genau damit? Bisher habe ich dazu noch von keiner Seite etwas gelesen oder gehört, was beides in Verbindung bringt  :dops:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Avaris am 01. Oktober 2018, 07:06:29
Was kann man denn mit hypermobilen Pferden für Übungen machen (neben Pre-WWYLM und Zurückfüttern), um die entsprechende Muskulatur - bei Frodur wäre das vermutlich Bauchmuskulatur und alles hinten rum - auf sanfte Art ohne Hau-Ruck-Verfahren zu stärken?
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 01. Oktober 2018, 08:30:47
Zitat
Pre-WWYLM und Zurückfüttern
genau das  :cheese:

Also jede Form von leichter Biegung, Vor-Zurück und vielen Wiederholungen. Meine zweite Lieblingsgrundlagenübung ist deshalb das Blümchen (ich muss mal gucken, was wir hierzu schon im Forum haben), bei dem alles auch sehr kleinschrittig und langsam aufgebaut wird.

Kann das Pferd zb longiert werden, sind sehr viele Übergänge eine tolle Sache. Unendlich wirksam ist besonders der Übergang Trab - Schritt - 2 bis 3 Schritte - wieder Antraben. Das hat bei Jack sehr viel Gutes getan für Rücken und Hinterhand.
Im Normalfall (also zu Beginn) fallen die Pferde im Übergang zum Schritt gerne auf die Vorhand. Das merkt man daran, dass sie eine erneute direkte Anfrage zum Traben überhaupt nicht umsetzen können. :neinnein:
Ich frage also so freundlich wie möglich an (ja, ich rede hier von Treiben) und clicke sofort, wenn der erste Trabschritt kommt. Das Pferd soll eben die Abfolge Trab-Schritt-wieder Trab gut kennen, damit es sich geistig und körperlich schon drauf vorbereitet, gleich wieder anzutraben. Das spricht in hohem Maß die Bauchmuskulatur an und in Folge dessen arbeitet die Hinterhand und der wichtige Übergang in der Lende immer besser.
Bei Jack hat es etwa ein halbes Jahr gedauert, bis man wirklich etwas gesehen hat (Lende ist bei ihm mit die größte Problemstelle), also man darf sich da ruhig Zeit lassen, bis das Pferd den Bewegungsablauf verinnerlicht hat.
Das geht natürlich auch frei und mit Wortsignalen, aber es sollte am besten auf der gebogenen Linie gearbeitet werden.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Avaris am 01. Oktober 2018, 09:25:00
Danke danke danke :hug: Das behalte ich alles im Hinterkopf!
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Nepomuk am 01. Oktober 2018, 09:30:45
Allgemein gültige Aussagen zur Hufbearbeitung bei hypermobilen Pferden kann ich natürlich nicht treffen, dafür habe ich mich noch nicht ausreichend damit auseinandergesetzt (hätte aber Potential, mein nächstes Projekt zu werden :juck: )

Die Pferde, die ich kenne, zeigen eine Zehenfußung, wobei ich das weniger auf die Hypermobilität als auf zu lange Zehen und/oder einen unbequemen hinteren Hufbereich zurückführen würde.
Was aber auffällig ist, ist, dass sie "gerne" während einer Bearbeitungsperiode seitlich verkippen. Ich vermute, dass sie durch die größere seitliche Beweglichkeit der Zehengelenke häufiger wegknicken als stabile. Wenn das oft genug passiert, formt sich der Huf auch in die Richtung und sie knicken noch öfter weg.

Was das Training angeht, bin ich inzwischen Fan von Equikinetic, wobei man da eher mit geringer Intensität anfangen sollte als bei anderen Pferden. Außerdem mag ich alles, was in Richtung Wippen, Steppen, Wackelbretter geht, also gut für die Propriozeption ist.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 01. Oktober 2018, 11:20:03
Zitat
Außerdem mag ich alles, was in Richtung Wippen, Steppen, Wackelbretter geht, also gut für die Propriozeption ist.
:uschreib: und für die Bauchmuskulatur. Die Bauch- und Rumpfmuskulatur zu stärken ist ein Schlüssel zu hypermobilen Pferden.
Außerdem auch Faszienorientiertes Training, da weiß ich aber noch nicht, wie ich das über positive Verstärkung aufbauen kann. Ich habe das mit Jack an der Longe gemacht, aber es ist eben Arbeit mit durchaus konkreter Verbindung zum Kappzaum - hat mehr was von Krankengymnastik als von spielerischem Training, ist aber enorm wirkungsvoll (und furchtbar schwer zu erklären :tuete: )
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Friedalita am 01. Oktober 2018, 12:36:15
Ich unterschreib bei Anett zu den Hufen. Häufig kippen die Pferde auch stark auf eine Hufhälfte, die dann schnell übersteil werden kann und sich nach innen verbiegt durch die Überlastung. Sie fußen beispielsweise durch einen instabilen Burstkorb leicht paddelnd zuerst mit der äußeren Hufhälfte auf und kippen dann noch seitlich nach außen weg durch die fehlende Muskuatur im Rumpf. Dadurch hebelt die innere Hufhälfte weg und trägt kaum noch. Gerne hängen diese Pferde auch im Burstkorb und hinterm Widerrist, was dann zu flache Hufe durch zu viel Gewicht auf den Trachten (die durch die Überbelastung unterschieben und/oder einrollen) hervorbringt.



Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 01. Oktober 2018, 12:44:48
Zitat
Gerne hängen diese Pferde auch im Burstkorb und hinterm Widerrist, was dann zu flache Hufe durch zu viel Gewicht auf den Trachten (die durch die Überbelastung unterschieben und/oder einrollen) hervorbringt.

 :nick: :nick: :nick:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Bettina am 01. Oktober 2018, 15:22:22
Sehr sehr spannend, diese zusammenhänge!!! Danke euch fürs darlegen! :cheer:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 01. Oktober 2018, 17:40:30
Ich möchte noch ergänzen, dass viele auch zu flache Trachten der Hinterhufe haben, weil sie von hinten her versuchen, den Rücken aufzuspannen, und damit immer zu viel Gewicht auf die hinteren Trachten bringen. Da kann man als Hufbearbeiter machen was man will, wenn nicht das Ganze mit dem Aufbau des Rückens Hand in Hand geht, wird man da keine Trachten "züchten" können.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Friedalita am 01. Oktober 2018, 18:55:59
Und wenn sie hinten stark nach außen oder innen kippen kommt das dann von der Instabilität woher? Knie würden mir einfallen  :juck:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Sanhestar am 01. Oktober 2018, 19:13:25
Sprunggelenk wäre auch noch eine Möglichkeit.

Das fällt mir bei Ziegen oft auf. Die werden/wurden auf breite Beinstellung selektiert, damit die Euter Platz haben. Und beim Gehen drehen dann ganz oft die Sprunggelenke nach aussen, weil das Becken oben schmal bleibt - quasi züchterisch selektierte Kuh-hessigkeit
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 01. Oktober 2018, 19:44:14
Und wenn sie hinten stark nach außen oder innen kippen kommt das dann von der Instabilität woher? Knie würden mir einfallen  :juck:

Sowohl Vorder- als auch Hintergliedmaße haben quasi "Muskelspangen", die von außen Stabilität geben. Bei uns ist das am Bein z.B. der Tensor fascie latae, der auch so gerne Triggerpunkte hat, weil er mit Halten überfordert ist.
Beim Pferd ist das zb. die Quadricepsgruppe (damit auch Kniestabilisatoren) und auch der Tensor Fascie latae.
Die Adduktoren spielen in der Stabilität auch eine große Rolle und viele Pferde drehen im Sprunggelenk, weil die Muskeln zu wenig trainiert sind.
In der Vorhand sind das die äußeren Schultermuskeln (infraspinatus und Supraspinatus), der breite Rückenmuskel (zieht von der innenseite Schulter zum oberen Rücken) und das, was hinterm Trizeps liegt (geht in die Rumpfmuskulatur über)
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 01. Oktober 2018, 19:47:03
Das Becken z.B. hat ja irre starke Bänder, die das Ende der Wirbelsäule (und damit die gesamte Wirbelsäule) im Becken stabilisieren. Die sind bei hypermobilen Pferde ja auch weicher, wodurch nun auch das Becken mehr durch die Muskulatur stabilisiert werden muss.
Jack konnte ich ganz zu Anfang fast umschmeißen, wenn ich ihn an der Kruppe bewegt habe.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Avaris am 01. Oktober 2018, 20:07:41
Darf ich noch einmal eine dumme Frage stellen?

Ich habe es nun im Kopf so abgespeichert, dass es für hypermobile Pferde von Vorteil ist, eine gute Muskulatur aufzubauen, um dem ganzen etwas mehr Halt zu geben. Ich dachte immer, dass Frodurs Hypermobilität durch die zu langen Kniebänder kommt - ist das richtig oder falsch?
Zum Thema Muskelaufbau werden ja Seitengänge sehr empfohlen. Heute habe ich gelesen, dass die für "Kniepferde" Gift sein sollen. Stimmt das? Lieber ganz sein lassen?

Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Friedalita am 02. Oktober 2018, 07:28:35
Danke Heike! Ich hab die ganze Zeit am Becken rumgegrübelt, jetzt versteh ichs  :cheese: :keks:

Die Hypermobilität macht dich insgesamt beweglicher, längere/dehnbarere Bänder und Sehnen. Es ist also noch wichtiger gute Muskulatur aufzubauen, um die Strukturen (Gelenke und Sehnen/Bänder) zu schützen und zu stabilisieren. Ich bin selber hypermobil und habs zum Beispiel schon mal geschafft mir die Schulter leicht auszukugeln (und wieder rein). Meine Bizepssehne findet das auch 1 Jahr später immer noch mal erwähnenswert, dass das nicht so doll war.

Für die Knie hat mir Heike vor etlichen Jahren die isometrischen Übungen (guckst du mal in der Suchfunktion) empfohlen sowie das Knietarget. Ebenso kann die Arbeit mit den Pads hilfreich sein und die Kurlandübungen. Man muss halt schauen, wie viel rückwärts das Pferd kann. Wenn das Knie relativ stabil ist machen die Seitengänge schon Sinn, da sie die Muskulatur am Bein kräftigen.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Sanhestar am 02. Oktober 2018, 07:35:19
Ich denke, es ist auch immer eine Frage, des "wie viel/wie oft/wie intensiv"

Wenn ich zwei Schritte seitwärts frage und dabei die Hankenbeugung nicht übertreibe, ist das was anderes, als eine lange Seite Traversale am Stück.

Vor allem, wenn ich hinhöre zum Pferd, ob es die Übung noch flüssig zeigen mag oder mir anzeigt: "es wird unangenehm".
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 02. Oktober 2018, 10:21:25
Darf ich noch einmal eine dumme Frage stellen?
Dumme Fragen gibts nicht :)

Zitat
Ich habe es nun im Kopf so abgespeichert, dass es für hypermobile Pferde von Vorteil ist, eine gute Muskulatur aufzubauen, um dem ganzen etwas mehr Halt zu geben. Ich dachte immer, dass Frodurs Hypermobilität durch die zu langen Kniebänder kommt - ist das richtig oder falsch?

Hypermobilität ist ein Begriff dafür, dass das komplette Bindegewebe zu elastisch ist - Also Bänder, Bindegewebe, Sehnen usw.
Zu lange Kniebänder ist eine andere Sache.
Ein Pferd kann hypermobil sein und zu lange Kniebänder haben, oder es ist nicht hypermobil und hat zu lange Kniebänder (war bei Mirko der Fall) oder es ist hypermobil im Allgemeinen, hat aber keine zu langen Kniebänder.
Wobei "zu lange Kniebänder" auch immer ein komplexeres Bild ist, was vom Gebäude her zb die Beckenstellung mit einschließt, die Oberschenkellänge (also von der Hüfte zum Knie) und daraus resultierend am wichtigsten: Der Haltezustand des Mm. Quadriceps, der die Kniescheibe bewegt/hält.   "Quadriceps" heißt "vierköpfiger Muskel" und der ist oberhalb vom Knie, quasi zwischen vorderer Beckenkante, Hüfte und Knie. Die "Kniebänder" sind die Verbindung vom Quadriceps zur Kniescheibe. Wenn also der Mm. Q. zu wenig Haltespannung hat, weil zb die Beckenstellung ungünstig ist (zu steil, zu kurzes Becken), dann fehlt den Bändern die nötige Spannung, um die Kniescheibe vernünftig zu führen und es "hakelt" beim Laufen.
Bei Mirko war das so als er in der Ebene wohnte. Sobald wir in hügeliges Gelände gezogen sind, und er mehrmals täglich seine Hinterhand zum Berg hoch schieben benutzen musste, war das Problem innerhalb von zwei Wochen erledigt - vorher konnte er keine Runde mehr laufen, ohne dass ihm die Hinterhand wegknickte.
Deshalb sind da isometrische Übungen gut, die den Quadriceps aufbauen - dh. quasi verkürzen, damit die Bänder etwas mehr Spannung bekommen -  wenn man keine Berge hat.

Hypermobilität ansich macht auch weichere Kniebänder, aber nicht in dem Ausmaß. Da geht es um die Stabilsierung (und Lockerung) der gesamten Muskulatur, die mehr arbeiten muss als es eigentlich gedacht ist, weil der Bandapparat um die Gelenke eben zu instabil ist.

Zitat
Zum Thema Muskelaufbau werden ja Seitengänge sehr empfohlen. Heute habe ich gelesen, dass die für "Kniepferde" Gift sein sollen. Stimmt das? Lieber ganz sein lassen?
Wenn man zu starke Abstellung macht und zu großschrittig arbeitet, ja. Das Kniegelenk ist ein Scharniergelenk, es kann nur eine Richtung. Arbeitet  man über die physiologische Richtung, werden die Bänder überdehnt und können in der Zukunft evtl das Knie schlechter halten. Deshalb muss man sehr korrekt in der Richtung arbeiten, aber Seitengänge an sich (gutes Schulterherein) sind total förderlich für die Rumpf- und Lenden muskulatur.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: JeyChey am 19. April 2019, 15:41:22
Ich abonnier hier mal, falls neues dazu kommt.
Jolly ist ja auch deutlich hypermobil in der Lende trotz seiner geringen Grösse und dem kurzen Rücken.
Oft steht er mit weit ausgestellter Hinterhand da und döst, als hätte er vergessen seine Beine nachzuholen :kicher:
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Mauna am 22. April 2019, 20:11:24
Hmmmm, nachdem ich das Thema hier komplett gelesen hab frage ich mich ob ich durch die letzten Jahre, in denen ich "akademisch" gearbeitet hab, meine Isistute aus ihrer muskulär gehaltenen Stabilität heraus gearbeitet habe und sie hypermobil gemacht habe. Früher war eigentlich gefühlt alles fest an ihr, sie ist auch immer gern gelaufen, seit nun schon längerer Zeit jedoch hängt sie in den Schultern,  mag nicht mehr längers laufen und geritten werden schon gar nicht ( was sie mittlerweile durch beissen kundtut...). Ich hab schon viel mit Seitengängen an der Hand und geritten gemacht.
Bergablaufen derzeit noch am ehesten, eben so lala und bergauf bitte nicht. Heike hat Hypermobilität und zu flache Hufstellung festgestellt.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: JeyChey am 22. April 2019, 21:22:03
Wie lange hat sie die Hufstellung denn schon? Hat sich das zeitgleich entwickelt? Wie alt ist sie?
Grundsätzlich sollte ja bei mehr Muskulatur auch mehr Stabilität gegeben sein trotz der besseren Lockerheit.
Was wäre, wenn die Hufe vorsichtig korrigiert werden und dann darauf aufgebaut wird?
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Muriel am 23. April 2019, 21:20:42
Hmmmm, nachdem ich das Thema hier komplett gelesen hab frage ich mich ob ich durch die letzten Jahre, in denen ich "akademisch" gearbeitet hab, meine Isistute aus ihrer muskulär gehaltenen Stabilität heraus gearbeitet habe und sie hypermobil gemacht habe. Früher war eigentlich gefühlt alles fest an ihr, sie ist auch immer gern gelaufen, seit nun schon längerer Zeit jedoch hängt sie in den Schultern,  mag nicht mehr längers laufen und geritten werden schon gar nicht ( was sie mittlerweile durch beissen kundtut...). Ich hab schon viel mit Seitengängen an der Hand und geritten gemacht.
Bergablaufen derzeit noch am ehesten, eben so lala und bergauf bitte nicht. Heike hat Hypermobilität und zu flache Hufstellung festgestellt.

Ich glaube nicht, dass die akademische RK alleine "schuld" ist. Wohl eher das Alter und die zunehmende Erschlaffung des Bindegewebes. Bei meinem Connemara habe ich das deutlich gemerkt ab dem Alter von 16 - auf einmal musste ich aufwärmen vor der Arbeit, und auf einmal sah er vor der Arbeit 5 Jahre älter aus als danach, wenn alles einmal durchblutet und gestrafft war.
Hypermobile Pferde stabilisieren sich gerne durch Verspannungen. Wenn man die dann noch zusätzlich durch gute Arbeit löst, und nicht entsprechend stabilisierend muskeln aufbaut, kann es eben vorkommen, dass sie quasi "zusammenfallen". Und ich muss halt sagen, dass ich wenige kenne, die in die akadem. RK Schwung hineinbringen, da geht es oft um Geschmeidigkeit und weniger Kraft, und das ist dann das Quentchen, was bei so einem Pferd fehlt.
Titel: Re: Zuviel Beweglichkeit?
Beitrag von: Mauna am 24. April 2019, 21:36:33
Mána ist ja schon fast 26 und hat zudem 2 Jahre eigentlich schwer krank hinter sich (ist jetzt so 3 oder 4 Jahre her). 8 oder 9 Koliken in 2 Jahre, zum Teil sehr schwere, allergische COB mit massiver Atemeinschränkung, dann Diagnose EMS, Diät, komplette Umstellung der ganzen Haltung, der Zwang sie zu bewegen (Spazieren, nicht Reiten) obwohl eigentlich kaum Kraft hatte. Danach war sie nie mehr wie vorher. Irgendwann wieder angefangen zu reiten als wir aus der Kolikphase und COB raus waren, aber eigentlich war da der Rücken schon nicht mehr gut, hatte aber gedacht, es baut sich wieder auf. Viele Fehler meinerseits, leider auch eine Reitlehrerin, die mir wichtige Dinge nicht gesagt hat, so hab ich mir zB auch mit Fellsattel einen sehr schlechten Sitz angewöhnt, der ihrem Rücken nicht gut getan hat...Insofern kommt da bei uns eh viel zusammen.
Die akademische Reitkunst allein war es sicher nicht, aber ich hab den Gedanken dass es auch nicht geholfen hat, so wie ich es mir durch diese Arbeit eigentlich erhofft hatte.
Die Hufe - tja, da müsste ich mal ältere Bilder raussuchen zum Vergleichen, man wird ja doch betriebsblind, wenn man was jeden Tag sieht. Letztes Jahr waren sie jedoch bestimmt noch flacher, denn die wachsen derzeit etwas steiler nach (Letzten Sommer Duplo-Bekleb, jetzt barfuss und das Ziel die Stellung wieder zu verbessern).