Clickerforum

Clickertraining im Alltag => Bodenarbeit, Führen und Longieren => Thema gestartet von: Ehemaliges Mitglied 588 am 04. Februar 2014, 10:00:12

Titel: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Ehemaliges Mitglied 588 am 04. Februar 2014, 10:00:12
Hallo,

ich muss jetzt mal von einem "Problem" berichten, das ich mit meinem RB-Pferd Smarty habe. Und zwar ist es manchmal so, dass ich bei der Arbeit vom Boden aus oder auch beim Clickern das Pferd nicht von mir fern halten kann.

Z.B. beim Longieren: Ich habe die Longe eingehakt und will, dass Smarty losgeht. Fast jedes Mal geht er aber zuerst nur um mich herum, behält quasi den Kopf an meiner Seite und schwenkt nur mit dem Hinterteil nach außen. Erst, wenn ich die Peitschenhand hebe und ihn energisch rausschicke, hört er damit auf. Ich habe mir daher mal einen ganz kleinen Pylonen-Zirkel gebaut und wollte, dass Smarty (mit Halfter bestückt) außen läuft, ich innen. Wir haben eine halbe Stunde gebraucht und uns von Pylon zu Pylon geclickt, bis das einigermaßen ging. Er hält einfach keinen Abstand und latscht lieber alle Pylonen um  :confused:

Gestern nun wurde mir dieses Verhalten schon unheimlich. Smarty stand fast eine Woche und ich wollte ihn auf unserem großen Reitplatz laufen lassen, da ich merkte, dass konzentriertes Clickern erstmal nicht geht, bevor er sich ausgebockt hat. Statt loszudüsen, stand er aber nur bei mir, schlenkerte den Kopf rum, hüpfte ein bisschen um mich herum und stieg wie im Bilderbuch. Ich hatte keine Gerte oder so, und auf mein Klatschen/Scheuchen/Kscht sagen reagierte er nur weiter mit seinen Spielchen. Ich hab dann den Platz verlassen und mir eine Peitsche geholt, da konnte er dann plötzlich sehr wohl rumdüsen.

Eiiigentlich finde ich das ja sehr putzig, wenn er einen so auffordert, zumal es mir so Leid tut, dass Smarty in seiner Herde keinen Freund und Spielkameraden hat, aber ich bin eben kein Pferd und will nicht umgerempelt oder getroffen werden. Deswegen weiß ich auch nicht, was tun. Ein freudiges Pferd immer mit Peitsche abzuwehren ist ja irgendwie doof. Wie würdet ihr das Verhalten einordnen? Ist das nur Spiellust oder bin ich (wie ich soo oft zu hören kriege) "zu nett" und werde "verarscht"? An der Longe wechselt er z.B. gerne selbständig von der linken auf die rechte Hand. Das sieht dann so aus, dass er den Kopf reinnimmt, mich "keck" anguckt, den Arsch rausdreht und wendet. Wenn ich schnell nach rechts ausschere und ihn zurückschicken will, hüpft er vorne einmal lustig los und hat sein Spielchen gehabt. Das passiert je nach Tagesform bestimmt drei Mal pro Einheit und auch nur, wenn er nicht ausgebunden ist. Sieht sicher lustig aus, wie ich mich da abmühe, aber ich hab Angst, dass ich ihm zu viel Kumpelersatz bin und er mich nicht respektiert  :nixweiss:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Luke am 04. Februar 2014, 10:37:22
Ich kenn das.  :cheese: Meiner hat auch keinen Spaß daran alleine rum zu rennen. Das hat auch  nichts mit respektlosigkeit zu tun. Er verarscht dich auch nicht und ich glaube nicht das man zu "nett" sein kann.

Wenn Luke so drauf ist nehme ich einen Ball mit auf den Platz oder in die Halle  damit er einen Grund hat zu laufen. Der Ball animiert gejagt zu werden .

Beim Longieren (kann ich ja nur im Schritt und jog) haben mir die Tips aus dem Longenkurs geholfen. Zusätzlich kennt Luke die Komandos Hufschlag  und Kehrt, was ihm sehr geholfen hat. Ich habe mich hier vom Hufschlag nach innen hin verschoben. Step für Step. Nicht das Pony von innen nach außen. Er lief so also von Anfang an dort wo er sollte. Anstatt Pylonen kann man auch Stangen nehmen, die kann Pferd nicht einfach so umlaufen.

Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Samtnase am 04. Februar 2014, 11:06:48
Nelli ist auch so und ich musste ihr erst nahelegen, dass ich diese Tuchfühlung nicht wirklich möchte. Vor allem eben dann, wenn Spiel- und Tobelaune in der Luft liegt.

Dabei wende ich eigentlich verschiedene Dinge an, je nach Situation ...

Will ich explizit auf der Kreislinie arbeiten, dann baue ich mir oft eine "innere" Bande aus Dualgassen (analog Longenkurs, wie von Luke schon erwähnt). Erst führe ich sie dort so, dass sie außen läuft, ich innen, uns aber trotzdem nicht allzu viel trennt. Die Gassen sind einfach zwischen uns. Selbst mogle ich mich dann immer weiter nach innen und bestärke Nelli dafür, dass sie "ihren Kurs" dennoch beibehält. Das kann anfangs aber Zentimeterarbeit sein.  :cheese:

Gleichzeitig habe ich begonnen, das Weichen mit der Schulter auf Fingerzeig und Stimmsignal zu erarbeiten. Das klappt vielfach schon recht gut, ist aber lange noch nicht gefestigt.

Allerdings setze ich auch andere Körpersprachliche Signale ein, die sehr gut von meiner Maus wahrgenommen werden. Dafür musste ich aber selbst etwas experimentieren. Ich meine, dass ich diese Dinge mal irgendwo bei Romy gelesen habe. Wird es mir zu bunt und fühle ich mich zu sehr bedrängt, friere ich gerne einfach ein. Bleibe stehen. Meiner Erfahrung nach, hört dann auch das Pferdl direkt auf. Gleichzeitig verwende ich beim Führen und der Freiarbeit gerne meine Hüfte. Kommt Nelli mir zu nahe, schiebe ich meine ihr zugewandte Hüftseite zu ihr hin, also wollte ich sie damit "abdrängeln". Tatsächlich weicht sie dann intuitiv von meiner Hüfte weg und hält wieder mehr Abstand.

Auch stelle ich in diesem Zusammenhang immer wieder fest, wie wichtig die eigene Energie und Überzeugung ist. Starte ich in der Freiarbeit direkt mit einem konkreten Gefühl für meinen Individualbereich, mache mir diesen bewusst oder färbe diesen gedanklich als imaginäre Grenze sogar farblich ein, wird deutlich weniger in diesen eingedrungen. Unsere Gedanken sind da ziemlich mächtig und verleihen Ausstrahlung.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Moonrise am 04. Februar 2014, 19:01:02
Ich hab auch so einen Kandidaten  :cheese:
Der würd sich mir auf den Schoß setzen wenn er könnte  :confused: und wenn mal getobt wird, dann auch gerne DIREKT neben mir.

Anfangs hatte ich richtig Angst vor ihm, dachte er sei dominant, frech, würde mich provozieren. Longieren war unmöglich. Und die Peitsche war für ihn auch oft kein Grund, wegzugehen, sondern dann wurde ich angestiegen, weil er sich bedroht fühlte.
Jetzt führ ich ihn ans Longieren so ran, wie meine Vorschreiber schon erwähnt haben. Weit sind wir auch noch nicht, aber man merkt, dass er so Zentimeter für Zentimeter immer mehr damit zurecht kommt, weiter weg zu sein.

Seit mir klar wurde, der Kleine will mir nix tun, auch wenn er das Spielgesicht auflegt, klappt das auch ganz gut. Letztens hatte ich ihn am Strick, und er wollte endlich mal wieder was machen und trabte und schlenkerte dabei mit dem Kopf und schmiss die Vorderbeine durch die Landschaft - direkt neben mir. Aber ich wusste, er wird mich nicht treffen. Weil ich halt mittlerweile auch weiß, dass er zwar ein Büffel sein kann, aber er passt sogar in Schrecksituationen auf, mich nicht voll umzurennen.

Würd ich mich aber mit der Peitsche hinstellen und mit aller Kraft versuchen, ihn von mir weg zu bekommen, dann wär ich mir definitiv nicht mehr sicher, ob er mich nicht doch treffen könnte, denn da wird er halt wirklich böse. Das hängt halt wirklich vom Pferd ab, muss man ein Bisschen das Gespür dafür entwickeln, um zu merken, welche Stimmung da nun beim Pferd wirklich ist.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: noothe am 04. Februar 2014, 19:39:46
Kann mich da den anderen nur anschließen. Beim Longieren würd ich mal gucken auf welcher Hand es doller auftritt, die meisten Pferde haben ja ihre händige Seite, d.h. eine Seite wo sie sehr auf die Schulter fallen und nach innen kommen, und eine wo sie eher nach außen weg ziehen.

Und die Frage ist ja auch, ob er jemals erklärt bekommen hat, auf welche Signale das mit dem Abstand vergrößern geht. Er ist ja nur deine RB, richtig? Wie arbeitet die Besi mit ihm? Kennst du den Longenkurs?

Ansonsten sind Gegenstände (Ball, Frisbee o.ä.) praktisch, die man dann einfach ein Stück von sich weg befördern kann. Mit Chance laufe ich auf oft einfach zusammen los, und biege dann seitlich ab während sie Vollgas nach vorne gibt.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Ehemaliges Mitglied 588 am 05. Februar 2014, 20:37:46
Ich bin nicht allein, wie mich das beruhigt  :lol:
Die Tipps mit den Stangen und dem Einfrieren werde ich mir merken. Ob er mich treffen würde kann ich nicht so wirklich einschätzen - ich weiß ja nicht, wie gut er sich ausbalanciert. Beim Longieren bockt und tritt er manchmal nach der Longe, also in meine Richtung, da geh ich lieber auf Abstand. Smartys Besi kamen meine Probleme bekannt vor, aber wie sie die handhabt, weiß ich nicht. Ich nehme mal an, so wie ich: neu sortieren und ruhig weitermachen.

Den LK kenn ich, ich würde auch gerne danach arbeiten, aber da die Besi sich da nicht so reinfitzen wollen wird, bringt das denk ich nicht viel. Es ist eben einfacher (und ich machs ja selber so *an eigene Nase fass*), nach dem Aufwärmen das Chambon oder die Dreieckszügel einzuschnallen. Ohne läuft Smarty nämlich in Trab und Galopp absolut kontraproduktiv *seufz* Immerhin hört er inzwischen an der Hand auf die Signale zum Antreten und Stehenbleiben und kann FiS, das wars aber auch, wenn ich weiter weggehe oder mehr Tempo verlange ist die Hirsch-Giraffe zurück  :confused:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Ehemaliges Mitglied 588 am 09. Februar 2014, 14:05:15
Habe vorgestern mit Smarty erstmal an der Hand geclickert. Kappzaum drauf und Gertenknauf an die Schulter, bis er mit etwa einem Meter Abstand neben mir lief. Das ging so lala. Als er es einmal gut gemacht hat, wollt ich ihn etwas ablongieren, um danach bisschen zu reiten, aber Pustekuchen, der Herr fing an zu steigen (in meine Richtung, aber zu weit weg um mich zu treffen). Ich hatte ja leider nur die Gerte dabei, da nimmt er mich an der Longe nie ernst. Ich bin dann echt laut geworden und hab ihm Feuer unterm Hintern gemacht. Immer zur offenen Zirkelseite hin kommt er zu mir rein bis die Longe durchhängt und macht Blödsinn.
Als es ein bisschen gesitteter wurde, hab ich meinen Plan von Reiten in "richtig" Longieren geändert, damit er sich diesen Unsinn nicht als Ausweg abspeichert. Mit Longierpeitsche sah dann alles schon ganz anders aus... und mit Dreieckszügeln erst recht. Damit lief er dann für meine Begriffe ganz nett, auch wenn ich immer heulen könnte, dass ich solche Krücken brauche.
Ich habe unsere RL mal gefragt, ob sie mir LK-Unterricht gibt, so gehts ja nicht weiter  :watch:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Muriel am 09. Februar 2014, 14:33:27
Das Kleben hat ja durchaus ganz unterschiedliche Ursachen, ein paar wurden ja schon genannt.
Zum einen ist es das Unvermögen tatsächlich auf der gebogenen Linie zu laufen, weil das Pferd sich auf die innere Schulter stützt und sich auch optisch am Menschen anlehnt.
Was ein gängiger Fehler ist, den man sehr selten selbst bemerkt, ist dass man das Pferd, ohne es zu wollen, durch seine eigene Körpersprache zu sich her zieht. Verändert man dann die Position und die Körperhaltung, verstehen die meisten Pferde schnell, dass sie raus gehen sollen.

Sowas kann man aber nur feststellen wenn man das mal auf Video sieht :zaun:  :cheese:

Dann kommt natürlich dazu dass manche Pferde sich nicht weit vom Leckerliebeutel entfernen wollen.
(Bei Jack hab ich alles zusammen  :confused: )

da hab ich erstmal kleinkleinschrittig das Verlagern der Balance gearbeitet, erst im Stand, dann im Gehen, dann langsam das "Raus".
Für das "von mir weg" habe ich zb das "Go out", also von mir weggehen zu einer Pylone hin, geübt. Aktuell üben wir das Rückwärts weg von mir.

Trotzdem fällt ihm das Rausgehen an der Longe immer noch wahnsinnig schwer. Ich würde sagen, er hat es jetzt verstanden, aber ich fange bei jeder Longeneinheit da wieder von vorne an, obwohl ich jetzt fast drei Jahre daran arbeite  :tap:
Aber wenn er mal draussen ist, kann er es zumindest jetzt einigermaßen halten.

Ein anderer Ansatz ist deshalb auch, dass das Pferd schon auf der Zirkellinie steht, und ich mich entferne, und dann das Signal zum Antreten nach vorne gebe. Das setzt aber auch wieder viel voraus.

wenn er steigt - wieviel Auslauf hat er denn zur Zeit? Bewegungsmangel führt ja doch oft zu etwas *hust* Überschwang.

Alexandras "3Flip3" - Übung setzt da auch an der Schulterbalance an. Dem Pferd fällt es leichter, die Schulterbalance zu verändern, wenn es in Stellung geht (gleicher Gedankenansatz wie beim LK, aber eben "freiheitlicher". )
Wenn Du demnächst kommst, kann ich Dir das mal zeigen.

Was uns auch geholfen hat, war eben das aufbauen einer inneren Bande aus Pylonen, und ja, bei uns sind sie auch alle erstmal durch die Gegend geflogen :lol:
Franzi hat das dann mit Jack sehr schön beim Kurland-Kurs erarbeitet, irgendwo hab ich einen Film dazu, aber der ist zu groß um ihn hochzuladen. Müssen wir hier gucken.  :cheese:

Beim Führen kann man schon üben, bewusst geradeaus zu gehen. Sich selbst fokussieren auf einen Punkt, damit man auch gerade geht. Pferd sollte auf leichtem Abstand am durchhängenden Strick Deinem Weg folgen (das ist keine Voraussetzung, sondern das Ziel). Das kann man auch wieder gut in kleine Einheiten zerlegen.

Und dann würde ich am Kopfsenken arbeiten, erst im Stehen, dann im Führen, dann langsam auf Abstand gehen bis Du es in die Longenarbeit übernehmen kannst.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Ehemaliges Mitglied 588 am 09. Februar 2014, 14:56:06
Ich bin meistens allein im Stall oder mit Leuten, die nicht filmen können, da sie misten/füttern etc. Ich wills aber mal versuchen (leider gibts außer in der Halle keine Kamera-Abstellmöglichkeit, und ind er Halle darf man nicht longieren).
Die Einladung zum Videogucken und Anschauungsunterricht ist hiermit angenommen  :cheese:

Mit dem Auslauf ist es so, dass alle Pferde winters auf Paddock stehen. Stehen trifft es auch ziemlich gut, Bewegung gibts nur wenn Futter kommt oder einer den anderen wegjagt. Und da ich länger krank war, die Besi die letzten Monate auch krank oder beschäftigt war, steht der Arme grade ziemlich viel. Ich hätte gerne eine zweite RB, damit er mehr beschäftigt wird, aber die Besi hat glaube keine Zeit oder sieht die Dringlichkeit nicht, nach jemandem zu suchen  :-\

Nunja, wir arbeiten dran. Ich habe auch den Verdacht, dass meine Körpersprache schwammig ist. Kopfsenken im stehen geht sehr gut, im Gehen hab ich noch nicht versucht, da ich generell fast nur rumstehe beim üblichen Clickern  :tuete:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 08. September 2014, 15:50:53
Ich krame dieses Thema mal wieder raus, weil ich mal den Kopf gewaschen brauche.

Und zwar geht es um folgendes: Ich habe ja mit meinem Jungspund (4 Jahre) angefangen zu clickern und das auch sehr erfolgreich im Alltag integriert. Dank Clicker hab ich das Gefühl, haben wir Dinge gemeistert, an denen wir sonst möglicherweise gescheitert wären.

Das Problem war aber schon immer: Der Zwerg ist mein erstes, eigenes Pferd. Sich da direkt einen Jungspund zu holen war gewagt und risikobehaftet. Außerdem wollte ich ihm eine schöne Kindheit und langsame Einreite-Zeit gönnen und habe ihn daher immernoch rund 100km von mir entfernt beim Züchter stehen, wo er momentan zum Reitpferd ausgebildet wird. So kam es, dass ich nur an den Wochenenden bei ihm war und wir einfach generell wesentlich langsamer voran kamen, als andere gleichaltrige Pferde - generell aber nicht schlimm. Gerade jetzt über den Sommer wollte ich sein Vertrauen zu mir steigern und habe Spaziergänge, Schrecktraining, etc. fokussiert. Alles natürlich mit Clicker.

So. Jetzt dachte ich: Ich müsse mal wieder longieren, oder "Freiarbeit" (also im Prinzip longieren, nur ohne Longe) mit ihm machen. Tja, Pustekuchen. Er war nicht wegzubewegen. Kein Stück.
Das an sich finde ich ja nicht so schlimm. Mir ist klar, dass er lieber bei mir bleiben wollte, da gibt es schließlich die Leckerlies. Was mich nur so stutzig gemacht hat: Ich konnte mich zum Affen machen, wild fuchteln, Körperspannung aufbauen,....er hat sich nicht bewegt. Er weicht nicht mehr von mir weg.

Ist das jetzt fehlender Respekt? Irgendwie schon, oder? Clickern hin oder her. Er sollte mir doch trotzdem weichen, wenn ich ihn wegschicke, oder?

Was tun? Clickern erstmal weglassen? (Ich hatte zum longieren übrigens die Leckerlietasche nicht mitgenommen, in der Hoffnung, dass er das begreift).

Tja, Ende vom Lied war. Ich habe die Longe ausgehängt und habe ihn mit viel Druck nach außen geschickt. Nach ein paar Runden auf beiden Händen in Schritt und Trab habe ich ihn wieder zu mir in die Mitte geholt. Man merkte aber deutlich in seinem Verhalten, dass er das jetzt doof findet und viel lieber zu mir gekommen wäre. Er hatte überhaupt nicht den Elan, den ich von ihm kenne....

Sollte ich wieder mehr am Respekt arbeiten? Was meint ihr?

Über eine Einschätzung wäre ich dankbar. 

EDIT: Ich stöbere gerade durch das Inhaltsverzeichnis des Clickerkurses von Babette Teschen. Ein Kapitel heißt: "Typische Probleme beim Clickertraining und wie man sie vermeidet bzw. löst -
Mangelnder Respekt"
Das Kapitel ist aber nur eine Seite lang und ich denke, da geht es um die Futterbelohnung an sich...



Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Annabelle am 08. September 2014, 15:57:11
Ich denke das hat mit Dominanz so gar nichts zutun.
Hast du zur Abgrenzung Gassen oder Hütchen? wenn er noch jung ist, versteht er vielleicht auch nicht warum er plötzlich weg gehen soll. Ich kann mir nicht vorstellen das er es absichtlich gemacht hat, sondern einfach unsicher war, was er dnen nun überhaupt machen soll. Ich nehme gerne Markierteller oder eben Gassen oder Hütchen und erkläre ganz klar, das ich innen im kleinen Kreis laufe und das Pferd nur außen um die Hütchen den großen Kreis zu laufen hat. wenn Pferdi mal reinfällt ist es nicht schlimm und ich zeige auf die Schulter und Pferd geht wieder aus dem Kreis raus. Was Hilft die Körperspannung wenn das Pferd gar nicht weiß warum du dich nun anspannst...

(Meine Meinung...) Außerdem sollte man Fehler nicht immer sofort beim Pferd suchen, oft ist die Lösung ganz einfach wenn man sich selbst reflektiert oder das ganze mal mit einer Person durchspielt... dann fällt einem schnell auf wo der Fehler liegen kann. Und nicht so viel voraussetzen... das habe ich mir bereits hinter die Ohren geschrieben... und auch Pferde haben mal schlechte Tage  ;)

Zudem kommt das man Abstand eine ganz eigene Lektion ist die das Pferd erst mal begreifen muss.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: cinnamon am 08. September 2014, 16:01:10
beim clickern verstärkt man nicht nur die übung an sich, sondern auch nebenschauplätze, wie zum beispiel die distanz zum pferd, automatisch mit. wenn man viele dinge in unmittelbarer nähe markert, festigt man das nebenherstehen oder -gehen des pferdes also mit.
daher ist es wichtig, von beginn an übungen wie weichen (kann man frei formen oder mittels target aufbauen), rückwärts gehen, zirkeln mit entsprechender distanz zum pferd, abstellen, mattentraining, etc... ins training einzubauen.
was du jetzt machen kannst, ist vorrangig übungen von dir weg zu verstärken - als einstieg ist targettraining ideal, weil es  für mensch und pferd eine gute hilfestellung bietet.
als weitere trainingshilfe kann man mit physischen barrieren arbeiten - man kann sich beispielsweise einen longierzirkel in entsprechender größe am platz abstecken (geht schnell mit mobilen zaunstehern und litze oder flatterband) mit dem unterschied, dass das pferd in dem fall nicht innen drinnen gemeinsam mit dem menschen läuft, sondern der mensch im inneren steht und das pferd außen rum läuft. mit der zeit kann man die optischen hilfsreize minimieren, gegen stangen oder hütchen tauschen und irgendwann ganz weg packen.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 08. September 2014, 16:20:27
Ich denke das hat mit Dominanz so gar nichts zutun.
Hast du zur Abgrenzung Gassen oder Hütchen? wenn er noch jung ist, versteht er vielleicht auch nicht warum er plötzlich weg gehen soll. Ich kann mir nicht vorstellen das er es absichtlich gemacht hat, sondern einfach unsicher war, was er dnen nun überhaupt machen soll. [...]

(Meine Meinung...) Außerdem sollte man Fehler nicht immer sofort beim Pferd suchen, oft ist die Lösung ganz einfach wenn man sich selbst reflektiert oder das ganze mal mit einer Person durchspielt... dann fällt einem schnell auf wo der Fehler liegen kann. Und nicht so viel voraussetzen... das habe ich mir bereits hinter die Ohren geschrieben... und auch Pferde haben mal schlechte Tage  ;)

Zudem kommt das man Abstand eine ganz eigene Lektion ist die das Pferd erst mal begreifen muss.

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Nein, das kam falsch rüber. Mir ist klar, dass ich das Problem bin :D
Ich war naiv genug, um zu glauben, mein Pferd wüsste, dass es wenn er Kappzaum trägt und ich Longe und Peitsche in der Hand halte ans Longieren geht. Das haben wir vor Clickerzeiten regelmäßig gemacht. Er macht es auch jetzt mit unserer Bereiterin regelmäßig. Grundsätzlich weiß er was longieren ist. Er kannte auch das Kommando "Geh raus", wenn er auf den zweiten Hufschlag kommt.
Nur habe ich es eben seit dem Clickern etwas vernachlässigt - eben auch wegen der mangelnden Zeit.  :-\

Aber stimmt schon. Die Fragezeichen auf seinem Kopf waren sehr deutlich zu erkennen. Amer Zwerg, hat garnicht verstanden was ich von ihm will.   :-[ Auf Dominanz kam ich eben deswegen, weil er jetzt auch langsam wieder etwas frecher wird - keine Ahnung warum. Über den Sommer hinweg war er ein Lamm. Seit es wieder etwas kühler wird, fängt er wieder an zu schnappen, drängelt,....lauter kleine Tests. So dass ich erstmal daran gedacht habe, dass der junge Mann mich nicht Ernst nimmt.

@Cinnamon:

Auch Dir vielen Dank für die schnelle Antwort. Siehst Du, das habe ich völlig übersehen. Das auch die Nähe zu mir automatisch geklickt wird. Ehrlich gesagt (und so im Nachhinein fällt es noch viel mehr auf), wir haben auch massive Probleme mit der Übung "Bleib", oder "Steh". Also dass er so lange an einer bestimmten Stelle wartet, bis ich ihn wieder zu mir hole. Egal wo ich mich befinde. Das hätte ich mal konsequenter verfolgen sollen.
Targettraining machen wir momentan nur das Handtarget. Also Faust anstubsen und berühren. Sollte ich hier vielleicht wieder die Fliegenklatsche als "verlängerten Arm" verwenden? Oder welche Art Targettraining wäre hier sinnvoll?
Ich denke, dann arbeite ich vorangig daran, bevor ich mich nochmal ans Longieren wage.
Es ist aber auch unglaublich schwierig, ein Pferd mittels Clicker auszubilden, wenn der eigene Trainer davon nichts hält  :-\ Trainerwechsel ist vor April leider nicht drin.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Annabelle am 08. September 2014, 16:38:34
Gerade jetzt zum Herbst, wenn die Temperaturen etwas knackiger werden, sind es die Pferde ab und an auch  ;) dann wird schon mal rumgesponnen... vielleicht ist es auch übereifer. Wobei Pferde auch in Stresssituationen zum Schnappen neigen, wenn sie nicht wissen was gewollt ist, ober auch als Übersprungshandlung...
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: cinnamon am 08. September 2014, 16:44:50
mängel an der basis rächen sich leider irgendwann ;-)
das targettraining kannst du so weiter aufbauen, dass du vom handtarget bzw. von der klatsche zb. auf ein hütchen oder einen anderen gegenstand übergehst (neue, unbekannte gegenstände sind oft besonders interessant), diesen anfangs in der hand hältst, später am boden platzierst und mit der zeit immer weiter von dir weg legst.  so muss das pferd irgendwann einige meter von dir (und dem futter) weg gehen, um an die belohnung zu kommen.
man kann dann auch mit mattentraining beginnen (mithilfe der suchfunktion findest du viele beiträge dazu) und das pferd auf die matte schicken oder später auf ein podest oder eine plane.

das schnappen und drängeln ist ein ventil für das pferd, weil es nicht weiß, wohin mit seiner energie und seinen emotionen. es kann ein zeichen von unsicherheit und stress sein - manche pferde gehen dann nicht einfach weg vom menschen und stellen die mitarbeit ein, sondern werden körperlich. da wäre es wichtig, den grund für das unerwünschte verhalten herauszufinden, die energie zu kanalisieren und in erwünschtes verhalten umzuleiten - ein pferd, das gelernt hat, auf der matte zu stehen, kann dich zb. schon mal nicht bedrängen.
auch ist es wie gesagt jederzeit möglich über management zu arbeiten - wenn du dir mal nicht sicher bist, arbeite einfach über eine absperrung hinweg - dadurch hat das pferd keine möglichkeit, sich mit schnappen oder drängeln selbst zu belohnen.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 09. September 2014, 17:27:15
Vielen Dank euch beiden. Ihr habt mich ermutigt, nicht das clickern in Frage zu stellen. Meine Befürchtung war ja, dass ich mit dem Clickern aufhören muss, bis die "Respektfrage" geklärt ist.

@Annabelle: Ja, du hast Recht. Das hat sicherlich was mit den Temperaturen zu tun. Tief in meinem Hinterkopf hatte ich diesen Gedanken auch schon. Aber trotzdem war die Sorge größer, der Zwerg hat keinen "Respekt" vor mir. Ich dachte, selbst wenn er mehr Energie hat und wieder fröhlicher ist, sollte er doch trotzdem von mir weichen.... :-X Ich war doof. Merke ich selbst  :-\

@Cinnamon: Ja.  :cheese: Dein erster Satz ist so wahr. Dummerweise bin ich garnicht auf die Idee gekommen, das es ein "Basisproblem" sein könnte. Da ich ja noch vor dem Clickern mit ihm ganz normal longiert habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich das einfach so wieder abrufen kann. Auch wenn wir woanders noch Baustellen haben...tja. Satz mit X.

Das mit dem Targettraining werde ich auf jeden Fall anvisieren. Eine Frisbee-Scheibe dürfte sich dafür ja gut eignen.
Mattentraining hatte ich auch schonmal angefangen. Das hat er aber noch nicht so ganz kapiert als "Ort" an dem er bleiben soll. Wir machen minimale Fortschritte, aber wirklich nur minimal.  :-\
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Muriel am 09. September 2014, 22:54:41
guck mal, hier hab ich das "Go Out" mit Jack geübt, er wollte auch nie von mir weg.
https://www.youtube.com/watch?v=2O-us5EQ6xo
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 22. September 2014, 09:25:58
So, ich möchte nochmal einen Zwischenbericht geben. Am Wochenende konnte ich nochmal daran üben.

Samstag:
Heute wollte ich einfach versuchen auf das Bodentarget zu konditionieren. Dazu habe ich den Deckel eines Eimers genommen und ihn direkt vor Gabors Hufe gelegt. Seine Neugier führt dazu, dass er ihn sofort mit der Nase untersuchen möchte. C+B
Nach und nach habe ich den Abstand vergrößert. (Andersrum als bei Dir Muriel. Ich habe das Target weiter entfernt, so dass Gabor bewusst von mir weggehen musste). Weit habe ich das noch nicht gemacht, max. 2m oder so. Sobald der Winkel oder der Abstand nicht mehr gepasst hat, hat sich der Zwerg wieder an mich geklettet.  :cheese:

Sonntag:
Ich wollte das Bodentarget etwas festigen und ausbauen. Außerdem wollte ich die Anfänge zum "Rückwärts auf Entfernung" und "Steh" setzen.
Das Bodentarget hat schon fast 1A funktioniert. Gabor war wirklich sehr konzentriert und ich konnte am Ende der Übung (ca. 5 Min) das Target wie eine Frisbee ca. 10m weit werfen. Gabor ist von mir weg auf das Target zugetrottet und hat es angestubst. Fürs Füttern bin ich aber zu ihm gegangen (auch anders als bei Dir Muriel), weil ich generell wollte, dass er begreift, dass er mir nicht an der Backe kleben muss, dass es was zu essen gibt.

Das Kommando "Steh" habe ich nicht ganz "Clickerkonform" probiert. Und zwar habe ich ein langes Bodenarbeitsseil genommen und es einmal um den Zaun gelegt, das Ende in der Hand behalten. Dann habe ich mich in kleinen Schritten entfernt. Wollte Gabor mir hinterher wurde er am Seil gehalten, blieb er stehen gabs nen Click. Ich weiß auch, dass man das verbale Kommando erst einführen soll, wenn die Übung abrufbar ist und verstanden wird. Hier habe ich das "Steh" aber relativ früh eingeführt, zum Einen, weil ich vor längerer Zeit schonmal "Steh" geübt habe, zum anderen, weil ich hoffte, dass Gabor merkt, es geht um eine Übung.  :rotw: (Keine Ahnung, ob ich da nicht auf dem Holzweg bin).
Jedenfalls konnte ich mich am Ende ca. 2-3 Schritte entfernen, ohne dass Gabor mir hinterher ist. Diese Übung werde ich ab sofort täglich abfragen.

Rückwärts auf Entfernung will ich auf jeden Fall auch üben. Ich hatte das mal in einem Video von Muriel gesehen. Zurück kennt er eigentlich schon, ich merke jedoch, dass er hier mehr auf meine Körpersprache, als auf das Kommando achtet (Ich denke, das ist wohl normal). Deswegen habe ich Rückwärts wie immer abgefragt und ganz deutlich Zuuuurück gesagt. Mit Betonung auf das "Zu", einfach um ihm das verbale Kommando so deutlich wie möglich zu sagen. Ich habe dann angefangen, einen Schritt Rückwärts abzufragen, ohne dass ich mitgehe. Ein bis zwei Schritte konnte ich so einfangen. Allerdings ist das noch sehr unsicher und ich werde das nun auch in jede Einheit aufnehmen.

So wollte ich ihm mal den Eindruck vermitteln, dass es nicht nur bei mir tolles Futter gibt. So wie ihr es hier auch geraten habt.
Mein Ziel ist es, dass ich ihn an der Longe auf dem Hufschlag abstellen kann, das Kommando "Steh" sage und er dort bleibt, während ich auf den Zirkelmittelpunkt gehe. Das wäre auf jeden Fall schon eine deutliche Verbesserung.

Vielen Dank für eure Hilfe!
Und euren Zuspruch.  :dops:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: El Viento am 22. September 2014, 11:17:36
Das hört sich doch nach echten Fortschritten an!  :click:

Zitat
Das Kommando "Steh" habe ich nicht ganz "Clickerkonform" probiert. Und zwar habe ich ein langes Bodenarbeitsseil genommen und es einmal um den Zaun gelegt, das Ende in der Hand behalten. Dann habe ich mich in kleinen Schritten entfernt. Wollte Gabor mir hinterher wurde er am Seil gehalten, blieb er stehen gabs nen Click.

Hier solltest du darauf achten, deine Hilfe (also das Seil am Zaun) schnellstmöglich schrittweise auszuschleichen. Also z. B. nur noch über den Zaun legen, dann Seil auf den Boden, dann ohne Seil. Sonst läufst du Gefahr, dass das Seil zum Signal wird!

Zitat
Rückwärts auf Entfernung will ich auf jeden Fall auch üben. Ich hatte das mal in einem Video von Muriel gesehen. Zurück kennt er eigentlich schon, ich merke jedoch, dass er hier mehr auf meine Körpersprache, als auf das Kommando achtet (Ich denke, das ist wohl normal). Deswegen habe ich Rückwärts wie immer abgefragt und ganz deutlich Zuuuurück gesagt.

Vermutlich machst du das schon so, also nur zur Sicherheit: Gib erst das neue Signal ("zuuurück") und unmittelbar danach das bekannte Signal (also dein körpersprachliches). Denn macht man das andersrum wird das neue Signal (also in deinem Fall das "zuuurück") vom Pferd meist nicht wahrgenommen, da das bekannte Signal das neue Signal dann quasi überdeckt.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 23. September 2014, 11:02:42
Super, danke für die Tipps. Ich werde das nächste Mal darauf achten.

Ich habe auch gerade in der Trainer-Übersichtskarte gesehen, dass Du nur knapp 30km von meinem zukünftigen Stall entfernt wohnst, in den wir ab April ziehen werden.  :cheese:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: El Viento am 23. September 2014, 12:23:58
Zitat
Ich habe auch gerade in der Trainer-Übersichtskarte gesehen, dass Du nur knapp 30km von meinem zukünftigen Stall entfernt wohnst, in den wir ab April ziehen werden.  :cheese:

Darfst dich dann gerne mal melden, wenn du magst.  :)
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 06. Oktober 2014, 08:28:40
Vielen Dank, darauf werde ich auf jeden Fall gerne zurückkommen  :dops:

Vor allem, da ich jetzt nach dem Wochenende maximal frustriert bin.  :omm:

Die Situation passt zwar jetzt nicht ganz zum Thema,  aber ich muss mir kurz Luft verschaffen:

Kennt ihr das, dass ihr für das Clickertraining Kritik bekommt? Bestimmt! Aber am Samstag habe ich echt gedacht, ich fall vom Glauben ab. Mein Jungpferd steht ja noch beim Züchter und wird dort momentan eingeritten.
Ich kann aufgrund der Entfernung nur am Wochenende zum Pferd gehen. Knapp 100km trennen mich noch von ihm. Dadurch komme ich natürlich wesentlich langsamer beim Training voran, als Leute, die mehrmals die Woche mit ihrem Pferd trainieren können....klar.

Jetzt haben am Samstag nach meiner Reitstunde (auf einem Schulpferd), sowohl der Züchter (mein Reitlehrer), also auch die Bereiterin auf mich eingeredet, dass ich mit dem Clickertraining ja alles "versaue", auf gut deutsch.
Sie würde merken, dass ich mit Leckerlie arbeite, da er jetzt bei ihr versuchen würde zu betteln und schnappen. Das sei doch blöd, weil sie ihn jedesmal bestrafen müsste, weil er von ihr ja nichts bekommt. Dass er von mir beim Betteln auch nichts bekommt, hat sie in diesem Moment wohl ausgeblendet, oder nicht wissen wollen oder was weiß ich.  :stampf:

Gemein fand ich, dass der RL der Meinung war, bei mir würde der Zwerg nicht so gut stehen am Anbindeplatz....ganz ehrlich? Ich finde, er macht das mittlerweile ziemlich gut. Na klar, steht er nicht bombenfest 30min still, aber mei. Er ist noch jung. Da darf er auch mal kurz unkonzentriert sein. Wir arbeiten daran und es wird immer ruhiger. Klar steht er bei der Bereiterin genauso gut, oder sogar besser. Aber mein Einwand, dass sie ja bereits ihr Leben lang mit Pferden zu tun hat und ich noch Anfänger bin, wurde abgewunken. Dass sie mehrmals die Woche mit ihm arbeitet und ich nur 1-2mal gilt wohl auch nicht als Argument.  >:(

Besonders ärgert mich, dass vor einiger Zeit das Lob eben dieses Züchters kam, wie gut ich schon mit dem Zwerg trainiert hätte und was für tolle Fortschritte wir gemacht haben. Ebenso hatte die Bereiterin gelobt, dass sie merken würde, dass ich mit ihm regelmäßig übe. Das zählt wohl nicht als Erfolg.

Die Frage, die sie die ganze Zeit dabei hatten war: Warum clicker ich und warum lobe ich nicht ohne Clickern mit Stimme und Streicheln.
Ich war ehrlich verzweifelt, weil ich wusste, alles reden bringt nichts. Überzeugt bekomme ich die beiden ohnehin nicht, warum also gegen eine Mauer reden?
Ich hatte Argumente gebracht wie "ganz gezielt in der Millisekunde loben können". Ich habe aber gemerkt, dass ich sowieso nichts ausrichten kann.

Schlimm ist, bei anderen Einstellern wäre mir das sowas von egal. Hier bin ich aber noch auf deren Gunst angewiesen und das macht mich rasend. An diesem Tag habe ich natürlich auch nicht mehr mit meinem Pony trainiert, ich war viel zu aufgewühlt.
Am nächsten Tag natürlich ganz gehemmt.  :'(

Kennt ihr das?

Dabei habe ich gerade solche Fortschritte. Das Kommando "Steh" wird immer besser verstanden und "Zurück auf Entfernung" klappt immerhin schon zwei Schritte.

Dennoch bin ich jetzt maximal demotiviert.  :-\  :heul:

Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Annabelle am 06. Oktober 2014, 08:32:56
Sie müssten ihn jedesmal bestrafen, weil er bettelt? Mich würde erst mal interessieren wie sie bestrafen... und dann würde ich mich Gedanken machen ob ich ihn wirklich da stehen lassen würde. Es ist DEIN Pferd und du kannst entscheiden was du machst, und wenn du es in rot anstreichen würdest, sie hätten es zu akzeptieren.... klar, kann man auch mit kraulen z. B. loben wenn es eine Stelle gibt die er besonders mag...
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 07. Oktober 2014, 08:58:15
Ja, Annabelle. Du hast vollkommen recht. Es ist meine Entscheidung und diese haben sie zu akzeptieren.
Dennoch frustriert es mich natürlich, dass diese Schnapperei, die der Zwerg an den Tag legt auf das Clickern geschoben wird. Ungeachtet dessen, dass er vorher auch schon geschnappt hat und familiär bedingt seeeeehr maulfixiert ist. (Aber auch Mutter und Großmutter zeigen Ansätze zum Schnappen, auch wenn das natürlich aufgrund des Alters weniger wurde. Die Tendenz ist aber immernoch da.)

Kraulen an sich kann ich natürlich schon als Lob einsetzen. Mach ich teilweise auch. Aber eben nicht nur, weil er einfach durch Futter am besten zu motivieren ist und das ist mein Hauptziel: Motivation beim Pferd.

Ja, lange bleibt er ja nun nicht mehr dort stehen. Ein knappes halbes Jahr muss ich noch durchhalten. Vorher geht leider nicht, weil in meinem Wunschstall erst wieder nächstes Jahr Pferde integriert werden und dann auch nur, wenn die Koppelsaison wieder losgeht...  :traurig:

Das mit dem Bestrafen möchte ich erstmal nicht überbewerten. Dort wird schon sehr korrekt mit den Pferden umgegangen. Das war ja auch mit ein Grund, warum ich ihn überhaupt so lange dort stehen lassen habe. Ich nehme an, das war ein mahnendes Wort oder im Zweifel auch mal ein Klatsch an die Brust. Ich nehme an, mehr war das nicht. Nur....ich hab halt die Erfahrung gemacht, dass man damit nicht sonderlich weit kommt bei ihm. Im Gegenteil, es schaukelt sich so nur hoch. (In anderen Threads hatte ich das schonmal beschrieben). Ich finde daher die positive Verstärkung für ihn einfach perfekt.

Naja. Aber damit es nicht zu sehr OT wird noch ein kurzer Bericht von unserer kurzen Trainingseinheit am Sonntag:

Ich habe erstmal wieder nur Standards gefestigt, wie Führübungen und Halt auf Kommando.
Dann habe ich wieder Steh und Zurück auf Entfernung abgefragt. Beim Steh habe ich noch ein optisches Hilfsmittel dazugenommen, einfach um es ihm leichter zu machen. Ähnlich wie beim Ground Tying habe ich den Strick auf den Boden gelegt. Das hat allerdings dazu geführt, dass er zwar stehen geblieben ist :keks: Aber gleichzeitig "Kopf tief" angeboten hat.

Ich habe trotzdem geclickt, fand ich erstmal nicht schlimm. In Zukunft muss er das wohl nicht mehr machen. Mein Ziel ist es einfach, dass er stehen bleibt, egal wo, und egal was ich mache. Natürlich ist das noch ein laaaanger Weg, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.  :click:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Annabelle am 07. Oktober 2014, 09:52:43
Warum kannst du denn nicht den Trainern sagen wie du mit solchen Situationen umgehst und das sie das ggf. genau so wie du machen? Das wäre doch für alle das beste... so finde ich, wird er ständig durcheinander gebracht... aber was genau Strafe bedeutet weißt du nicht... und das würde ich nicht einfach so hinnehmen. Ich würde genau wissen wollen was sie mit ihm machen... Kinder schlägt man auch nicht nur weil sie dir die Zunge raus strecken... aber Tiere dürfen geschlagen werden und wenn es nur ein Klapps ist...
Aber das ist meine Meinung. Die möchte ich keinem aufzwingen... aber vielleicht zum nachdenken anregen  ;)
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 07. Oktober 2014, 16:24:18
Ja, du hast schon recht. Drüber nachdenken tu ich schon seit längerem. Generell bin ich mit der Situation auch garnicht mehr so zufrieden wie am Anfang. Ich bin wirklich froh, wenn ich ihn endlich zu mir holen kann. Nicht unbedingt wegen dem Stall, sondern auch, weil ich dann endlich täglich oder zumindest regelmäßiger mit ihm trainieren kann.

Auch wenn ich weiß, dass im neuen Stall das Leckerlie-Füttern auch kritisch gesehen wird.  :rotw:

Weißt du, das mit dem Schnappen ist bislang leider noch ein Never-Ending-Thema. Ich hatte es schon in anderen Threads beschrieben. Noch weiß ich leider selbst nicht, was die "richtige" Verhaltensweise ist. Daher kann ich ihr auch nicht sagen, wie ich es mir wünschen würde. Fakt ist, er ist einfach sehr sehr maulorientiert. Am Anfang war das ganz schlimm, zeigte sich auch über Strick kauen. Es wurde immer besser. Ich weiß nicht, ob ich ihm das versehentlich anerzogen habe. Er zeigte es nämlich schon relativ früh. Wann das angefangen hat, kann ich garnicht mehr so genau sagen. Am schlimmsten war es, wenn ich ihn am Putzplatz angebunden habe und am Hals gestreichelt/geputzt habe.
Weg bekommen habe ich es ausschließlich mit Clickern. Da habe ich aber auch gemerkt, dass dieses übliche Halsstreicheln für ihn kein Lob ist. Jedes Mal hat er dafür rübergeschnappt. Mittlerweile ist das Vergangenheit.
Bei mir zeigt er es hin und wieder noch, wenn ich ihn von der Koppel führe. Da weiß ich noch nicht genau, warum er das macht. Oder wenn ich am Kopf was bei ihm mache, bspw. den Schopf kämme und blöd stehe, so dass die Futtertasche verlockend nahe an seinem Maul ist.

So, letzteres ist sicherlich hausgemacht. Aber ich bin sicher, dass ich das ebenfalls über den Clicker in den Griff kriege.

Wann und warum er es bei der Bereiterin macht, kann ich garnicht so genau sagen. Ich schätze aber einfach mal, dass es in ähnlichen Situationen vorkommt.

Was mich einfach an der ganzen Thematik so nervt ist, dass sie mir berichtet hat, dass er auf dem Reitplatz relativ entspannt bleibt (anfangs war sie nur auf dem Longierzirkel mit ihm) und er zuverlässig Rückwärts und durchparieren zum Halt zeigt. Also genau die Punkte, die wir wirklich regelmäßig üben. Und nur, weil es "auch ohne Clickern geht", soll ich am besten damit aufhören.... ???
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Annabelle am 07. Oktober 2014, 16:50:40
Hm, wenn er schnappt weil du am Hals was machst, hast du das mal checken lassen ob er nicht doch was ernsteres hat?

Und ich kann nur noch mal sagen das es für mich keine Option wäre, wenn es mein Pferd wäre. Und ich mir da auch nicht reinreden lassen würde. Aber das muss jeder für sich wissen, wie viel Rückgrat man hat und ob man da wirklich eine Chance hat, gegen anzukommen. Und wenn man nicht da gegen ankommt ob man dann auch vorzeitig den Stall wechselt. Immerhin zahlst du ja sicher auch Geld für den Beritt. Und dann für etwas zu bezahlen was einem gegen den Strich geht... würde ich nicht, dafür wäre mir mein Pferd, mein Geld und meine Nerven zu schade.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: El Viento am 08. Oktober 2014, 09:02:54
Zitat
Ich habe erstmal wieder nur Standards gefestigt, wie Führübungen und Halt auf Kommando.
Dann habe ich wieder Steh und Zurück auf Entfernung abgefragt. Beim Steh habe ich noch ein optisches Hilfsmittel dazugenommen, einfach um es ihm leichter zu machen. Ähnlich wie beim Ground Tying habe ich den Strick auf den Boden gelegt. Das hat allerdings dazu geführt, dass er zwar stehen geblieben ist :keks: Aber gleichzeitig "Kopf tief" angeboten hat.

Ich habe trotzdem geclickt, fand ich erstmal nicht schlimm. In Zukunft muss er das wohl nicht mehr machen. Mein Ziel ist es einfach, dass er stehen bleibt, egal wo, und egal was ich mache. Natürlich ist das noch ein laaaanger Weg, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.  :click:

Finde ich gut, dass du dich auf die Basics konzentrierst. Das wird dir früher oder später zugute kommen. Und dass es lange dauern wird, dass er stehen bleibt egal was du machst, würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Mach dir dafür mal nen Plan, welche Schritte für "Pferd steht, egal was ich mache" nötig sind und arbeite gezielt dran. Wenn du die Kriterien langsam, aber stetig erhöhst kommst du deinem Ziel bestimmt bald ziemlich nah.

Warum kannst du denn nicht den Trainern sagen wie du mit solchen Situationen umgehst und das sie das ggf. genau so wie du machen? Das wäre doch für alle das beste... so finde ich, wird er ständig durcheinander gebracht...

Prinzipiell sehe ich das auch so. Allerdings wirst du meiner Meinung nach immer mal wieder in Situationen kommen, wo andere mit deinem Pferd umgehen müssen. Und es werden leider nicht alle dieser Menschen fähig oder Willens sein, so mit deinem Pferd zu arbeiten, wie du das möchtest. Daher würde ich mich eher darauf konzentrieren, dem Pferd das beizubringen was es benötigt, um auch in der "normalen" Pferde/Mensch-Welt klarzukommen. Und vielleicht findet sich auch ein Kompromiss indem du dich mit den anderen Personen, die sich um dein Pferd kümmern absprichst, was genau sie regelmäßig mit ihm machen und auch wo es noch Probleme gibt/was sich wer wünscht. Und dann so trainieren, dass sich das vereinbaren lässt.

Mein Pferd muss aufgrund eines Hufrollenbefunds im Moment täglich von der Box in einen Auslauf bzw. auf die Koppel gebracht werden. Als er noch im Offenstall war, war das nicht nötig, bzw. wurde von mir oder meinen zwei Freundinnen gemacht (da kennen alle die "Bedienungsanleitung" für Viento, der sich gern mal losreißt...). Jetzt muss es der Stallbursche machen, der wenig Ahnung von Pferden hat und gern Sprüche bringt wie "ich bin hier der Boss". Tja, da müssen wir jetzt alle durch. Der Stallbursche musste also lernen Viento an mehreren Punkten auf dem Weg zur Koppel zu füttern, wenn er lieb ist. Das eigentliche Kriterium ist dabei tatsächlich im Moment "Pferd ist noch da" und weniger "Pferd ist lieb", da er natürlich auch "am Pulli zupfen" etc. mitbestärkt... Na ja, da muss ich dann halt beim sonstigen Training konsequent sein, dann ist das nicht wirklich ein Problem.  Aber was ich eigentlich sagen wollte ist, dass ich hier keine Wahl habe und ich den Stallburschen nur teilweise kontrollieren kann. Nachdem Viento ihm einmal weggelaufen ist und mir klar war, dass er das an dieser Stelle mit Sicherheit ein zweites Mal versuchen wird, habe ich genau dafür trainiert. Ich bin die Strecke mehrfach täglich mit ihm gelaufen und habe ihn immer am gleichen Punkt (kurz nach der Stelle, wo er sich losgerissen hat) belohnt. So hätte ich normalerweise nicht trainiert, das war für den Stallburschen, denn Viento weiß damit, dass er IMMER an Punkt X (kurz nach der aufregenden Stelle) seine Belohnung bekommt. Ziel: er reißt sich nicht mehr los, steuert gezielt den Futterort an und bleibt stehen um sich füttern zu lassen. Das einzige, was der Stallbursche noch tun muss, ist Futter einwerfen.

Ich würde erstmal versuchen, mit Stallbetreiber und Bereiterin vernünftig zu sprechen, klarzumachen, dass du für dich einen Weg gefunden hast. Darüber würde ich auch nicht diskutieren oder ihre Trainingsmethoden schlecht machen. Stattdessen gezielt fragen, wo die Schwierigkeiten liegen und nach einer Lösung suchen. Es gibt für fast alles ein Alternativverhalten, das du trainieren kannst.

Ich bin gespannt, wie es bei euch weitergeht!
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: noothe am 08. Oktober 2014, 09:20:01
Allerdings wirst du meiner Meinung nach immer mal wieder in Situationen kommen, wo andere mit deinem Pferd umgehen müssen. Und es werden leider nicht alle dieser Menschen fähig oder Willens sein, so mit deinem Pferd zu arbeiten, wie du das möchtest. Daher würde ich mich eher darauf konzentrieren, dem Pferd das beizubringen was es benötigt, um auch in der "normalen" Pferde/Mensch-Welt klarzukommen.

:uschreib:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 14. Oktober 2014, 13:51:33
Hm, wenn er schnappt weil du am Hals was machst, hast du das mal checken lassen ob er nicht doch was ernsteres hat?


Nein, habe ich noch nicht. Sollte ich mal beim nächsten Mal ansprechen. Dadurch, dass es durchs Clickern jetzt beinahe weg ist, habe ich nicht das Gefühl, dass es schmerzbedingt ist.... :-\

Und ich kann nur noch mal sagen das es für mich keine Option wäre, wenn es mein Pferd wäre. Und ich mir da auch nicht reinreden lassen würde. Aber das muss jeder für sich wissen, wie viel Rückgrat man hat und ob man da wirklich eine Chance hat, gegen anzukommen.

Nein, für mich ist es eigentlich auch keine Option und reinreden lass ich mich ja auch nicht. Es verunsichert nur ungemein, wenn man so angegangen wird. Dass manche das Clickertraining nicht mögen ist ja die eine Sache, jemanden dafür aber so anzugehen das andere. Und letzteres möchte ich nicht tolerieren.

Und wenn man nicht da gegen ankommt ob man dann auch vorzeitig den Stall wechselt. Immerhin zahlst du ja sicher auch Geld für den Beritt. Und dann für etwas zu bezahlen was einem gegen den Strich geht... würde ich nicht, dafür wäre mir mein Pferd, mein Geld und meine Nerven zu schade.

Du hast Recht. Ich weiß nur deswegen nicht, was ich tun soll, weil mein Stall, bei dem ich nun seit über einem Jahr auf der Warteliste stehe, keine Pferde im Winter aufnimmt. Ein anderer Stall kommt für mich auf Dauer nicht in Frage. Die Auswahl ist hier auch nicht sonderlich groß. Und gleich zwei Umzüge hintereinander wollte ich Herrn Pferd nun auch nicht zumuten.... :-\ Schwer. Aber ich überlege schon seit langem auf einer Lösung rum


Finde ich gut, dass du dich auf die Basics konzentrierst. Das wird dir früher oder später zugute kommen. Und dass es lange dauern wird, dass er stehen bleibt egal was du machst, würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Mach dir dafür mal nen Plan, welche Schritte für "Pferd steht, egal was ich mache" nötig sind und arbeite gezielt dran. Wenn du die Kriterien langsam, aber stetig erhöhst kommst du deinem Ziel bestimmt bald ziemlich nah.

Ja, wahrscheinlich hast du Recht.  :cheese: Die Basics übe ich auch deswegen so lange, weil ich einfach will, dass die 100% sitzen. Erst wenn da alles sicher sitzt, werde ich an anderen Baustellen arbeiten. Ich bin ja nur maximal zweimal die Woche bei ihm. Wäre ich jeden Tag da, würde ich sicherlich auch noch mehr Abwechslung reinbringen. Bspw. das Spazierengehen kommt momentan auch zu kurz :-[

Prinzipiell sehe ich das auch so. Allerdings wirst du meiner Meinung nach immer mal wieder in Situationen kommen, wo andere mit deinem Pferd umgehen müssen. Und es werden leider nicht alle dieser Menschen fähig oder Willens sein, so mit deinem Pferd zu arbeiten, wie du das möchtest. Daher würde ich mich eher darauf konzentrieren, dem Pferd das beizubringen was es benötigt, um auch in der "normalen" Pferde/Mensch-Welt klarzukommen. Und vielleicht findet sich auch ein Kompromiss indem du dich mit den anderen Personen, die sich um dein Pferd kümmern absprichst, was genau sie regelmäßig mit ihm machen und auch wo es noch Probleme gibt/was sich wer wünscht. Und dann so trainieren, dass sich das vereinbaren lässt.

Ich würde erstmal versuchen, mit Stallbetreiber und Bereiterin vernünftig zu sprechen, klarzumachen, dass du für dich einen Weg gefunden hast. Darüber würde ich auch nicht diskutieren oder ihre Trainingsmethoden schlecht machen. Stattdessen gezielt fragen, wo die Schwierigkeiten liegen und nach einer Lösung suchen. Es gibt für fast alles ein Alternativverhalten, das du trainieren kannst.

Dadurch, dass ich maximal am Wochenende beim Pferd bin, wird er sowieso hauptsächlich von Fremden Personen gehändelt. Ausgerechnet halt auch von den beiden Personen, die mich in der beschriebenen Situation kritisiert haben. Die Hauptkritikpunkte waren:

- Leckerlies generell: Wird strikt abgelehnt, weil es zu frechem Verhalten führt
- Clickern sei zu mechanisch: Lobende Worte und Streicheln würde die Beziehung zum Pferd viel besser stärken

Die Schwierigkeiten liegen laut ihnen, dass er bei mir nicht ruhig stehen würde und dass er schnappt. Beides ist deutlich besser geworden, seit ich clickere. Sie meinen nur halt, dass es anders gelöst werden sollte und schneller -  soweit ich es verstanden habe. Aber es hat sich ja verbessert, stetig.  :juck: Deswegen verstehe ich die Kritik ja so garnicht. Geschnappt hat er schon immer, früher vielleicht aus Wallach-Spielverhalten, später wegen den Zähnen und dann vielleicht, weil ich ihm nicht klarmachen konnte, dass ich das nicht will. Ich wollte mich ja nicht ständig mit ihm anlegen. Erst seit ich clickere, konnte ich ihm ein Alternativverhalten anbieten, dass sich für ihn auch wirklich lohnt und seitdem ist das Schnappen deutlich weniger geworden. Ganz weg ist es noch nicht, aber ganz ehrlich? Das ist es bei seiner Mutter und seiner Oma auch nicht und für deren Erziehung bin ich nicht verantwortlich. Er ist einfach sehr oralfixiert.  :shy: Was natürlich keine Ausrede ist, das so zu akzeptieren. Ich arbeite jedes Mal daran, wenn ich mit ihm etwas mache.

Schlecht gemacht habe ich garnichts, ich habe mich nur in eine Rechtfertigungshaltung lenken lassen, aus die ich mich versucht habe rauszubugsieren. Ich habe gesagt, dass mir natürlich klar ist, dass es viele Wege gibt, ein Pferd zu erziehen und ich in keinster Weise anzweifle, dass es auch ohne Clickern geht, nur dass mit der Clicker halt hilft, gezielter mit meinem Pferd zu arbeiten.

Ich bin gespannt, wie es bei euch weitergeht!

Danke!  :lol: Soll und kann ich hier weiterberichten? Das driftet doch arg ins OT. Über ein Trainingstagebuch habe ich auch schon nachgedacht, dass mache ich ohnehin noch ganz altmodisch über mein Notizbuch, aber in Zukunft auch gerne digital.  :dops:

Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: noothe am 15. Oktober 2014, 00:24:00
Wie du magst. Der Bereich hier ist öffentlich, d.h. jeder kann Lesen (auch Gäste). Die Tagebücher sind nur für Mitglieder mit mehr als 10 Beiträgen sichtbar.
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: SaBo am 20. Oktober 2014, 15:27:35
Ich möchte nochmal einen (vermutlich letzten) Bericht in diesem Thread schreiben:

Am Wochenende habe ich das Kommando "Steh" weiter ausgebaut und mir generell nochmals Gedanken über dieses Thema "Spiel oder Dominanz" gemacht.

Steh klappt immer besser, ich bin momentan dabei es zu festigen. Heißt, ich gehe in jede Richtung vom Pferd weg und clicke jedesmal wenn er mich zwar ansieht, aber ansonsten stehenbleibt. Er hat sich selbst noch gedacht, "Kopf tief" würde in diesem Zusammenhang gut passen.  :dops: Finde ich nicht weiter schlimm, schließlich wirkt das beruhigend.
Außerdem arbeite ich parallel an der Dauer. Macht es in diesem Zusammenhang Sinn, ein Schluss-Signal einzuführen, welches das Ganze auflöst? Also "Bleibe so lange stehen, bis ich es sage" oder ergibt sich das einfach aus dem Click? Übertrieben gesagt, möchte ich ja in Zukunft auch, dass er mal ein paar Minuten einfach stehen bleibt.  ???
Was ich als nächstes üben möchte, ist dass ich mich auch mal umdrehe und etwas anderes mache. Momentan bewege ich mich noch rückwärts von ihm weg - Ziel soll aber sein, dass ich ihm das Kommando gebe und er so lange stehen bleibt, ob ich ihn beachte oder nicht. Bspw. wenn ich vor dem Reiten in Zukunft noch Stangen etc aufbauen will, oder danach den Hufschlag wieder reinholen möchte....das sind so Situationen, wo ich das gerne anwenden möchte.

Tja. Und ich habe mir viele Gedanken zum Thema "Dominanz" gemacht. Ich war ja anfangs etwas verzweifelt, weil er nicht von mir gewichen ist, wenn ich ihn wegschicken wollte. Im ersten Moment habe ich mir gedacht: Ganz klar, er respektiert mich nicht. Er muss doch weichen, wenn ich das will.
Nach längerem Nachdenken bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass er das ebenfalls lernen muss, wie alles andere auch. Also werde ich "weichen" installieren. Rückwärts kann er ja, auch die Hinterhand kann ich bspw. am Putzplatz wegschieben. Einzig die Vorhand. Die kann ich noch nicht weichen lassen. Aber nicht schlimm, dann lernen wir das. Und so wird das jetzt die nächste Baustelle, an der wir arbeiten.
Und das "Zurück auf Entfernung". Das klappt momentan erst ein bis zwei Schritte. Auf Dauer möchte ich da bis zu einer Pferdelänge installieren... :cheer:

Alles weitere werde ich aus diesem Thema auslagern, damit es nicht zu OT wird.  :cheese:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: noothe am 20. Oktober 2014, 16:05:36
Deine Überlegungen klingen gut  :thup:
Titel: Re: Pferd "klebt" an mir - Spiel oder Dominanz?
Beitrag von: Bettina am 20. Oktober 2014, 18:04:03
Einen Nachtragskommentar hab ich noch dazu:

Nach längerem Nachdenken bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass er das ebenfalls lernen muss, wie alles andere auch. Also werde ich "weichen" installieren. Rückwärts kann er ja, auch die Hinterhand kann ich bspw. am Putzplatz wegschieben. Einzig die Vorhand. Die kann ich noch nicht weichen lassen. Aber nicht schlimm, dann lernen wir das. Und so wird das jetzt die nächste Baustelle, an der wir arbeiten.

Ich meine im Kopf zu haben, dass das auch (körperlich) schwieriger ist, mit der Vorhand zu weichen als mit der Hinterhand. :)

Wir haben dazu auch ein Video von den Anfängen als ich dann Schulterweichen via Handauflegen begonnen hab: Klick. (https://www.youtube.com/watch?v=N0J8XWC5ZcI&list=UUyua4PPYDfUILrCabgCsLpQ)
Ich hab das dann weiter geclickt in Richtung Beine kreuzen. Natürlich kann man dann auch aber generell Richtung Vorhand verschieben / Hinterhandwendung* weiter arbeiten. :) (Oder beides.)

* Eine Hinterhandwendung zählt allerdings ja als versammelte Lektion, da das Pferd sich dabei auf die HH setzen muss, um das bewerkstelligen zu können. :)