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Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie

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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #105 am: 23. März 2022, 10:20:39 »
Ich hab mich geirrt, hier bei uns im
Stall ist nicht Wilsie persönlich, sondern eine Instruktorin: Kirsti Ludwig…

Aber wer Interesse hat: es gibt noch freie Plätze.
Diesen Samstag von 9-17 Uhr (aktiv 200€, passiv 150€) südlich von Stuttgart
Viele Grüße und bleibt gesund!

Sarah
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #106 am: 28. März 2022, 16:38:28 »
Ich kann hier vielleicht ein bisschen vom Kurs berichten, falls es interessiert.

Im Kurs hat man nun nochmal einen besseren Überblick über die Inhalte des Buches bekommen. Und ich muss sagen, teilweise fand ich es richtig gut und teilweise hat es meine Skepsis etwas verstärkt.

Die Kursleiterin war Kirsti Ludwig, die hier im Thread ja auch schon öfter erwähnt wurde. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich schon länger keinen Kurs mehr gemacht habe - bzw. wenn dann digital, aber anfangs fand ich es ein bisschen unstrukturiert. Ich hatte die Hälfte des Buches ja bereits gelesen, aber hätte mir hier etwas mehr roten Faden gewünscht. Klar, man muss auch sagen, dass es natürlich viel Inhalt für nur einen Tag ist.

Aber es war dennoch interessant. Anfangs haben wir eine Art geführte Meditation gemacht, damit man sämtliche Anspannung und Stress verliert und sich besser aufs Pferd einlassen kann. So was finde ich tatsächlich sehr sinnvoll und habe es mir oft vorgenommen, aber doch nicht regelmäßig durchgeführt.

Dann hat sie beschrieben, wie man ein Pferd begrüßen soll. Und das am besten schon von weitem. Das war mir auch recht klar, weil ich mir schon gut vorstellen konnte, wie ich das umsetze - Gabors Paddock sieht man bspw. direkt vom Parkplatz.
Dazu gäbe es eine "holding hand". Die man weich aufs Pferd richten soll und ihm damit klarmacht "ich nehme dich wahr".
Diese Hand soll auch Sicherheit vermitteln.

Man kann bspw. auch um die "Blase" des Pferdes herum gehen und nicht direkt auf es los. Wobei die eigentliche Begrüßung dann trotzdem frontal stattfinden soll. Außerdem imitiert unsere Hand dann die Nase. Sprich, man soll sich mit seiner Hand auch so verhalten, wie Pferde mit ihrer Nase. Bspw. untersuchen Pferde ja ganz viel, wenn sie irgendwo sind. Man soll daher auch immer wieder Dinge mit der Hand berühren.

Jetzt red ich selbst etwas wirr und unstrukturiert. Es gibt bei Sharon Wilsie eine 3er-Regel: Man soll alles möglichst drei mal machen. Die Begrüßung des Pferdes heißt daher: Halte die Hand Richtung Pferd, so dass es mit seiner Nase den Handrücken berühren kann. Dann geht man wieder kurz weg und signalisiert dem Pferd mit einer Armbewegung, dass man die Umgebung sichert. (Man zeigt quasi mit dem ausgestreckten Arm in die Ferne und macht dabei etwa einen Viertel-Bogen mit dem Arm). Dann wieder die Hand an die Nase halten und die andere Seite "sichern".
Beim dritten Mal berühren soll man anschließend seine "Blase" beanspruchen - aus meiner Sicht eine klassische "Horsemanship- Denke". Man soll also den entsprechenden "Button" drücken, auf der Backe des Pferdes und wenn das Pferd den Kopf zur Seite nimmt (was durchaus auch mit Druck passieren darf) soll man selbst auch zur Seite gehen und dem Pferd seinen Raum lassen.

Kristi sagt von sich selbst, dass sie mit Horsemanship nicht viel anfangen kann, weil es ihr zu sehr druckbasiert ist. Sie kommuniziert aber sehr gerne mit den Pferden mittels "Buttons" und sei davon sehr überzeugt.
Auf mich machte sie einen nicht ganz authentischen Eindruck - wobei ich zugeben muss, ich bin da wohl eher die einzige gewesen im Kurs. Ich bin einfach generell eher skeptisch  :lol:

Was nicht heißt, dass ich alles schlecht fand. Im Gegenteil. Sie hat viel dazu gesagt, dass wir mehr auf Augenhöhe mit dem Pferd kommunizieren sollen und wenn das Pferd "nein" sagt, das auch akzeptieren. Dass man das Pferd nicht "sich selbst" überlassen soll, wenn es bspw. Angst bekommt. Auch wenn es seit Jahren am gleichen Stall steht, kann der Reitplatz an dieser einen Ecke trotzdem jeden Tag aufs Neue gruslig sein und man soll selbst dann das Pferd beschützen, als darüber hinweg zu gehen.
Man soll das Pferd auch mehr achten. Bspw. wenn es in der Ferne etwas aufregendes entdeckt, soll man es nicht ignorieren, sondern seine Sorgen ernst nehmen und darauf eingehen.

Und das alles ist für mich und für wohl alle Menschen, die mit positiver Verstärkung arbeiten ja nichts Neues. Für viele aus dem Kurs aber eher schon, obwohl das keine Leute sind, die extrem druckbasiert arbeiten.

Die "Buttons" finde ich teilweise tatsächlich irgendwo einleuchtend. Es kann ja sein, dass viele wirklich so stimmen. Bspw. interpretiert Wilsie ein näher kommen mit der Schulter als ein "lass uns Freunde sein"

Es ist alles zu komplex, um es hier zu beschreiben.

Vieles werde ich versuchen, nämlich Gabor noch mehr zu vermitteln, dass ich auf ihn aufpasse und dass er sich auf mich verlassen kann.
Anderes halte ich für Quatsch. Bspw. soll man die Buttons unterschiedlich einsetzen können. Also nicht nur "drücken", sondern bspw. auch "ziehen". Der Weichen-Button an der Schulter könne man auch "ziehen", so dass das Pferd einen Schritt auf einen zugeht. Das klappte im Kurs aber ausschließlich mit Geziehe am Strick. Und klar, wenn man dann aufhört, sobald der Schritt kommt, wird das Pferd vielleicht auch auf ein "Ziehen am Button" reagieren. Aber nicht wegen des Buttons, sondern wegen der negativen Verstärkung des Stricks...

Ich glaube auch, dass vieles mit dem Clickern - zumindest bei mir - in die Quere kommt. Wenn ich die "holding hand" über Gabor halte, dann überlegt er erstmal was das für ein Target sein könnte, als dass er sich von mir beschützt fühlt.

Und was leider auch nicht so ganz rüber kam im Kurs war, wie andere Pferde diese Buttons denn nutzen. Vielleicht weiß das hier jemand, der sich damit beschäftigt hat...?

Ich bin etwas hin- und hergerissen. Wie gesagt, vieles fand ich gut (kannte ich aber übers Clickertraining schon), vieles fand ich unlogisch und nicht nachvollziehbar.
Viele Grüße und bleibt gesund!

Sarah
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #107 am: 29. März 2022, 00:02:21 »
Hm, also soweit ich das in Erinnerung habe, nutzen Pferde untereinander die "Buttons" genau so, wie Sharon es erklärt (weswegen sie ja überhaupt auf die Idee kam, diese selbst einzusetzen und anzuwenden).
Z. B. der "Hallo" (Greeting) Button ist die Nasenspitze. Da schnobern sich die Pferde untereinander an (nicht zwingend durch Berührung, sondern das geht auch auf Distanz!), um sich "einzuatmen" und zu begrüßen.
Oder der "Go Away Face" Button, das ist die Wange. Dort fragen die Pferde untereinander ganz subtil ein wenig mehr Raum an, wenn sie da hin schauen, nimmt das angeschaute Pferd den Kopf ein winziges Bisschen auf die Seite und voilá. Wenn das anschauende Pferd damit nicht zufrieden ist, schaut es auf den Mittelhals des Anderen und der weicht dann gegebenfalls nicht nur mit Kopf und Hals aus, sondern macht auch einen! Schritt vom Anderen weg.

Im Buch sind die Buttons nochmal ganz genau erklärt, sowohl in einer Zeichnung als auch ausführlich im Text.

Und die Hold Hand hat sowohl bei Nevada als auch bei Dori (bei der vor allem!) wahre Wunder bewirkt. Dafür muss man sie aber wirklich lange halten, mindestens 60, besser 120 Sekunden auf dem gleichen Fleck! Allerdings kennen die beide keine Körpertargets.

Bei mir ist es bald auch endlich so weit, ich freu mich so!!!
Viele Grüße Eva
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #108 am: 29. März 2022, 08:33:07 »
Ja, das mit den Buttons hab ich schon verstanden und finde es in gewisser Weise auch einleuchtend. Klar, die Begrüßung über die Nase kennt wohl jeder Pferdebesitzer, ohne sich je mit Horsespeak auseinander gesetzt zu haben...

Aber wie sollen die Buttons "gezogen" werden. Also welche Bewegungen machen die Pferde, wenn sie an den Buttons ziehen wollen, dass sich der Pferdekumpel näher her bewegt? :juck:
Das soll nämlich wohl auch gehen. In der Praxis sah es eben wie oben beschrieben aus: "Unterstützen" am Strick. Sprich, da wurde teilweise ganz schön gezogen.

Und was ich bei der Begrüßung auch noch nicht beobachten konnte - wobei ich mir fest vorgenommen habe, zukünftig noch mehr darauf zu achten - ist die Anfrage über den Button an der Backe, ob das jeweils andere Pferd etwas Platz machen könnte. Ich hab den "Button" bei meinem Pferd mal gedrückt. Ohne viel Druck hätte ich den Kopf nicht ohne weiteres wegdrücken können. Und bei meinem Pferd gilt sowieso: Wenn ich drücke, drückt er dagegen. Um hier ein Weichen zu erhalten müsste ich schon ganz schön unangenehm arg drücken...
und das widerspricht aus meiner Sicht dem Clickertraining. Laut Horsespeak soll damit "geklärt" werden, dass man sich gegenseitig Platz macht und damit wohl, dass das Pferd versteht, "diesem Mensch kann ich folgen".
Und da bin ich skeptisch. Das ist doch wieder Teil der Dominanztheorie, oder nicht? Vielleicht bin ich ja zu skeptisch, das kann schon sein.  :lol:

Wie gesagt, ich halte das nicht für vollkommener Quatsch. Im Gegenteil. Wenn es "normalen" Leuten - die bisher noch nie mit positiver Verstärkung zu tun hatten - mehr verinnerlichen, dass es eben darum geht, dem Pferd ein Mitspracherecht einzuräumen und weniger übergriffig handeln, dann ist es großartig.

Und vieles konnte ich für mich mitnehmen und habe es teilweise schon auch umgesetzt. Ob es wirklich Erfolg gebracht hat, kann ich erst nach mehreren Versuchen sagen.
Ich habe aber noch bewusster als bisher ohnehin schon, Gabor versucht zu vermitteln, dass ich entspannt bin. Wenn er als "Wächterpferd" die Umgebung abscannt und in eine Richtung starrt, positioniere ich mich vor ihn - um ihn zu beschützen - starre in die gleiche Richtung, zeige mit dem Finger dorthin und drehe mich nach kurzem Schauen ganz locker und entspannt zu ihm, um ihm zu sagen: "Ich habe es gesehen und für ungefährlich erachtet".


Was ich auch sehr schön fand und was ich bisher noch nie gehört habe, war die Ergänzung zu dem bekannten "Fight, Flight, Freeze". Die drei Begriffe kenne ich schon lange und konnte mein Pferd dort nicht immer einsortieren. Je  nach Situation kommt das eine oder andere durch. Der vierte Begriff ist "Flock" (bin nicht sicher, ob man das so schreibt) - nämlich so viel wie zusammenrotten. Und das fand ich ganz toll und beschreibt genau die mir bekannte Situation, wenn ich mit ihm bspw. spazieren gehe. Wenn er entspannt ist, kann er locker 1-1,5m neben mir gehen am lockeren Strick. Sobald er aufgeregt ist, positioniert er sich so, dass er mich mit seiner Schulter berührt.
Ich wusste schon, dass er einfach die Nähe braucht, wenn er ängstlich ist. Außenstehende beurteilen das als "drängeln" und das darf nicht, so dass ich in unsicheren Momenten drauf bestehe, dass er Abstand hält. Mit diesem neuen Wissen, werde ich das nicht mehr tun. Sondern versuchen, mich einfach nicht vom Weg schubsen zu lassen, ihm aber die Nähe gewähren.
Viele Grüße und bleibt gesund!

Sarah
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #109 am: 29. März 2022, 11:07:48 »
Vielen Dank für deinen Bericht.

Ich lese ja gerade "Mit Pferden sprechen", wo Sharon Wilsie ja ihren Erfahrungsweg zu Horse Speak beschreibt und ich meine, sie beschreibt da auch ganz am Anfang die Schwierigkeiten, diese Dinge zu beschreiben ohne dabei alte Bilder aufzurufen.

Für mich hat sich da auch ganz viel nach Horsemanship - will ich nicht - Gedöns angehört, weswegen ich die Sache initial ja auch beiseite gelegt hatte.
Aber ja - nur weil diese Erkenntnisse - die ja auch andere Pferdemenschen beim Pferdebeobachten hatten - in der Theorie, dass man das Pferd dominieren muss, verwendet werden, enthält Horse Speak noch lange nicht die Aufforderung zu dominieren. Sharon Aufforderung gilt zuerst dem Zuhören. Sie hatte initial selbst damit gekämpft, dass sie erstmal der Versuchung erlegen ist, ihre Erkenntnisse zu nutzen um dafür zu sorgen, dass das Pferd macht, was es soll. Das sollte aber nicht das Anliegen sein.   

Ich hab unsere kleine Herde jetzt  mittlerweile doch schon einen ganze Weile mit den Erläuterungen von Sharon Wilsie im Hinterkopf beobachtet - zuletzt ja auch eine Eingliederung - und ja, es geht dort um Raum und wo gehört jeder hin und wo findet jeder seine Sicherheit und ausgerechnet zu mir gehört der, der da am meisten ordnet. Das macht der oft aus der Ferne nur mit einem Blick. Selbst wenn der mit mir geht, guckt er oft den ein oder anderen nochmal intensiv an und scheint eine vorausschauende Ordnung einzufordern.

Der Meine ist sehr, sehr fein - der bewegt den Kopf teilweise schon weg, wenn ich den entsprechenden Button nur ansehe. Die beiden Vierjährigen kann ich dort berühren, da passiert gefühlt garnüscht und wenn dann nicht für lange. Der kleine Fuchs ist z.B. so ein richtiger Bubblepopper, ein Sonnenscheinchen, das auf alles und jeden zustürmt und begrüßen will und ganz genau untersuchen. Ja, wenn ich den nicht auf dem Schoß haben will, muss ich viele Knöpfe und sehr deutlich drücken, dann ist aber auch gut.
Und der blonde Welsh - den lässt man besser garnicht erst in seine Blase, wenn man mit dem nichts unternehmen will. Will ich nicht und das bekommt er bereits von Weitem mit relativ viel Energie mitgeteilt, sollte er sich auf den Weg machen. Viel häufiger reicht es aber auch bei dem, mit deutlichem X und festem "Bleib weg" anzusehen. Ist man mit dem erstmal in Berührung, wird es schwierig. Gegen den erlebe ich auch den Meinen oft sehr, sehr deutlich und körperlich, wenn eine gewisse Grenze überschritten ist und gerade wieder das Pubertier raus hängt.

Genau so erlebe ich aber auch, dass das ganze in keiner Weise geradlinig ist. Den obwohl der Meine überall seinen Raum in Anspruch nehmen kann, gewährt er diesen Raum genau so großzügig. Dem älteren E. z.B. Der darf ihn eigentlich immer und überall weg schicken oder/und sich dazu stellen.
Der E. ist für die beiden Jungpferde so ein bisschen der große Onkel. Mit dem sind sie seit dem Absetzen zusammen. Bei dem dürfen die echt alles, vor allem alles, was der meine verbietet.

Wenn man jetzt von einer geradlinigen Rangordnung und Dominanztheorie ausgeht - die Jungpferde dominieren E., E. dominiert den Meinen, meiner dominiert die Jungpferde ... Moment, passt nicht oder?

A pros pros Flock - das beobachte ich bei  unseren Pferden auch deutlich. Wann immer etwas Beunruhigendes passiert, klebt das Trüppchen zusammen - die Sturmtage z.B., verteilt man sich sonst auf der Fläche und residiert an unterschiedlichen Futterplätzen, wenn es stürmt langt eine Seite einer Heuraufe für 4 Pferde.

Stichwort an den Buttons ziehen - ja das geht, hab ich gestern extra probiert. Ich kann allerdings nicht beschreiben, wie und ich jetzt natürlich nicht sagen kann, wieviel bei dem Meinen da jetzt schon Konditionierung ist. Zu schade, dass da im Kurs scheinbar das zu sehr gezeigt werden wollte und dadurch evtl. zuviel zusätzlicher Druck gemacht wurde.

Auch schade, dass das Begrüßungsritual so einseitig beschrieben wurde. Ich unterhalte mich mit dem Meinen bei der Begrüßung tatsächlich niemals darüber, ob er mir wohl Platz machen könnte. Und auch bei ihm  habe ich es noch nie erlebt, dass seine nächste Anfrage nach einer Begrüßung Nase an Nase direkt die ist, ob der Kollege ihm dann jetzt wohl Platz macht. Wenn einer der Jungs zum Paddock zurück kehrt, findet die Begrüßung eher schon von Weitem statt und wenn man erstmal Nase an Nase angekommen ist, dann weiß man entweder schon, dass man gemeinsam essen oder spielen oder sonst irgendwas möchte.
Wenn der Meine und ich uns begrüßen, unterhalten wir uns ziemlich direkt darüber, ob wir unsere Blasen vereinigen wollen, ob ich an seiner Schulter sein darf, ob er mich umarmen möchte, ob er einverstanden ist, dass wir das nötige Halfter anziehen. Wenn er dort andeutet, dass er noch Raum braucht oder das es langsamer gehen soll, dann ist das so.
In dieser Situation um Raum und Abstand zu bitten, ist völlig sinnlos. Und nach meiner Beobachtung tun Pferde keine sinnlosen = energieverschwendenden Dinge. Über Abstand und mehr Raum unterhalten wir uns, wo es nötig ist.

Oh weh - viel geschrieben und vermutlich ziemlich wirr. Also - ich ziehe meinen Hut vor jedem, der sich willens und in der Lage sieht, solche Dinge zu erläutern und vorzuführen. Ich könnte das nicht. So einen Kurs abzuhalten ist sicher unglaublich schwierig.
Liebe Grüße Angela und das Traberbübchen
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #110 am: 29. März 2022, 14:48:15 »
Auch von mir vielen Dank für den Bericht :).
Das motiviert mich doch wieder, einen Kurs mit der norddeutschen HS-Vertreterin zu organisieren - werde ich nächste Woche beim VFD-Stammtisch mal ansprechen.

Hinsichtlich der "Blase" wird von Vielen wohl übersehen, dass das Wahren derselben auf Gegenseitigkeit berührt  - also Mensch und Pferd einen Anspruch darauf haben, dass ihnen da niemand reinrumpelt und auch Pferde gefragt werden möchten, ob man näher kommen darf.
Und die Größe der Blase ist wirklich sehr individuell. Manche meiner Ponys hängen wirklich manchmal Fell an Fell auf- und nebeneinander und Jungpferde werden wohl wirklich manchmal arg verzogen. Nio respektiert bei dem überaus geduldigen Onki quasi gar keine Blase (oder der fordert sie nicht und hat dann manchmal halt auch ein mass, das ihn schon nervt), bei dem entschiedenen und ggf. sehr vehement agierenden Cello auf weite Entfernung auf Ohrwackeln oder giftig gucken und bei Gismo (ebenfalls sehr gutmütig), wenn der dann doch mal deutlicher sagt, dass es ihm jetzt reicht.

Bei Menschen nicht anders - manche stört`s nicht, wenn ihnen Pony fast unter die Jacke kriecht, andere brauchen Abstand. Unter Menschen ja genauso.

Ich studiere mich ja grade durch Onlineseminare von Alexandra König, wo manches in ähnliche Richtung geht. Bei ihr kommt allerdings Energiesprache vor Körpersprache.
Ich übe mich fleißig darin, Nio meine Blase rechtzeitig klar zumachen und habe den Eindruck, er honoriert und versteht meine Bemühungen und rückt mir (und auch anderen) immer weniger auf den Pelz (oder er wird halt erwachsener). 
Beim hochtourigen Cello hatte ich schon länger den Eindruck, dass es uns beiden gut tun würde, physisch mehr Raum zwischen uns lassen, wusste aber nicht recht, wie. Mache das genau wie bei Nio und finde, dass es tatsächlich schon entspannter zwischen uns ist.

Diese Sicht von "Blase" hat jedenfalls nix mit der Horsemenshipp-Mässigen zu tun.

Hinsichtlich dem "natürlichen" Funktionieren solcher Buttons vermute ich, dass da zumindest bei den meisten erwachsenen und ausgebildeten Pferden die Konditionierung dazwischenfunkt, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Egal, ob bei V- auf Druck an bestimmten Punkten weichen oder bei V+ Körpertargets an bestimmten Punkten folgen. Das dürfte stark überlagern ....
Und die meisten Pferden rechnen ja auch überhaupt nicht damit, dass Menschen über pferdische Buttons kommunizieren wollen.
Wäre interessant, das an Pferden zu probieren, die von Menschen noch nicht nennenswert "manipuliert" wurden.
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #111 am: 24. April 2022, 21:31:05 »
So.
Ich bin jetzt nach vier Tagen! Seminar mit Sharon Wilsie persönlich wieder daheim und komplett geflasht (im positivsten Sinne, aber auch echt überflutet, war echt viel Input!).
Ganz kurz nur dazu, Sarah:

Und was ich bei der Begrüßung auch noch nicht beobachten konnte - wobei ich mir fest vorgenommen habe, zukünftig noch mehr darauf zu achten - ist die Anfrage über den Button an der Backe, ob das jeweils andere Pferd etwas Platz machen könnte. Ich hab den "Button" bei meinem Pferd mal gedrückt. Ohne viel Druck hätte ich den Kopf nicht ohne weiteres wegdrücken können. Und bei meinem Pferd gilt sowieso: Wenn ich drücke, drückt er dagegen. Um hier ein Weichen zu erhalten müsste ich schon ganz schön unangenehm arg drücken...

Wie nutzt du den GoAway-Face-Button denn? Also hältst du die Handfläche drauf oder gar daran oder zeigst du mit dem Zeigefinger drauf? Flache Hand wirkt wie ein Magnet und "zieht" das Pferd wirklich zu dir hin, um sozusagen wie bei einem Körpertarget anzudocken. Ausgestreckter Zeigefinger (oder auch mit "gekrümmten" Fingern, wie eine Bärenpranke) dagegen "stupst" die Backe aus dem Weg.

Was mich nachhaltig beeindruckt hat: wir waren 100! Teilnehmer, die am zweiten Tag auf die Paddocks von insgesamt 9 Pferden gestanden sind. Das war den Pferden nicht nur nicht unheimlich, sondern es war höchst spannend zu sehen, wie die nicht direkt "angesprochenen" Pferde teilgenommen haben. Alle 5, die in direkter Nachbarschaft leben, standen immer wieder eindeutig interessiert in Richtung des "sprechenden" Menschen und je nach dessen Interaktion mit den einzelnen Pferden kam eine eindeutige Reaktion von den pferdigen Zuschauern, sei es "nur", dass sie alle deutlich runder und "heubauchiger" aussahen, weil die Atmung tiefer wurde. Oder alle "zufällig" komplett geschlossen gestanden sind, und zwar wirklich entspannt, mit sleepy eyes, viel Gähnen und Lecken und Kauen.
War wirklich superklasse und ich kann es nur empfehlen. Die Atmosphäre war ganz friedlich und entspannt und ich glaube, es gab niemanden, weder Mensch noch Pferd, der enttäuscht oder unzufrieden heim gegangen ist. Zwar alle brot fertig und mit wirklich viel zum Drüber nachdenken, aber sehr beeindruckt.
Viele Grüße Eva
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #112 am: 26. April 2022, 14:27:53 »
Ach, da wird man ja ganz neidisch  ... ne, schön, dass ihr so tolle Tage hattet!
Zeigt ja auch wieder, dass Pferde tatsächlich "intrinsisches" Interesse an Menschen haben, insbesondere, wenn die sich alle Mühe geben, mit Pferden auf Augenhöhe zusammen zu sein und zu kommunizieren.
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #113 am: 26. April 2022, 14:37:16 »
Auf jeden Fall!

Ich bin jetzt noch motivierter, weil sich mir die Möglichkeit bietet, die beste Dori zu kaufen und bei dem ganzen Rumdenken und Rechnen und überlegen, ob ich das WIRKLICH kann, wäre das noch eine bessere Basis  :D
Viele Grüße Eva
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #114 am: 26. April 2022, 17:28:46 »
Woah, was für eine Nachricht hier so still und heimlich :dops: Da drücke ich mal fest die Daumen :dd:
LG Tine
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Ab und zu ist es gut, in unserem Streben nach Glück innezuhalten und einfach glücklich zu sein. ~ Guillaume Apollinaire
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Re: Sprachkurs Pferd mit Sharon Wilsie
« Antwort #115 am: 26. April 2022, 19:45:23 »
Danke, du Liebe  :D
Viele Grüße Eva
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