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Seminar mit Elsa Sinclair am 14 – 17.08.2021 in Niedersachsen

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Hat jetzt direkt nichts mit Clickern zu tun, aber vielleicht doch für die eine oder andere interessant. Aus gegebenen Anlass hatte ich mir schon allerlei auf ihrer Homepage angesehen (da ist viel zum Glück auch übersetzt) und grade haben mir frisch zwei Leute sehr von ihr vorgeschwärmt, die auch selber dabei sind.
Genaues findet ihr ggf. unter

https://pferdetermine.de/veranstaltungen/elsa-sinclair-freedom-based-training-2/

Ich hoffe, ich finde noch Mitfahrer (von uns aus immerhin über 200 Kilometer), aber ich glaube, notfalls fahre ich auch einen Tag allein …

LG
Katja
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Re: Seminar mit Elsa Sinclair am 14 – 17.08.2021 in Niedersachsen
« Antwort #1 am: 19. August 2021, 12:17:43 »
Zwei wunderbare Tage war ich als Zuschauerin beim Kurs. Die Organisation war toll, die Übersetzerin super, das Gestüt Goting Kliff eine sehr gemütliche Anlage. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal 40 -50 Leute (das wechselte besonders hinsichtlich der Zuschauer von Tag zu Tag) auf einen Schlag zusammen erlebt zu haben, die alle sooo am Pferd an sich und die immer bessere Kommunikation interessiert waren und nicht an den diversen „Manipulations – und Verbesserungstechniken“. Es kamen immer wieder neu Unbekannte, aber Gleichgesinnte ins Gespräch.
Ich habe 12 Seiten Din A5 in Kleinstschrift mitgeschrieben, die muss ich fix ins Reine bringen und sortieren, solange ich mein Gekrakel aus der Erinnerung noch entziffern kann.

Zur „Methode“ selber: definitiv anders als alles, was ich bisher erlebt habe – und ich bin schon einigermaßen rumgekommen und lese viel querbeet über so ziemlich alle Methoden und Ansätze. Ob Extremclickerer sie „zusätzlich“ anwenden können …? Pferde können vermutlich deutlich besser umswitchen als Menschen. Diejenigen, die sehr konkret (und ggf. auch erfolgreich) nach einem speziellen Ansatz vorgehen, tun sich damit sicher schwerer als diejenigen, die sich eher so „durchschlampen“ und wollen/ brauchen auch sicher keine Veränderung.
Interessant fand ich Elsas Definition von „dominantem“ Training: unabhängig von Methode usw. immer dann, wenn der Mensch der Lehrer und das Pferd der Schüler ist.

2018 war in „Natural Horse“ ein Bericht über Elsas ersten Kurs in Deutschland und ich weiß noch genau, dass ich damals dachte „interessant, aber das kann man doch alles auch super mit Futter und Clickern hinkriegen“. Mittlerweile weiß ich, das ICH das jedenfalls nicht kann (fehlende Konsequenz und Disziplin) und mir auch sehr viel verloren gehen würde, wenn ich mich hauptsächlich auf „technisches“ Vorgehen beschränken würde.
Außerdem haben mir beide Exis mehr als deutlich gesagt, dass ein bisschen zusätzliches Futter ja durchaus nett ist, ihnen anderes aber viel wichtiger ist.

Im Grunde bestand der Kurs hauptsächlich aus „freilaufende Pferde beobachten“, jeden ihrer Fokuswechsel (Selbstfokus, Herdenfokus, Umweltfokus, Fokus auf den „Führenden“ – denjenigen, der die letzte Entscheidung getroffen hat, Lernfokus)  zu erkennen, mitzumachen und für sie interessant zu werden. Dabei sind weder Halfter, Sticks, Stricke oder Futter im Spiel. Tempo bestimmen in jeder Hinsicht die Pferde. Die Menschen bewegen sich erheblich mehr als die Vierbeiner, nämlich immer dann, wenn die einen Fokuswechsel machen.
Die Botschaft „ich sehe ich, ich verstehe dich“ soll beim Pferd ankommen, die gemeinsamen Momente in Harmonie immer häufiger. Und der Mensch sollte wenn möglich immer gehen, bevor die Situation dem Pferd zu viel wird. Eine sehr hohe Kunst ….

Nach der Theorie haben sich die aktiven Teilnehmer auf großer Fläche mit 6 Schulpferden des Gestüts unterhalten, die äußerst unterschiedliche Meinungen dazu hatten, sich in ihrer Freizeit mit fremden Menschen zu beschäftigen. Sehr spannend zu beobachten.
Nachmittags waren dann Einzeleinheiten der aktiven Teilnehmer mit eigenen oder Leihpferden dran. Für mich waren einige Szenen dann wirklich herzerwärmend und bewegend.

Elsa hat unermüdlich kommentiert, jedwede Frage beantwortet (und nicht nur ich habe wie wild mitgeschrieben) und auch ausgiebig Beispiele aus ihren inzwischen sehr reichhaltigen Erfahrungen, insbesondere ihren „Forschungsmustangs“ berichtet. Und immer wieder betont, dass es vermutlich dauern wird, dass es keine feste Regeln gibt, der Weg das Ziel, aber eine unglaubliche Verbundenheit entstehen kann.
Man orientiert sich bei allem immer an „Wird es besser? Oder wird es schlechter“?
Das Ziel ist immer „Harmonie und Flow“ – bei beiden zusammen.
Kurz im Internet geklaut „Im Bewusstseinszustand des Flow ist, wer völlig in seiner Tätigkeit aufgeht, ganz im Hier und Jetzt ist und das Gefühl hat, dass alles stimmig ist.“

Ein echter Gewinner für mich war das Vorgehen, wenn in einer Gruppe einzelne Pferde etwas tun, was man grade nicht möchte oder gutheißt, z.B. sich dazwischendrängen, an Tasche grabbeln usw.: Am Pferd vorbei nach hinten weggehen, damit ggf. mit der Hand über Hals und Rücken streichen. Quasi als Information „danke, ich sehe dein Angebot, möchte es aber grade nicht annehmen“. Laut Elsa kapiert die Botschaft nach nur wenigen Wiederholungen jedes Pferd. Bei Nio wende ich das bisher schon immer mal wieder an (Tipp der Trust-Technique-Trainerin) und er hat es sofort verstanden, seit Dienstag möglichst konsequent auch bei den Shettis, wenn ich mich im Auslauf nur mit Gismo beschäftigen will und siehe – funktioniert super .
Die Shettis haben ja 7 bzw. 8 Jahre treu und engagiert mit mir so einiges mitgemacht und waren in vieler Hinsicht „Versuchskarnickel“. Eine Lehre habe ich auf jeden Fall für die Exis gezogen: ER-ziehung und BE-ziehung deutlich mehr zu trennen und exzessiveren Futtereinsatz (naja, in meinen Augen, ganz sicher nicht für echte R+-Experten) den konkreten Lerneinheiten vorzubehalten.

Nio und ich erobern seit 3 Monaten die Welt - ok, das Dorf - (solange es abends noch einigermaßen hell ist) und er will erkunden und erleben, keine Kekse.
Und ob Gismo je für Kekse „was tun wird“, darf immer noch bezweifelt werden, da bin ich deutlich zuversichtlicher, mich am „Freedom based Training“ zu orientieren.
Meine ersten stümperhaften Versuche fand er zumindest schon mal interessant (die anderen auch …).

Nächstes Jahr kommt Elsa wieder her und ich kann hoffentlich auch wieder dabei sein.

Gruß
Katja
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