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Autor Thema: Re: losreißen, bin überfordert und demotiviert. würde mich über tips freuen.  (Gelesen 243 mal)

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Rüsselnase

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Das klingt doch prima! Ganz viele Motivations- und Heldenkekse für Euch beide :cookiesbig:
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"Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas dazu beitragen, dass sie nicht zur Hölle wird" - Fritz Bauer -

noothe

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Ab und zu ist es gut, in unserem Streben nach Glück innezuhalten und einfach glücklich zu sein ~ Guillaume Apollinaire

Shotlandpony

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Hallo,

dazu kann ich aus eigener Erfahrung auch was beitragen …
Mein Fjord Hendrik, mittlerweile über 23 Jahre alt, ist Zeit seines Lebens sowohl bei mir als auch seinem Vorbesitzerbesitzer überwiegend „So-Da-Pferd“. Bei uns beiden spielt mein Schwachpunkt „Kontrollverlust“ eine große Rolle.
Er ist hinsichtlich „Dingen“ kein ängstliches Pferd (vor großen Fahrzeugen z.B. hab ich bedeutend mehr Schiß als er, Sylvester steht er entspannt ruhend am Zaun und schaut sich das Feuerwerk an), reagiert bei sonstigen Unsicherheiten aber sehr explosiv (losspringen und dabei auch gerne noch bocken und/ oder auskeilen). Beruhigt sich auch schnell wieder, ich aber nicht …
Mittlerweile ist mir klar, dass wir beide uns gegenseitig nicht so vertrauen, wie es eigentlich sein müsste – das hat sich natürlich im Laufe der Zeit hochgeschaukelt. Jetzt gehe ich unsere Beziehung ganz neu an. Grundlage ist natürlich das Clickertraining und die Erkenntnis, dass ich Hendrik „einfach“ mal so behandeln sollte wie meine Shettiwallache, mit denen ich wohl fast überall hingehen würde und die schon (für mich) unglaublich viele Dinge können und mit denen ich definitiv „reden“ kann – und sie mit mir.
Ich kann nicht mit Druck, Hendrik auch nicht und inzwischen habe ich auch ja zum Glück auch das Handwerkszeug, um neue Wege zu gehen. Dass Schlüsselerlebnis hatte ich vor gar nicht sooo langer Zeit, als mir auffiel, dass Hendrik beim Reinholen von der Weide sehr manierlich neben mir ging, stehen blieb, wenn ich stehenblieb und nicht die geringsten Anstalten machte, loszurennen. Zum „losreißen“ ist es da früher schon gar nicht mehr gekommen, weil ich eh immer gleich losgelassen hab. Die Erfahrung, dass Menschen ihn nicht halten können, hat er aus Vorzeiten mitgebracht. Entsprechend unentspannt war ich also schon bei solchen „einfachen“ Aktivitäten.

Ich war völlig verblüfft, hab dann aber messerscharf kombiniert: ich habe im Sommer angefangen, immer mal Pre-WWYLM mit ihm zu machen. Gar nicht mal sooo oft (er ist auch Ekzemer, mein Koppel feucht und die Mückenplage oft fies, so dass er während der Ekzemersaison dann, wenn ich Zeit habe, lieber im Stall ist). Er findet die Übung auf jeden Fall toll und hat schnell kapiert, worum es geht. Und siehe – er kann zumindest auf heimischen Gelände auch ohne Pylone neben mir gehen und anhalten, ohne „ich bin dann mal weg“. Seit dieser Erkenntnis hole ich ihn also frei von der Weide und bin - im Gegensatz noch zur langen Zeit vorher - fast völlig entspannt dabei. Auch mein Großhirn kann jetzt wieder tätig werden und mir erklären: wahrscheinlich haut er gar nicht ab und selbst wenn – passieren kann hier nix!
Also bin ich schwer entschlossen, jetzt im Winter mit möglichst vielen kleinen Trainingseinheiten einschließlich Matten, Pre-WWYLM, einzelne Beine heben, Targettraining, Zirkustricks usw. weiterzumachen und zwar auch nur „frei“ (wie ich zu mindestens 95 % auch mit den Shettis trainiere). Um das langjährige Verhaltensmuster bei uns beiden zu durchbrechen und hoffentlich zu ersetzen durch: „wir fühlen uns wohl zusammen und keiner muss weg“. Wie gesagt, Halfter, Strick, Gebiss und stärkere Geschütze haben es definitiv nicht gebracht.

Ich merke auch, wieviel entspannter ich bin, wenn ich mich auf das Positive konzentriere, nämlich die clickerüblichen kleinen Schritte, die jetzt grade „dran“ sind und Hendriks Begeisterung, da mitzumachen.
Einen kleinen Härtetest hatten wir auch schon, als ich den Pylonenkreis am Weidetor aufgebaut hatte (bei Schietwetter die einzige größere Fläche, die dazu geeignet ist), Hendrik sich wegen irgendwelcher für mich nicht erkennbarer Vorgänge im Dorf ziemlich hochfuhr, 2,3 mal seine bekannten Losrenn-und-dabei-bocken-und-keilen“ Anfälle bekam – und jedesmal ganz schnell wieder zu mir kam. Eindeutig schon ein schwerer Wettstreit zwischen abhauen wollen und weitermachen mit der tollen Übung und ihm gelang da schon einiges an Selbstbeherrschung.

Auf jeden Fall ist es so, dass sich alle drei Wallache nach Clickertrainingseinheiten drängen und ich die beiden anderen jeweils wegsperren muss. Hendrik als (grundsätzlich seeehr umgänglicher) Chef wird gegenüber seinen Subalternen auch richtig rabiat, wenn er mitkriegt, dass ich mit einem von ihnen übe. Nun, wo das Wintergras nicht mehr so schmeckt, kriegt er das auch von weitem mit und ist schneller bei uns, als ich mit Cello oder Onki nur noch „ganz kurz“ nach Rückkehr von unserer Laufrunde 2,3 nette Übungen machen kann. Sie werden alle, nebenbei bemerkt, nur ziemlich minimal bekekst, mit meist nur wenigen Müslikörnern pro Click.

Aus den „Wege zum Pferd“-Ebooks (der „Sammelband“ und der „Anti-Angst-Kurs“) helfen mir besonders folgende „Leitsätze“:

•   Das „Ja“ des Pferdes zu allem was man gemeinsam macht, ist der beste Schutz vor Angst, Streß, Unfällen, sonstigem Ungemach (auf beiden Seiten)
•   Man hat alle Zeit der Welt, um ganz kleine Schritte zu machen, immer im eigenen Wohlfühlbereich
•   Der Umgang mit dem Pferd ist ein Rabattmarkenheft – für JEDES schöne Erlebnis wird was eingeklebt, bei unschönen wieder Marken entfernt und je dicker das Heft, desto besser die Beziehung

Ich lasse gerne noch mal vorm Einschlafen die schönsten Momente des Tages mit jedem Pferd kurz „Revue pasieren“.

Die inneren Bilder, die sich wohl meist über Jahre hinweg in negativer Weise verfestigt haben, müssen durch „gute“ ersetzt werden – und da beisst sich die Katze vielleicht auch gern mal in den Schwanz – je mehr gute Erfahrungen man hat, desto leichter ist es auch, schöne innere Bilder zu entwickeln und je grusliger das Kopfkino schon ist, desto schwieriger wird es, gute Erlebnisse zu bekommen.

Nun schaun mer mal, wie sich das über Winter so entwickelt, vielleicht fangen wir im Frühjahr wieder mit Spaziergängen an, vielleicht sitze ich irgendwann auch mal entspannt drauf  - hetzen tut uns jedenfalls niemand.

Gruß
Katja
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noothe

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Danke für diesen schönen Erfahrungsbericht  :cheer:
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elli_dimi

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Ein toller Thread und ein toller Erfahrungsbericht.  :nick:
Gjonna ist ja eigentlich sehr brav und meistens auch nicht schnell aus der Ruhe zu bekommen, aber manchmal kommt es über sie und dann ist sie von 0 auf 100, bzw. ich bin manchmal zu langsam und merke es nicht schnell genug  :rotw:
Wir haben uns daher auch leider schon 2x beim Spaziergang getrennt und das ist für mich vom Kopf her irgendwie ein großes Problem.
Irgendwie wollten wir eigentlich dieses Jahr das Gelände unsicher machen, aber wir haben nur Minirunden geschafft (wegen mir - nicht wegen Gjonna. Die ist sehr brav, sogar im stockdunkeln). Wir nehmen uns dem Thema nächstes Jahr auch nochmal an und ich lese deshalb auch gerne hier mit und schnappe ein paar Tips auf :)
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Jimi Blue

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hallo ihr lieben danke für eure berichte von eueren ponys.
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2017, 10:48:55 von Jimi Blue »
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Rüsselnase

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Na das klingt doch weiterhin nach Fortschritt :hug: Prima!  :dops: :keks: Immer das Positive sehen, das dann doch klappt, statt sich am Negativen aufzuhängen. Stehe gerade auch vor dieser Prüfung und muss mich immer wieder daran erinnern  :cheese: :tuete:
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noothe

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Schön dass ihr euch jetzt so mutig raus traut :dops:
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Avaris

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Ich verstehe nicht ganz, wie das bei euch gelaufen ist mit dem Liegen, weil ich durch die letzten Sätze nicht ganz durchsteige. Aber wenn du sagst, er weiß was er machen soll, aber er kann nicht, dann frag ihn doch einfach zu einem späteren Zeitpunkt in einer anderen Situation, in der er kann?  :juck:
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Sanhestar

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meine intuition- lieber zu früh als zu spät clicken-
erklärung

--- liegen ist zwar hoch beclickt, jedoch weis ich das er sich nicht immer traut wenn ihm was unheimlich ist--
-- dann hört er beim scharren auf und macht gar nix mehr--

weiter
wir waren bis alle vier beine einknicken click
und danach hatte ich den eindruck er will nicht mehr
-- dann mache ich es so das ich sage stop und wenn er aufhört bekommt er "einen" click.
ich beende sozusagen die übung und wenn er befolgt bekommt er click.


meine frage
wie sollte ich mit solchen situationen umgehen?
welche möglichkeiten habe ich?

mein eindrcuk ist er sagt:
ich weiss was ich machen soll, aber ich kann grad nicht.

Generell finde ich, dass Du mit einem Pferd, das nach Deiner Beschreibung sehr schnell Stress beim Clickern bekommen kann, viel zu lange und zu  viel machst.

30 (!) Minuten am Stück und auch nicht einfache Dinge.

Timing des Clicks:

Der Click kommt dann, wenn das Pferd das GEWÜNSCHTE Verhalten zeigt. Nicht vorher, wenn das Verhalten kommen könnte.

Wenn Du befürchtest, dass er eine Übung nicht machen möchte, weil sie ihm unheimlich ist, dann frag' sie nicht ab. Gerade bei diesem Pferd.

Du kannst ihn vermutlich mit Clicks in's Liegen bringen, aber musst Du? Nur weil Du ihn fragen kannst, ist es für euch nützlich, genau diese Frage nicht nur zu stellen, sondern auch noch auf deren Ausführung zu drängen?

Ihr habt doch ganz andere Baustellen, die viel dringlicher und lebensnotwendiger sind, als Hinlegen.

Oder überhaupt ganz viele unterschiedliche Dinge in einer Session zu clicken.

Ja, es sollte Abwechslung in einer Trainingseinheit sein, aber doch auch mit Plan abgefragt und mit dem Gedanken, eine Balance zwischen den Übungen zu bekommen.

z.B. nach längerem Stehen ein schönes Gehen abzufragen oder einfach nur zu erlauben, damit das Pferd mal kurz nachdenken kann. Nach Bewegung und Aktivität dann Ruhe abfragen.

Du schreibst, Du hast den Eindruck er weiß, was er soll, aber kann nicht. Ja, dann kann er nicht. Warum, das liegt an Dir, es herauszufinden. Körperlich, mental, umweltbedingt.

Hinlegen in einer fremden Umgebung, das braucht schon viel Vertrauen und das hat Kili noch nicht. Also warum dann sich dran festbeissen und sich nicht mit dem "kann ich grad nicht" zufriedengeben.

Wie gesagt, Hinlegen ist nicht lebensnotwendig. Ruhiges mitkommen, das ist für euch lebensnotwendig und das hast Du zweimal (!) in 30 Minuten geclickt. Das würde ich verstärken, bis es mir zu den Ohren rauskommt bei einem Pferd mit dieser Vorgeschichte.
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Sabine
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4 Highlandponies, 5 Zughunde und 10 Packziegen auf Tour

„A horse can't do "nothing", so it makes sense to choose the "something" he's be doing when he's around me.“ (Alexandra Kurland)

Jimi Blue

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sanhestar >ok.



« Letzte Änderung: 05. Dezember 2017, 13:09:04 von Jimi Blue »
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